Verbalflexion im Präteritum: Unterschied zwischen den Versionen

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Verben werden im Deutschen je nach der Bildung ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Stammform_(Verb) Stammformen] für gewöhnlich in zwei große Klassen eingeteilt, und zwar in [[Flexion#Verbalflexion|starke und schwache Verben]].<ref>Daneben gibt es noch [http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/gruwi.ansicht?v_typ=o&v_id=3549 unregelmäßige Verben, Mischformen und genauere Differenzierungen], die an dieser Stelle vernachlässigt werden können.</ref> Starke Verben sind durch die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ablaut Veränderung ihres Stammvokals] sowie durch endungslose Formen in der 1. und 3. Person Singular gekennzeichnet (''s'''i'''ngen – s'''a'''ng – ges'''u'''ngen'', ''b'''ei'''ßen – b'''i'''ss – geb'''i'''ssen'' etc.). Bei schwachen Verben hingegen wird der Stammvokal nicht verändert, das Präteritum wird durch das das Suffix ''-t-'' (+ Personalendung) gebildet (''spielen – ich spiel'''t'''e'', ''du spiel'''t'''est'' etc., ''loben – ich lob'''t'''e'', ''du lob'''t'''est'' etc.). Einige Verben, darunter [[wenden|''wenden'']] und [[senden|''senden'']], sind dem Flexionsmuster der schwachen Verben zuzuordnen, können im Präteritum aber neben den regulären Flexionsformen (und ''e''-Einschub) auch unregelmäßige Formen mit einem Vokalwechsel haben (z. B. ''senden'' → ''s'''a'''ndte'' / ''sende'''t'''e'', vgl. auch [[Flexion bei unregelmäßigen schwachen Verben]]).
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Verben werden im Deutschen je nach der Bildung ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Stammform_(Verb) Stammformen] für gewöhnlich in zwei große Klassen eingeteilt, und zwar in [[Flexion#Verbalflexion|starke und schwache Verben]].<ref>Daneben gibt es noch [https://grammis.ids-mannheim.de/progr@mm/4071 unregelmäßige Verben, Mischformen und genauere Differenzierungen], die an dieser Stelle vernachlässigt werden können.</ref> Starke Verben sind durch die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ablaut Veränderung ihres Stammvokals] sowie durch endungslose Formen in der 1. und 3. Person Singular gekennzeichnet (''s'''i'''ngen – s'''a'''ng – ges'''u'''ngen'', ''b'''ei'''ßen – b'''i'''ss – geb'''i'''ssen'' etc.). Bei schwachen Verben hingegen wird der Stammvokal nicht verändert, das Präteritum wird durch das das Suffix ''-t-'' (+ Personalendung) gebildet (''spielen – ich spiel'''t'''e'', ''du spiel'''t'''est'' etc., ''loben – ich lob'''t'''e'', ''du lob'''t'''est'' etc.). Einige Verben, darunter [[wenden|''wenden'']] und [[senden|''senden'']], sind dem Flexionsmuster der schwachen Verben zuzuordnen, können im Präteritum aber neben den regulären Flexionsformen (und ''e''-Einschub) auch unregelmäßige Formen mit einem Vokalwechsel haben (z. B. ''senden'' → ''s'''a'''ndte'' / ''sende'''t'''e'', vgl. auch [[Flexion bei unregelmäßigen schwachen Verben]]).
  
 
Die Präteritumsformen der folgenden Verben unterliegen unterschiedlichen Formbildungen: [[backen]], [[hauen]], [[saugen]], [[erschrecken]], [[schwören]], [[wiegen]] und [[weben]].
 
Die Präteritumsformen der folgenden Verben unterliegen unterschiedlichen Formbildungen: [[backen]], [[hauen]], [[saugen]], [[erschrecken]], [[schwören]], [[wiegen]] und [[weben]].

Aktuelle Version vom 1. März 2019, 22:20 Uhr

Allgemeines zum Variantenphänomen und zur grammatischen Beschreibung

Verben werden im Deutschen je nach der Bildung ihrer Stammformen für gewöhnlich in zwei große Klassen eingeteilt, und zwar in starke und schwache Verben.[1] Starke Verben sind durch die Veränderung ihres Stammvokals sowie durch endungslose Formen in der 1. und 3. Person Singular gekennzeichnet (singen – sang – gesungen, beißen – biss – gebissen etc.). Bei schwachen Verben hingegen wird der Stammvokal nicht verändert, das Präteritum wird durch das das Suffix -t- (+ Personalendung) gebildet (spielen – ich spielte, du spieltest etc., loben – ich lobte, du lobtest etc.). Einige Verben, darunter wenden und senden, sind dem Flexionsmuster der schwachen Verben zuzuordnen, können im Präteritum aber neben den regulären Flexionsformen (und e-Einschub) auch unregelmäßige Formen mit einem Vokalwechsel haben (z. B. sendensandte / sendete, vgl. auch Flexion bei unregelmäßigen schwachen Verben).

Die Präteritumsformen der folgenden Verben unterliegen unterschiedlichen Formbildungen: backen, hauen, saugen, erschrecken, schwören, wiegen und weben.

