Arbeitsablauf beim Verfassen von Artikeln
Beim Verfassen eines Artikels für die Variantengrammatik orientiert sich der Arbeitsablauf um den zentralen statistischen Signifikanztest, der zur Ermittlung der Signifikanz beobachteter linguistischer Phänomenverteilungen dient. Der Chi-Quadrat-Test stellt einige Anforderungen an die zu Grunde liegende Stichprobe, die direkten Einfluss auf die Struktur eines Artikels haben. Insbesondere gilt der Test als unverlässlich bei kleinen beobachteten Häufigkeiten. Daher wurden innerhalb des Projekts eine Reihe von Schwellenwerten definiert, die helfen sollen eine korrekte Anwendung der Tests sicher zu stellen.
Grundsätzlich ist das Vorgehen hypothesengeleitet, indem mögliche Kandidaten für Varianten den bisher in der Fachliteratur publizierten Ergebnissen entnommen wurden. Am Anfang der Entstehung eines Artikel steht der Blick auf die absolute Häufigkeitsverteilung des beobachteten Phänomens: Hier wird zunächst geprüft, ob sich zu einem Kandidaten überhaupt in einer Region mindestens zehn Belege finden. Dabei gilt wie auch für alle folgenden Schwellenwerte von Zählungen, dass bei Varianten mit Gegenvarianten die Häufigkeiten aufsummiert werden. Ist dies nicht der Fall, wird prinzipiell kein Artikel verfasst. Für die Variantengrammtik handelt es sich damit um eine Nicht-Varianten, auf die allenfalls in Überblickartikeln mit Bezug auf die entsprechende Literatur verwiesen werden kann.
Nur wenn die erste notwendige Bedingung erfüllt ist, wird überhaupt die Test-Statistik für den Chi-Quadrat-Test erhoben. Für die Testergebnisse wird wie üblich ein Signifikanzniveau von 0,05 als Schwellenwert benutzt, der in den einzelnen Regionen unterschritten werden muss, um als markiert zu gelten. Trifft dies auf gar keine Region zu, muss von einem Zufallsbefund ausgegangen werden und es wird folglich kein Artikel verfasst.
Der nächste Schritt bestimmt den Formkommentar, insoweit als er festlegt, welche Sektorenkürzel dort aufgeführt werden. Ausschlaggebend dafür ist nicht nur das Testergebnis:
Zum einen muss auch die absolute Vorkommenshäufigkeit in einer Region bei mindestens zehn Vorkommen liegen, wobei bei Varianten mit Gegenvarianten beide einen Schwellenwert von 5 erreichen müssen, damit die Region im Formkommentar erwähnt wird. Im semantischen Kommentar werden die Kürzel für solche Regionen mit einem Sternchen (*) in Tabellen mit einem "u.S." (für "unter Schwellenwert") versehen sofern auf sie Bezug genommen wird. Das kann mitunter sinnvoll sein, wenn die umliegenden Regionen keine völlig abweichenden Verhältnisse zeigen.
Zum anderen muss die relative Häufigkeit bei mindestens 5% liegen. Als Bezugsgröße dient dabei entweder die Summe der Belege aller Varianten, sofern mit Gegenvarianten verglichen wird. Oder aber für eine Variante ohne Gegenvarianten die Belegzahlen in allen Regionen, die zu dem Zweck bezüglich Subkorpusgröße der einzelnen Regionen normalisiert werden.