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Aktuelle Version vom 26. Mai 2020, 13:49 Uhr
Nach dem indefiniten Artikelwort beide können sowohl das attributive Adjektiv als auch das Substantiv (sofern dieses in Gestalt eines substantivierten Adjektivs oder Partizips auftritt) entweder stark oder schwach flektiert werden (vgl. starke / schwache Flexion des Adjektivs und Substantivs nach Artikelwörtern, artikelartigen Wörtern und Pronomen). Hierbei zeigen sich areale Präferenzen.
beide + Adjektiv im Nominativ, Akkusativ
Frequenzangaben
| Die prozentualen Werte entsprechen der relativen Auftretenshäufigkeit einer Variante innerhalb eines Sprachareals. | |
| sporadisch | 4% und weniger |
| kommt (selten) vor | 5%–20% |
| gebräuchlich | 21%–50% |
| üblich / mehrheitlich | 51%–95% |
| (fast) ausnahmslos | 96%–100% |
| * | unter Schwellenwert (absolute Belegzahl) |
Arealkürzel
|
A: Österreich
Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)
Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Kärnten, Steiermark
Wien, Niederösterreich, Burgenland BELG: Belgien
Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen
Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen
Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)
Bayern LIE: Liechtenstein |
beide + starke Adjektivflexion D; beide + schwache Adjektivflexion überall
Nach beide trägt das darauf folgende attributive Adjektiv im Nominativ und Akkusativ entweder die Endung -e und im Genitiv die Endung -er (starke Flexion) oder aber in allen drei Kasus die Endung -en (schwache Flexion). Im Nominativ und Akkusativ findet insgesamt mehrheitlich die schwache Pluralflexion Verwendung, wobei die starken und schwachen Formen je nach Areal unterschiedlich häufig verwendet werden. Im Genitiv tritt hingegen die starke Pluralflexion häufiger auf als die schwache: In den Adern beider närrischer Hoheiten fließt sprichwörtlich Narrenblut. (Nürnberger Nachrichten). Die Namen beider mutmaßlichen Täter wurden von der Polizei inzwischen ermittelt. (Der Tagesspiegel). In diesen Fällen lässt sich keine areale Variation nachweisen. Im gesamten deutschsprachigen Raum wird das Adjektiv nach beide im Nominativ und Akkusativ mehrheitlich bis fast ausnahmslos schwach flektiert: Beide involvierten Personen blieben unverletzt. (Neue Luzerner Zeitung). In D, einigen Arealen von A und in CH tritt aber, wenngleich weniger häufig, auch die starke Adjektivflexion auf: Gegen beide junge Männer laufen Verfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. (Thüringer Allgemeine). Dies gilt insbesondere für die östlichen Gebiete von D (D-nordost, D-mittelost, D-südost), wo in der geschriebenen Standardsprache nach beide auffällig häufig die starke Adjektivflexion folgt.
Beispielbelege
- beide + starke Adjektivflexion
- Denn beide mögliche Lösungen haben ihre Haken. (Badische Zeitung).
- Beide tschechische Parlamentskammern haben dem Vertrag zugestimmt. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten).
- Die landwirtschaftliche Genossenschaft bewirtschaftet beide betroffene Flächen. (Thüringer Allgemeine).
- Bei der Unfallaufnahme stellten Polizeibeamte fest, dass beide vordere Reifen des Wagens kein Profil mehr aufwiesen. (Märkische Allgemeine).
- "Eingeschult werde ich im nächsten Jahr", meint der Fünfjährige und grinst über beide rote Backen. (Neue Westfälische).
- beide + schwache Adjektivflexion
- Im Vorjahr hatten die Dortmunder den Münchnern noch beide nationalen Titel weggeschnappt. (Oberösterreichische Nachrichten).
- Beide alkoholisierten Männer gingen mit Bierflaschen aufeinander los. (Mittelbayerische).
- Als die Feuerwehrleute eintrafen, standen ein Portal sowie beide angrenzenden Fahrgastzellen in Vollbrand. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten).
