Diminutiva: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Aktuelle Version vom 28. März 2019, 15:07 Uhr


Frequenzangaben

Die prozentualen Werte entsprechen der relativen Auftretenshäufigkeit einer Variante innerhalb eines Sprachareals.
sporadisch 4% und weniger
kommt (selten) vor 5%–20%
gebräuchlich 21%–50%
üblich / mehrheitlich 51%–95%
(fast) ausnahmslos 96%–100%
* unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)

Arealkürzel

A: Österreich

  • A-west: Westösterreich

Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)

  • A-mitte: Mittelösterreich

Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Bezirk Zell am See/"Pinzgau")

  • A-südost: Südostösterreich

Kärnten, Steiermark

  • A-ost: Ostösterreich

Wien, Niederösterreich, Burgenland

BELG: Belgien
CH: Schweiz
D: Deutschland

  • D-südwest: Südwestdeutschland

Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg

  • D-mittelwest: Mittelwestdeutschland

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen

  • D-nordwest: Nordwestdeutschland

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen

  • D-nordost: Nordostdeutschland

Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

  • D-mittelost: Mittelostdeutschland

Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)

  • D-südost: Südostdeutschland

Bayern

LIE: Liechtenstein
LUX: Luxemburg
STIR: Südtirol

Verkleinerungsformen (auch: Diminutiva) von Substantiven können unter anderem durch das Anfügen der Suffixe -chen, -lein, -erl, -(e)le bzw. -(e)l und -li gebildet werden. Bei zweisilbigen Substantiven können die -lein- und -erl-Diminutive auch an reduzierte Stämme herantreten, z. B. EngelEng(e)lein, Engerl. Die Zuordnung des Genus ist bei diesen Substantiven vorhersagbar, sie folgt der ausnahmslosen Regel, dass Diminutivsuffixe Neutra bilden.

Die mit Diminutivsuffixen abgeleiteten Substantive können neben dem Bedeutungselement 'klein' teilweise auch andere oder zusätzliche Bedeutungsaspekte wie etwa 'Bekanntheit, Vertrautheit' ausdrücken bzw. eine besondere Beziehung zum Ausdruck bringen.[1] Das ist beispielsweise bei den Substantiven Enkelchen oder Enkerl der Fall: Mütter, Väter und Großmütter und Großväter durchpflügten die Turnhalle, um für den eigenen Nachwuchs und die Enkelchen einzukaufen. (Thüringer Allgemeine). Die Großeltern erfüllten dem Enkerl den Wunsch und bezahlten für die Schultasche 160 Euro – inklusive Feder- und Schüttelpennal, Turnsackerl und Geldtasche. (Salzburger Nachrichten).

Wie das Beispiel Enkelchen / Enkerl zeigt, verbindet sich ein Substantiv in den meisten Fällen nicht nur mit einem der genannten Suffixe. Vielmehr sind unterschiedliche Varianten nebeneinander im Gebrauch, ohne dass dies einen Bedeutungsunterschied bewirken würde. Bei Engel stehen mit den Ableitungen Engelchen, Eng(e)lein und Engerl sogar drei Varianten nebeneinander: Dann gab es noch ein paar Zaubertricks und schon näherte sich der Weihnachtsmann mit seinem Engelchen der Bühne. (Märkische Online Zeitung). Der Regisseur lobt die munteren Englein, die trotz der Kälte mit roten Wangen ihrem großen Auftritt entgegenfiebern. (Kleine Zeitung, Steiermark und Kärnten). Die Mütter standen hilfreich zur Seite, knöpften hinten die Goldschärpen zu und setzten den vier Engerl ihre Stirnbänder mit dem Glitzerstern aufs Haupt. (Passauer Neue Presse).

