Übersiedeln (Trennbarkeit): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Das Verb ''übersiedeln'' wird in A fast ausschließlich und in CH mehrheitlich [[Trennbare und untrennbare Verben|untrennbar]] gebraucht. Die ungetrennte Variante kommt außerdem in D vor, besonders in {{Kapitälchen|D-südost}}: ''Im Jahr 2000 '''übersiedelte''' es von Bamberg nach Breitengüßbach.'' (inFranken.de). So ist in {{Kapitälchen|D-südost}} die ungetrennte Variante etwa genauso häufig wie die getrennte Variante. In den übrigen Arealen von D ist demgegenüber die Trennung üblicher: ''Krößner '''siedelte''' im Juli 1985 nach mehreren Ausreiseanträgen nach Westberlin '''über'''.'' (Thüringer Allgemeine).
 
Das Verb ''übersiedeln'' wird in A fast ausschließlich und in CH mehrheitlich [[Trennbare und untrennbare Verben|untrennbar]] gebraucht. Die ungetrennte Variante kommt außerdem in D vor, besonders in {{Kapitälchen|D-südost}}: ''Im Jahr 2000 '''übersiedelte''' es von Bamberg nach Breitengüßbach.'' (inFranken.de). So ist in {{Kapitälchen|D-südost}} die ungetrennte Variante etwa genauso häufig wie die getrennte Variante. In den übrigen Arealen von D ist demgegenüber die Trennung üblicher: ''Krößner '''siedelte''' im Juli 1985 nach mehreren Ausreiseanträgen nach Westberlin '''über'''.'' (Thüringer Allgemeine).
  
Diese Variation und die regionale Verteilung betreffen auch das Partizip Perfekt sowie den Infinitiv mit ''zu''. Es gibt hier also sowohl die getrennten Formen ''(er ist) übergesiedelt'' und ''überzusiedeln'', in denen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik) Affix] ''(-)ge-'' bzw. die Infinitivpartikel ''zu'' zwischen den beiden Verbteilen stehen, als auch die ungetrennten Varianten ''(er ist) übersiedelt'' und ''(er plant) zu übersiedeln''. Hierin unterscheidet sich das Verb ''übersiedeln'' von den Verben ''[[anerkennen]]'' und ''[[widerspiegeln]]'', von denen nur in den [http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/termwb.ansicht?v_app=g&v_id=176 einfachen Verbformen (Präsens, Präteritum)] trennbare und untrennbare Varianten existieren.  
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Diese Variation und die regionale Verteilung betreffen auch das Partizip Perfekt sowie den Infinitiv mit ''zu''. Es gibt hier also sowohl die getrennten Formen ''(er ist) übergesiedelt'' und ''überzusiedeln'', in denen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik) Affix] ''(-)ge-'' bzw. die Infinitivpartikel ''zu'' zwischen den beiden Verbteilen stehen, als auch die ungetrennten Varianten ''(er ist) übersiedelt'' und ''(er plant) zu übersiedeln''. Hierin unterscheidet sich das Verb ''übersiedeln'' von den Verben ''[[anerkennen]]'' und ''[[widerspiegeln]]'', von denen nur in den [https://grammis.ids-mannheim.de/terminologie/398 einfachen Verbformen (Präsens, Präteritum)] trennbare und untrennbare Varianten existieren.  
  
 
Neben ''übersiedeln'' existiert außerdem das Verb ''siedeln''. Beide Verben werden in der Bedeutung 'den Wohnort verlegen' gebraucht. Ihre Verwendung weist allerdings areale Unterschiede auf (vgl. [[siedeln / übersiedeln]]).
 
Neben ''übersiedeln'' existiert außerdem das Verb ''siedeln''. Beide Verben werden in der Bedeutung 'den Wohnort verlegen' gebraucht. Ihre Verwendung weist allerdings areale Unterschiede auf (vgl. [[siedeln / übersiedeln]]).

Aktuelle Version vom 1. März 2019, 22:23 Uhr


Frequenzangaben

Die prozentualen Werte entsprechen der relativen Auftretenshäufigkeit einer Variante innerhalb eines Sprachareals.
sporadisch 4% und weniger
kommt (selten) vor 5%–20%
gebräuchlich 21%–50%
üblich / mehrheitlich 51%–95%
(fast) ausnahmslos 96%–100%
* unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)

Arealkürzel

A: Österreich

  • A-west: Westösterreich

Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)

  • A-mitte: Mittelösterreich

Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Bezirk Zell am See/"Pinzgau")

  • A-südost: Südostösterreich

Kärnten, Steiermark

  • A-ost: Ostösterreich

Wien, Niederösterreich, Burgenland

BELG: Belgien
CH: Schweiz
D: Deutschland

  • D-südwest: Südwestdeutschland

Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg

  • D-mittelwest: Mittelwestdeutschland

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen

  • D-nordwest: Nordwestdeutschland

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen

  • D-nordost: Nordostdeutschland

Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

  • D-mittelost: Mittelostdeutschland

Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)

  • D-südost: Südostdeutschland

Bayern

LIE: Liechtenstein
LUX: Luxemburg
STIR: Südtirol

übersiedeln sw.V./ist Trennbarkeit: sie siedelt … über (trennbar) CH, D; sie übersiedelt (untrennbar) A, CH, D

Das Verb übersiedeln wird in A fast ausschließlich und in CH mehrheitlich untrennbar gebraucht. Die ungetrennte Variante kommt außerdem in D vor, besonders in D-südost: Im Jahr 2000 übersiedelte es von Bamberg nach Breitengüßbach. (inFranken.de). So ist in D-südost die ungetrennte Variante etwa genauso häufig wie die getrennte Variante. In den übrigen Arealen von D ist demgegenüber die Trennung üblicher: Krößner siedelte im Juli 1985 nach mehreren Ausreiseanträgen nach Westberlin über. (Thüringer Allgemeine).