- Beide kubanischen Bands befinden sich auf Europatournee. (Berner Zeitung).
- Die zentrale Lage auf der Schwenninger Steig ermöglicht es den Mitarbeitern, sehr schnell beide großen Stadtbezirke zu erreichen. (Südkurier).
Karten
Frequenztabelle
| Arealkürzel |
|---|
|
A: Österreich
Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)
Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Kärnten, Steiermark
Wien, Niederösterreich, Burgenland BELG: Belgien
Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen
Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen
Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)
Bayern LIE: Liechtenstein |
| Spezielle Markierungen und Abkürzungen |
|---|
Nähere Angaben zu den festgelegten Schwellenwerten finden sich hier. |
| Korpus und Quellen |
|---|
|
Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus 68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum: 2000-2013). Für weitere Informationen zum Korpus, zum statistischen Vorgehen sowie zu den analysierten Zeitungen siehe hier. |
| Rundungsdifferenzen |
|---|
| Es können Rundungsdifferenzen auftreten, in solchen Fällen ergibt die Summe der Prozentzahlen in einer Tabelle nicht genau 100%. |
| Areal | beide + starke Adjektivflexion | beide + schwache Adjektivflexion |
|---|---|---|
| A-ost | 0% | 100% (u.S.) |
| LIE | 0% | 100% (u.S.) |
| STIR | 0% | 100% (u.S.) |
| BELG | 17% (u.S.) | 83% (u.S.) |
| LUX | 20% (u.S.) | 80% (u.S.) |
| A-mitte | 12% | 88% |
| CH | 6% | 94% |
| A-südost | 15% | 85% |
| A-west | 16% | 84% |
| D-nordwest | 8% | 92% |
| D-südwest | 15% | 85% |
| D-nordost | 17% | 83% |
| D-mittelwest | 14% | 86% |
| D-südost | 19% | 81% |
| D-mittelost | 31% | 69% |
beide + Substantiv im Nominativ, Akkusativ
Frequenzangaben
| Die prozentualen Werte entsprechen der relativen Auftretenshäufigkeit einer Variante innerhalb eines Sprachareals. | |
| sporadisch | 4% und weniger |
| kommt (selten) vor | 5%–20% |
| gebräuchlich | 21%–50% |
| üblich / mehrheitlich | 51%–95% |
| (fast) ausnahmslos | 96%–100% |
| * | unter Schwellenwert (absolute Belegzahl) |
Arealkürzel
|
A: Österreich
Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)
Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Kärnten, Steiermark
Wien, Niederösterreich, Burgenland BELG: Belgien
Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen
Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen
Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)
Bayern LIE: Liechtenstein |
beide + starke Substantivflexion A, D, LUX; beide + schwache Substantivflexion A, CH, D, LUX
Auch ein substantiviertes Adjektiv oder Partizip, das auf beide folgt, kann entweder stark oder schwach flektiert werden, wobei wie im Fall des attributiven Adjektivs im Nominativ und Akkusativ insgesamt mehrheitlich die schwache und im Genitiv mehrheitlich die starke Pluralflexion im Gebrauch ist. Wiederum lässt sich nur bei der Flexion im Nominativ und Akkusativ areale Variation beobachten, nicht jedoch im Genitiv, wo die starken und schwachen Formen insgesamt selten und ohne areale Präferenzen nebeneinander auftreten: Angefangen hat die Karriere beider Jugendlicher am Klavier. (Hannoversche Allgemeine). Die letzten Monate beider Verstorbenen weisen viele Parallelen auf. (Kurier, Niederösterreich). Im Nominativ und Akkusativ wird auch das Substantiv nach beide fast überall mehrheitlich bis fast ausnahmslos schwach flektiert: Beide Beklagten wurden vom Vorwurf der Geldwäscherei freigesprochen. (Aargauer Zeitung). Nur in den östlichen Arealen von D ist die starke Adjektivflexion üblich: Beide Beteiligte waren alkoholisiert. (inFranken.de).
