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Die Flexion des Verbs ''erschrecken'' in der Bedeutung 'einen Schrecken bekommen' weist bei der Bildung des Präteritums areale Unterschiede auf, die sich auf die Unterscheidung zwischen starkem und schwachem Flexionsmuster zurückführen lassen: ''Die dreijährige Tochter '''erschreckte''' sich so sehr, dass sie einen Schock erlitt''. (Thüringer Allgemeine). ''Der 29-Jährige '''erschrak''' sich dermaßen, dass er beim Ausweichen mit seinem Fahrzeug ins Schleudern geriet''. (Stuttgarter Zeitung). | Die Flexion des Verbs ''erschrecken'' in der Bedeutung 'einen Schrecken bekommen' weist bei der Bildung des Präteritums areale Unterschiede auf, die sich auf die Unterscheidung zwischen starkem und schwachem Flexionsmuster zurückführen lassen: ''Die dreijährige Tochter '''erschreckte''' sich so sehr, dass sie einen Schock erlitt''. (Thüringer Allgemeine). ''Der 29-Jährige '''erschrak''' sich dermaßen, dass er beim Ausweichen mit seinem Fahrzeug ins Schleudern geriet''. (Stuttgarter Zeitung). | ||
Wenn ''erschrecken'' die Bedeutung 'bewirken, dass jemand einen Schrecken bekommt; jemandem einen Schrecken einjagen' hat und dabei mit Objekt steht (also [ | Wenn ''erschrecken'' die Bedeutung 'bewirken, dass jemand einen Schrecken bekommt; jemandem einen Schrecken einjagen' hat und dabei mit Objekt steht (also [https://grammis.ids-mannheim.de/systematische-grammatik/950 transitiv] ist), wird {{Kapitälchen|überall}} ausschließlich die schwache Flexion verwendet: ''Der mitfahrende Hund in einem Pkw Honda '''erschreckte''' die 23-jährige Fahrerin derart, dass diese das Lenkrad verriss und über einen Stein fuhr''. (Thüringer Allgemeine). | ||
==''erschrecken'' im Präteritum== | ==''erschrecken'' im Präteritum== | ||
'''erschrecken''' ''Präteritum:'' '''erschrak''' {{Kapitälchen|A-südost, CH, D}}; '''erschreckte''' {{Kapitälchen|CH, D}} 'einen Schrecken bekommen' | '''erschrecken''' ''Präteritum:'' '''erschrak''' {{Kapitälchen|A-südost, CH, D}}; '''erschreckte''' {{Kapitälchen|CH, D}} 'einen Schrecken bekommen' | ||
Das Verb ''erschrecken'' kann im [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4teritum Präteritum] sowohl nach dem Muster der schwachen wie auch der starken Verben gebildet werden (vgl. [[Flexion#Verbalflexion|Verbalflexion]]). Die schwachen und die starken Formen werden areal unterschiedlich gebraucht. Diese Variation tritt nur dann auf, wenn ''erschrecken'' die Bedeutung 'einen Schrecken bekommen' hat und dabei entweder ohne Objekt steht (also [ | Das Verb ''erschrecken'' kann im [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4teritum Präteritum] sowohl nach dem Muster der schwachen wie auch der starken Verben gebildet werden (vgl. [[Flexion#Verbalflexion|Verbalflexion]]). Die schwachen und die starken Formen werden areal unterschiedlich gebraucht. Diese Variation tritt nur dann auf, wenn ''erschrecken'' die Bedeutung 'einen Schrecken bekommen' hat und dabei entweder ohne Objekt steht (also [https://grammis.ids-mannheim.de/systematische-grammatik/950 intransitiv] ist: ''Dieser musste den Unfall beobachten und '''erschrak''' dabei so sehr, dass er seinen Pkw stark abbremste''. (inFranken.de)) oder mit ''sich'' steht ([http://de.wikipedia.org/wiki/Reflexives_Verb reflexive Verwendungen]: ''Weit ist der 27-Jährige mit seiner Beute allerdings nicht gekommen – gerade als er das Geschäft verlassen wollte und '''sich''' noch darüber '''erschreckte''', dass die Sicherheitsanlage am Ausgang piepste, prallte er mit einem 36-jährigen Kaufhausdetektiv zusammen''. (Neue Osnabrücker Zeitung)). | ||