Beispielbelege

  • Einen Teil der Kuchen backten die Kinder selbst. (Thüringer Allgmeine).
  • Gemeinsam mit ihren Erzieherinnen buken sie Kuchen, die heute im Gemeinderaum der Katholischen Kirche während eines gemeinsamen Spielenachmittages mit ihren Großeltern serviert werden. (Volksstimme).
  • Diese reagierte prompt und haute dem Unbekannten auf die Finger, klingelte bei ihrer Nachbarin und schlug damit den Täter in die Flucht. (Hessische/Niedersächsische Allgemeine).
  • Er hieb mit dem Gartengerät derart auf das Tor ein, dass der Stiel zerbrach und der bislang unverletzt gebliebene Nachbar durch umherfliegende Teile Blessuren am Knie erlitt. (Thüringer Allgemeine).
  • Darüber hinaus saugten sie aus einem neben dem Lager befindlichen Dieseltank 1100 Liter Diesel ab. (Kleine Zeitung, Steiermark und Kärnten).
  • Die Feuerwehr löschte den Brand und sog den Rauch ab. (St. Galler Tagblatt).
  • Die Fahrerin erschrak sich heftig, blieb aber unverletzt. (Neue Westfälische).
  • Die Fahrerin des Opels erschreckte sich und wich nach rechts aus. (Märkische Allgemeine).
  • Daraufhin schwor sie allen Männern Rache, insbesondere aber den vornehmen unter ihnen. (Nordkurier).
  • Und auch in Aarau schwörte die Kundschaft darauf. (Aargauer Zeitung).
  • Die Rechtsberatung des Eigentümers sandte gestern ein entsprechendes Schreiben an Verwaltung und Politik. (Rheinische Post).
  • Der Lokführer des 300 Meter langen Güterzuges mit 15 Waggons bremste zwar noch und sendete akustische Warnsignale, das Unglück konnte aber nicht mehr verhindert werden. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten).
  • Nicht wenige Zuschauerinnen wiegten den Körper im Takt der Melodie. (Märkische Online Zeitung).
  • Und während einige mitsummen, wogen sich andere im Takt der Musik. (Weser-Kurier).
  • Aus all dem webte sie einen Text, der den Leser hineinzieht in einen ganz normalen Tag in einer ganz normalen Berliner Straße. (Der Tagesspiegel).
  • Überdies wob er Netze hinzu, um so den guten Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft der sieben Familien zu dokumentieren. (Neue Osnabrücker Zeitung).
  • Da der Mann keine Kontaktdaten zurückließ [...] und sich nicht mehr bei ihr meldete, wandte sich die Frau an die Polizei in Meran. (Südtirol Online).
  • Die Pakistanerin wendete sich daraufhin mit einer Beschwerde an das Verwaltungsgericht. (Aargauer Zeitung).

Grundsätzlich überwiegen beim Vergleich zwischen starker / schwacher Verbalflexion bei der Bildung des Präteritums die starken Formen in allen Arealen. Die Verhältnisse zwischen den Formen sind jedoch teilweise sehr unterschiedlich, sodass eine generelle, verbübergreifende Tendenz zur Formenwahl nicht ausgemacht werden kann. Die arealen Präferenzen können vielmehr je nach Verb sehr unterschniedlich ausfallen.

Ähnliche Formbildungsschwankungen gibt es auch bei der Bildung des Partizips II, siehe hierzu den Artikel Verbalflexion bei der Partizipialbildung.

Weitere Varianten

Die Variantengrammatik kann bei vielen Verben, denen in unterschiedlichen Nachschlagewerken areale Unterschiede in der Bildung zugeschrieben werden, keine Variation nachweisen. So wird beispielsweise in der Fachliteratur angenommen, dass die Verben fragen (fragte / frug)[2] und beneiden (beneidete / benied)[3] areal unterschiedlich verwendet würden. In beiden Fällen sind jedoch die starken Bildungen nicht mehr im Gebrauch.

Bei anderen Verben geht mit dem Wechsel des Flexionsmusters ein Bedeutungsunterschied einher. Dies gilt für die Verben hängen (hängte 'an etwas befestigen (Aktion)' – hang / hing 'an etwas befestigt sein (statisch)')[4] und scheinen (scheinte 'strahlen' / schien 'den Anschein haben')[5].

  • Er hängte leere Klarsichthüllen an die Laternen [...]. (Rheinische Post).
  • Und für Minuten hing alles am seidenen Faden. (Mitteldeutsche Zeitung).
  • Doch ab Löffingen waren die Straßen trocken und die Sonne scheinte. (Schwarzwälder Bote).
  • Zunächst schien die gemeinsame Gesetzesinitiative auch von Erfolg gekrönt. (Stuttgarter Zeitung).

Einzelnachweise

  1. Daneben gibt es noch unregelmäßige Verben, Mischformen und genauere Differenzierungen, die an dieser Stelle vernachlässigt werden können.
  2. Duden (2016): Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. Richtiges und gutes Deutsch. 8., vollständig überarbeitete Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 9), S. 315.
    Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2005): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. 5. Auflage. Berlin u.a.: Langenscheidt, S. 41.
  3. Bickel, Hans / Landolt, Christoph (2012): Schweizerhochdeutsch: Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. Mannheim u.a.: Dudenverlag, S. 90.
  4. Bickel, Hans / Landolt, Christoph (2012): Schweizerhochdeutsch: Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. Mannheim u.a.: Dudenverlag, S. 37.
  5. Duden (2016): Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. Richtiges und gutes Deutsch. 8., vollständig überarbeitete Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 9), S. 808.

Siehe auch

Verfasst von Elisabeth Scherr