Diese Variation und die regionale Verteilung betreffen auch das Partizip Perfekt sowie den Infinitiv mit zu. Es gibt hier also sowohl die getrennten Formen (er ist) übergesiedelt und überzusiedeln, in denen das Affix (-)ge- bzw. die Infinitivpartikel zu zwischen den beiden Verbteilen stehen, als auch die ungetrennten Varianten (er ist) übersiedelt und (er plant) zu übersiedeln. Hierin unterscheidet sich das Verb übersiedeln von den Verben anerkennen und widerspiegeln, von denen nur in den einfachen Verbformen (Präsens, Präteritum) trennbare und untrennbare Varianten existieren.

Neben übersiedeln existiert außerdem das Verb siedeln. Beide Verben werden in der Bedeutung 'den Wohnort verlegen' gebraucht. Ihre Verwendung weist allerdings areale Unterschiede auf (vgl. siedeln / übersiedeln).

Beispielbelege

  • trennbare Verwendungsweise
    • Dann hörte man, dass der reichste Mann Frankreichs, Bernard Arnault, nach Belgien übergesiedelt sei. (Luxemburger Wort).
    • Teterow zu verlassen und in eine der offerierten Einrichtungen auf dem Land überzusiedeln, das kann er sich nicht vorstellen. (Nordkurier).
    • Doch seine warmherzige Art überzeugt die zierliche Margot zum Bleiben und sie siedelten zusammen nach Kuba über. (Aargauer Zeitung).
    • Von Lauterbach siedelte das Unternehmen im Jahr 1979 nach Seedorf in die ehemalige Flakhalle über [...]. (Schwarzwälder Bote).
    • Er wird mehrmals inhaftiert, siedelt 1940 in die Niederlassung Berlin über, wird dort erneut inhaftiert, verurteilt und am 17. April 1944 wegen "Hochverrats" enthauptet. (Augsburger Allgemeine).
  • untrennbare Verwendungsweise
    • Er wohnte im Kitzbüheler Nachbarort Oberndorf, bis er dann nach Salzburg übersiedelt ist. (Tiroler Tageszeitung).
    • Die Überlegungen, etwa in das von der Acoton am Andreas-Hofer-Platz geplante Projekt zu übersiedeln, sind damit vom Tisch. (Kleine Zeitung, Steiermark und Kärnten).
    • Im Jahre 1956 übersiedelte die Familie von Langenreichen in ein Haus in der Meitinger Nordfeldsiedlung. (Augsburger Allgemeine).
    • Als sich der Angeklagte mit seinem zukünftigen Schwiegervater zerstritt, übersiedelte das Paar in eine eigene Wohnung. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten).
    • Das 1964 als Georgisches Staatskammerorchester gegründete Ensemble übersiedelte 1990 nach Deutschland und hat seitdem seinen Sitz in Ingolstadt. (Südkurier).

Karten

Frequenztabelle


Arealkürzel

A: Österreich

  • A-west: Westösterreich

Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)

  • A-mitte: Mittelösterreich

Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Bezirk Zell am See/"Pinzgau")

  • A-südost: Südostösterreich

Kärnten, Steiermark

  • A-ost: Ostösterreich

Wien, Niederösterreich, Burgenland

BELG: Belgien
CH: Schweiz
D: Deutschland

  • D-südwest: Südwestdeutschland

Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg

  • D-mittelwest: Mittelwestdeutschland

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen

  • D-nordwest: Nordwestdeutschland

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen

  • D-nordost: Nordostdeutschland

Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

  • D-mittelost: Mittelostdeutschland

Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)

  • D-südost: Südostdeutschland

Bayern

LIE: Liechtenstein
LUX: Luxemburg
STIR: Südtirol

Spezielle Markierungen und Abkürzungen
  • schraffierte Sektoren in den Karten: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • u.S. in den Frequenztabellen: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • * im Fliesstext: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • k.B.: keine Belege
  • Einzelvarianten unter 5 Belegen in einem Areal werden bei den Arealangaben oben nicht aufgeführt

Nähere Angaben zu den festgelegten Schwellenwerten finden sich hier.

Korpus und Quellen

Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus 68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum: 2000-2013). Für weitere Informationen zum Korpus, zum statistischen Vorgehen sowie zu den analysierten Zeitungen siehe hier.

Rundungsdifferenzen
Es können Rundungsdifferenzen auftreten, in solchen Fällen ergibt die Summe der Prozentzahlen in einer Tabelle nicht genau 100%.
Relative Auftretenshäufigkeit von trennbar / untrennbar innerhalb der einzelnen Areale
Areal trennbar untrennbar
A-ost 0% (k.B.) 100%
STIR 0% 100% (u.S.)
A-west 0% (k.B.) 100%
A-mitte 1% 99%
A-südost 1% 99%
LUX 100% (u.S.) 0%
BELG 100% (u.S.) 0%
CH 17% 83%
D-nordwest 84% 16%
D-südwest 70% 30%
D-mittelwest 85% 15%
D-südost 49% 51%
D-nordost 73% 27%
D-mittelost 63% 37%
LIE 0% (k.B.) 0% (k.B.)

Siehe auch