Die stark gebildeten Formen werden im gesamten deutschsprachigen Raum mehrheitlich verwendet, in {{Kapitälchen|A-südost}}, {{Kapitälchen|A-west}}*, {{Kapitälchen|D-südost}} und LUX* sogar fast ausnahmslos: ''Die Fahrerin '''erschrak''' dabei und verriss das Steuer''. (inFranken.de). In {{Kapitälchen|D-mitte}} und {{Kapitälchen|D-nordwest}} sind jedoch auch die schwach gebildeten Formen gebräuchlich, die auch im restlichen D und in CH, wenn auch seltener, vorkommen: ''Ein Autofahrer, der die Flüssigkeit abbekam, '''erschreckte''' zwar, konnte aber einen Unfall verhindern''. (Märkische Allgemeine). | Die stark gebildeten Formen werden im gesamten deutschsprachigen Raum mehrheitlich verwendet, in {{Kapitälchen|A-südost}}, {{Kapitälchen|A-west}}*, {{Kapitälchen|D-südost}} und LUX* sogar fast ausnahmslos: ''Die Fahrerin '''erschrak''' dabei und verriss das Steuer''. (inFranken.de). In {{Kapitälchen|D-mitte}} und {{Kapitälchen|D-nordwest}} sind jedoch auch die schwach gebildeten Formen gebräuchlich, die auch im restlichen D und in CH, wenn auch seltener, vorkommen: ''Ein Autofahrer, der die Flüssigkeit abbekam, '''erschreckte''' zwar, konnte aber einen Unfall verhindern''. (Märkische Allgemeine). | ||
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* Grundlagenartikel: [[Flexion]] oder direkt Unterkapitel [[Flexion#Verbalflexion|Verbalflexion]] | * Grundlagenartikel: [[Flexion]] (oder direkt Unterkapitel [[Flexion#Verbalflexion|Verbalflexion]]) | ||
* Überblicksartikel: [[Verbalflexion im Präteritum]] | * Überblicksartikel: [[Verbalflexion im Präteritum]] | ||
* Einzelartikel: [[backen]], [[bewegen]], [[hauen]], [[saugen]], [[schwören]], [[ | * Einzelartikel: [[backen]], [[bewegen]], [[hauen]], [[saugen]], [[schwören]], [[weben]], [[wiegen]] | ||
* Thematisch verwandte Artikel: [[bewegen]], [[Flexion bei unregelmäßigen schwachen Verben]], [[spalten]], [[Verbalflexion bei der Partizipialbildung]], [[winken]] | |||
[[Kategorie: Verbalflexion im Präteritum]] [[Kategorie:Einzelartikel]] | [[Kategorie: Verbalflexion im Präteritum]] [[Kategorie:Einzelartikel]] | ||
Aktuelle Version vom 1. März 2019, 11:45 Uhr
Frequenzangaben
| Die prozentualen Werte entsprechen der relativen Auftretenshäufigkeit einer Variante innerhalb eines Sprachareals. | |
| sporadisch | 4% und weniger |
| kommt (selten) vor | 5%–20% |
| gebräuchlich | 21%–50% |
| üblich / mehrheitlich | 51%–95% |
| (fast) ausnahmslos | 96%–100% |
| * | unter Schwellenwert (absolute Belegzahl) |
Arealkürzel
|
A: Österreich
Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)
Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Kärnten, Steiermark
Wien, Niederösterreich, Burgenland BELG: Belgien
Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen
Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen
Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)
Bayern LIE: Liechtenstein |
Die Flexion des Verbs erschrecken in der Bedeutung 'einen Schrecken bekommen' weist bei der Bildung des Präteritums areale Unterschiede auf, die sich auf die Unterscheidung zwischen starkem und schwachem Flexionsmuster zurückführen lassen: Die dreijährige Tochter erschreckte sich so sehr, dass sie einen Schock erlitt. (Thüringer Allgemeine). Der 29-Jährige erschrak sich dermaßen, dass er beim Ausweichen mit seinem Fahrzeug ins Schleudern geriet. (Stuttgarter Zeitung). Wenn erschrecken die Bedeutung 'bewirken, dass jemand einen Schrecken bekommt; jemandem einen Schrecken einjagen' hat und dabei mit Objekt steht (also transitiv ist), wird überall ausschließlich die schwache Flexion verwendet: Der mitfahrende Hund in einem Pkw Honda erschreckte die 23-jährige Fahrerin derart, dass diese das Lenkrad verriss und über einen Stein fuhr. (Thüringer Allgemeine).