In der Fachliteratur wird vermerkt, dass das attributive und substantivierte Adjektiv nach beide im Nominativ und Akkusativ Plural immer schwach flektiert werde.<ref>Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 962.</ref> Gemäss Variantengrammatik ist hier aber sowohl die starke als auch die schwache Flexion möglich, die schwache Flexion überwiegt jedoch – besonders bei der attributiven Verwendung des Adjektivs – deutlich.
Beispielbelege
- beide + starke Substantivflexion
- Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kempten werden beide Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt. (Vorarlberg Online).
- Beide Verletzte wurden zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht. (Schwäbische Zeitung).
- Beide Kandidierende sind bekannt und beliebt, beide gelten als integre Persönlichkeiten. (Aargauer Zeitung).
- Infolgedessen beantragte die Generalanwältin die Bestätigung des in erster Instanz festgelegten Strafmaßes für beide Angeklagte. (Luxemburger Wort).
- Auf beide Notenbeste müssen die Vereine in der kommenden Serie verzichten. (Thüringer Allgemeine).
- beide + schwache Substantivflexion
- Dass beide Angeklagten voll geständig waren, wirkte sich strafmildernd aus. (Neue Westfälische).
- Beide Beteiligten stiegen aus und tauschten ihre Personalien aus. (Nürnberger Nachrichten).
- Freitagnachmittag wurde über beide Verdächtigen die U-Haft verhängt. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten).
- Beide Wiedergewählten freuten sich über die Unterstützung durch ihre Parteifreunde und bedankten sich für deren Vertrauen. (Thüringer Allgemeine).
- Die Polizisten nahmen beide Jugendlichen schließlich gegen 3.25 Uhr vorläufig fest. (Hannoversche Allgemeine).
Karten
Frequenztabelle
| Arealkürzel |
|---|
|
A: Österreich
Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)
Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Kärnten, Steiermark
Wien, Niederösterreich, Burgenland BELG: Belgien
Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen
Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen
Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)
Bayern LIE: Liechtenstein |
| Spezielle Markierungen und Abkürzungen |
|---|
Nähere Angaben zu den festgelegten Schwellenwerten finden sich hier. |
| Korpus und Quellen |
|---|
|
Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus 68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum: 2000-2013). Für weitere Informationen zum Korpus, zum statistischen Vorgehen sowie zu den analysierten Zeitungen siehe hier. |
| Rundungsdifferenzen |
|---|
| Es können Rundungsdifferenzen auftreten, in solchen Fällen ergibt die Summe der Prozentzahlen in einer Tabelle nicht genau 100%. |
| Areal | beide + starke Substantivflexion | beide + schwache Substantivflexion |
|---|---|---|
| LIE | 0% (k.B.) | 0% (k.B.) |
| STIR | 17% (u.S.) | 83% (u.S.) |
| BELG | 40% (u.S.) | 60% (u.S.) |
| CH | 13% | 87% |
| A-ost | 33% (u.S.) | 67% (u.S.) |
| LUX | 33% | 67% |
| A-west | 26% | 74% |
| A-mitte | 38% | 62% |
| A-südost | 27% | 73% |
| D-nordwest | 25% | 75% |
| D-südwest | 35% | 65% |
| D-nordost | 56% | 44% |
| D-mittelost | 54% | 46% |
| D-mittelwest | 45% | 55% |
| D-südost | 55% | 45% |
Einzelnachweise
<references />
Siehe auch
- Grundlagenartikel: Flexion (oder direkt Unterkapitel Adjektivflexion und Flexion von Artikelwörtern)
- Überblicksartikel: starke / schwache Flexion des Adjektivs und Substantivs nach Artikelwörtern, artikelartigen Wörtern und Pronomen
- Einzelartikel: sämtliche, solche
- Thematisch verwandte Artikel: ab + Dativ / Akkusativ bei Datums- und Zeitangaben, Adjektiv auf -em + Adjektiv auf -em / -en im Dativ Singular