Gebrauch von Pronomen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Version vom 26. Februar 2020, 15:36 Uhr

Allgemeines zum Variantenphänomen und zur arealen Variation

Im Gebrauch mancher Pronomen zeigen sich areale Unterschiede. Sie betreffen bestimmte Demonstrativpronomen, Personalpronomen und Reflexivpronomen, Relativpronomen sowie die Kombination einiger Präpositionen mit dem Pronomen was (z. B. über was) bzw. die entsprechenden Pronominaladverbien (worüber).

Demonstrativpronomen

  • Das rückverweisende Demonstrativpronomen derselbe, dieselbe, dasselbe wird insbesondere in STIR und in A verwendet, wenn es selbstständig (d. h. nicht als Begleiter vor einem Substantiv) gebraucht wird, z. B.: die Politikerin und ein Foto derselben.
  • Von den beiden rückverweisenden, allein stehenden Demonstrativpronomen das und dies wird das Pronomen das überall öfter gebraucht. Die seltenere Variante dies wird am häufigsten in den Ländern BELG, LUX, CH, LIE und STIR verwendet, und zwar in etwa einem Viertel bis zu einem Drittel der Fälle (im Vergleich zu das). Verwendungsbeispiel: Der Vulkan ist wieder ausgebrochen. Das/Dies war das dritte Mal in diesem Jahr.
  • Von den Demonstrativpronomen derjenige, diejenige, dasjenige bzw. jener, jene, jenes kann ein Relativsatz abhängig sein: diejenigen/jene, die kein Fleisch essen. In solchen Fällen dominiert im Süden des deutschsprachigen Gebiets (STIR, A, LIE und CH) das Demonstrativpronomen jener, jene, jenes, während in den Gebieten weiter nördlich die Verwendung von derjenige, diejenige, dasjenige überwiegt. – Im Weiteren kann das Pronomen jener, jene, jenes ein Substantiv begleiten, von dem ein Relativsatz abhängt: jene Frauen, die Erfolg haben. Diese Verbindung findet man besonders häufig in A, daneben auch in STIR und LUX.
  • Die pronominalen Formen deren und derer können mit einem mengenbezeichnenden Ausdruck verbunden sein, z. B.: … mehrere Bücher. Deren/Derer drei sind besonders wertvoll. Eine solche Verbindung tritt überall in Erscheinung, ist aber besonders häufig in LUX und in CH. Dabei werden die beiden Formen deren und derer nur in D-mittelost und D-nordost ungefähr gleich häufig verwendet, im übrigen deutschsprachigen Gebiet wird die Form deren klar bevorzugt oder ist gar die fast ausnahmslos verwendete Variante.

Personalpronomen und Reflexivpronomen

  • Die Verschmelzung des Personalpronomens du mit einem vorangehenden Verb wie kannste, biste, machste etc. tritt in der geschriebenen Standardsprache überwiegend in D-nord und D-mitte auf.
  • Bei der Wendung er selber/selbst sein o. ä. wird anstelle des prädikativen Personalpronomens (er, sie, ich etc.) in CH meist das Reflexivpronomen sich verwendet: Er will einfach sich selbst sein.

Relativpronomen

  • Das Relativpronomen welcher, welche, welches wird – als Variante zum Relativpronomen der, die, das – am häufigsten in CH und LIE sowie etwas seltener in A-west und STIR verwendet: Kinder, welche schon zur Schule gehen. Außerdem wird welche etc. auch als Indefinitpronomen – z. B. Brötchen: Gibt es noch welche? – areal leicht unterschiedlich verwendet.
  • Das und was treten gleichbedeutend als Relativpronomen auf, und zwar einerseits nach substantivierten Superlativen (z. B. das Schönste, das/was) und andererseits nach Indefinitpronomen (z. B. alles, das/was). Insgesamt wird die Form was in beiden Fällen deutlich häufiger verwendet als das. Diese seltenere Variante das kommt sowohl nach Superlativen als auch – weniger ausgeprägt – nach Indefinitpronomen tendenziell in A und in CH häufiger vor als weiter nördlich. – Anders als diese allgemeinen Tendenzen verhält es sich beim Anschluss nach dem Indefinitpronomen (irgend)etwas. In einem solchen Fall steht das Relativpronomen das deutlich häufiger als nach anderen Indefinitpronomen, und es wird über das ganze deutschsprachige Gebiet gesehen sogar etwa gleich häufig verwendet wie das Relativpronomen was.

Präposition + was / wo-

Areale Variation tritt auch auf bei der Kombination von Präpositionen mit dem Pronomen was im Vergleich zu den entsprechenden Pronominaladverbien (wo-) auf. Das Pronominaladverb mit wo- (wofür, womit etc.) ist überall häufiger als die Variante mit was (für was, mit was etc.), wobei die Bevorzugung des Pronominaladverbs bei Präpositionen, die mit dem Dativ stehen (z. B. mit, von), noch stärker ist als bei Präpositionen, die den Akkusativ verlangen (z. B. für, durch). Was nach einer Präposition ist somit 'akzeptabler', wenn es im Akkusativ steht, als wenn es im Dativ steht. Die Kombination Präposition + was ist in beiden Kasusvarianten (Akkusativ oder Dativ) besonders häufig in CH, D-süd und LUX; in A-west ist sie stärker vertreten als in den restlichen österreichischen Arealen und als in STIR.

Weiterführende Literatur

  • Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), §346ff (Artikelwörter und Pronomen).

Siehe auch

Verfasst von Martin Businger