Der Zuordnung bestimmter Suffixe zu Substantiven ist zum Teil artikulatorischen Beschränkungen unterworfen. So wird -chen eher gemieden, wenn das Substantiv auf [x], [ɡ] oder [ŋ] endet, z. B. BachBächlein (Bächle, Bächli u. a., *Bächchen), ZwergZwerglein u. a., RingRinglein u. a.[2] Welches Diminutiv jeweils häufiger verwendet wird, kann aber auch vom Sprachareal abhängen. So ist etwa -chen fast im gesamten deutschsprachigen Raum üblich, wohingegen Verkleinerungsformen auf -li nur in CH vorkommen. Substantive auf -erl treten in A, selten auch in D-südost auf. Die Form -le kommt dagegen in D-südwest und A-west vor und ist auch in LIE gebräuchlich. Substantive auf -lein werden ebenso wie Substantive auf -chen im gesamten deutschsprachigen Gebiet verwendet, allerdings insgesamt seltener als die Diminutivvarianten mit -lein.

Detaillierte Informationen zum arealen Gebrauch einiger Varianten können den unten angeführten Einzelartikeln entnommen werden.

Karten

Frequenztabelle


Arealkürzel

A: Österreich

  • A-west: Westösterreich

Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)

  • A-mitte: Mittelösterreich

Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Bezirk Zell am See/"Pinzgau")

  • A-südost: Südostösterreich

Kärnten, Steiermark

  • A-ost: Ostösterreich

Wien, Niederösterreich, Burgenland

BELG: Belgien
CH: Schweiz
D: Deutschland

  • D-südwest: Südwestdeutschland

Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg

  • D-mittelwest: Mittelwestdeutschland

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen

  • D-nordwest: Nordwestdeutschland

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen

  • D-nordost: Nordostdeutschland

Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

  • D-mittelost: Mittelostdeutschland

Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)

  • D-südost: Südostdeutschland

Bayern

LIE: Liechtenstein
LUX: Luxemburg
STIR: Südtirol

Spezielle Markierungen und Abkürzungen
  • schraffierte Sektoren in den Karten: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • u.S. in den Frequenztabellen: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • * im Fliesstext: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • k.B.: keine Belege
  • Einzelvarianten unter 5 Belegen in einem Areal werden bei den Arealangaben oben nicht aufgeführt

Nähere Angaben zu den festgelegten Schwellenwerten finden sich hier.

Korpus und Quellen

Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus 68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum: 2000-2013). Für weitere Informationen zum Korpus, zum statistischen Vorgehen sowie zu den analysierten Zeitungen siehe hier.

Rundungsdifferenzen
Es können Rundungsdifferenzen auftreten, in solchen Fällen ergibt die Summe der Prozentzahlen in einer Tabelle nicht genau 100%.
Relative Auftretenshäufigkeit von -chen / -erl / -le / -lein / -li innerhalb der einzelnen Areale
Areal -chen -erl -le -lein -li
LIE 33% 0% 46% 21% 0%
STIR 67% 2% 0% 31% 0%
LUX 93% 0% 0% 7% 0%
BELG 94% 0% 0% 6% 0%
CH 79% 0% 0% 13% 7%
A-ost 23% 75% 0% 2% 0%
A-west 58% 24% 7% 11% 0%
A-mitte 63% 28% 0% 9% 0%
A-südost 55% 37% 0% 8% 0%
D-nordwest 93% 0% 0% 7% 0%
D-nordost 91% 0% 0% 9% 0%
D-mittelost 91% 0% 0% 9% 0%
D-südost 78% 4% 2% 16% 0%
D-südwest 76% 0% 12% 12% 0%
D-mittelwest 94% 0% 0% 6% 0%

Einzelnachweise

  1. Vgl. Ebner, Jakob (2009): Duden - Wie sagt man in Österreich? Wörterbuch des österreichischen Deutsch. Mannheim u.a.: Dudenverlag, S. 465f.
    Wiesinger, Peter (2014): Das österreichische Deutsch in Gegenwart und Geschichte. 3., aktualisierte und neuerlich erweiterte Auflage. Wien u.a.: Lit, S. 15.
  2. Vgl. etwa Eisenberg, Peter (2013): Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 4. Auflage. Stuttgart: Metzler, S. 261.

Siehe auch

Verfasst von Anna Thurner