erschrecken im Präteritum
erschrecken Präteritum: erschrak A-südost, CH, D; erschreckte CH, D 'einen Schrecken bekommen'
Das Verb erschrecken kann im Präteritum sowohl nach dem Muster der schwachen wie auch der starken Verben gebildet werden (vgl. Verbalflexion). Die schwachen und die starken Formen werden areal unterschiedlich gebraucht. Diese Variation tritt nur dann auf, wenn erschrecken die Bedeutung 'einen Schrecken bekommen' hat und dabei entweder ohne Objekt steht (also intransitiv ist: Dieser musste den Unfall beobachten und erschrak dabei so sehr, dass er seinen Pkw stark abbremste. (inFranken.de)) oder mit sich steht (reflexive Verwendungen: Weit ist der 27-Jährige mit seiner Beute allerdings nicht gekommen – gerade als er das Geschäft verlassen wollte und sich noch darüber erschreckte, dass die Sicherheitsanlage am Ausgang piepste, prallte er mit einem 36-jährigen Kaufhausdetektiv zusammen. (Neue Osnabrücker Zeitung)).
Die stark gebildeten Formen werden im gesamten deutschsprachigen Raum mehrheitlich verwendet, in A-südost, A-west*, D-südost und LUX* sogar fast ausnahmslos: Die Fahrerin erschrak dabei und verriss das Steuer. (inFranken.de). In D-mitte und D-nordwest sind jedoch auch die schwach gebildeten Formen gebräuchlich, die auch im restlichen D und in CH, wenn auch seltener, vorkommen: Ein Autofahrer, der die Flüssigkeit abbekam, erschreckte zwar, konnte aber einen Unfall verhindern. (Märkische Allgemeine).
Beispielbelege
- erschrak
- Viele Passanten erschraken angesichts des Bildes, das sich ihnen bot. (Thüringer Allgemeine).
- Darüber erschrak der Fahrer und verriss das Steuer. (Ostsee-Zeitung).
- Schon beim ersten Probeschuss ließ der Schießmeister den Apfel zu Boden kullern und erschrak sich selbst wohl am meisten darüber. (Neue Westfälische).
- Der Mann erschrak so sehr, dass er gegen ein Verkehrszeichen fuhr. (Kleine Zeitung, Steiermark und Kärnten).
- Als er sie einfangen wollte, erschrak sich einer der Hasen im wahrsten Sinn des Wortes zu Tode. (Augsburger Allgemeine).
- erschreckte
- Durch den Aufprall erschreckte sich der Rentner derart, dass er sein Fahrzeug ruckartig wieder vorwärts steuerte. (Frankenpost).
- Er erschreckte sich derart, dass er die Kontrolle über seinen Wagen verlor. (Rheinische Post).
- Als sie die beiden ansprach, erschreckten diese und flohen durch die unversperrte Kellertür auf die Straße. (Oberösterreichische Nachrichten).
- Das Beuteltier erschreckte sich und trat die Flucht nach vorn an. (Hannoversche Allgemeine).
- Der Fahrer war so nah an dem Kind vorbeigefahren, dass sich das Kind erschreckte, nach rechts lenkte und stürzte. (Rheinische Post).
Karten
Frequenztabelle
| Arealkürzel |
|---|
|
A: Österreich
Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)
Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Kärnten, Steiermark
Wien, Niederösterreich, Burgenland BELG: Belgien
Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen
Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen
Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)
Bayern LIE: Liechtenstein |
| Spezielle Markierungen und Abkürzungen |
|---|
Nähere Angaben zu den festgelegten Schwellenwerten finden sich hier. |
| Korpus und Quellen |
|---|
|
Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus 68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum: 2000-2013). Für weitere Informationen zum Korpus, zum statistischen Vorgehen sowie zu den analysierten Zeitungen siehe hier. |
| Rundungsdifferenzen |
|---|
| Es können Rundungsdifferenzen auftreten, in solchen Fällen ergibt die Summe der Prozentzahlen in einer Tabelle nicht genau 100%. |
| Areal | erschrak | erschreckte |
|---|---|---|
| LIE | 0% (k.B.) | 0% (k.B.) |
| STIR | 0% (k.B.) | 0% (k.B.) |
| BELG | 0% (k.B.) | 0% (k.B.) |
| A-west | 100% (u.S.) | 0% |
| LUX | 100% (u.S.) | 0% |
| A-mitte | 75% (u.S.) | 25% (u.S.) |
| A-südost | 100% | 0% |
| A-ost | 0% (k.B.) | 0% (k.B.) |
| D-südwest | 94% | 6% |
| D-südost | 96% | 4% |
| CH | 95% | 5% |
| D-nordost | 89% | 11% |
| D-nordwest | 68% | 32% |
| D-mittelost | 78% | 22% |
| D-mittelwest | 75% | 25% |
erschrecken im Partizip II
Im Gegensatz zu anderen Verben wie saugen, senden, weben oder wenden kommt die Variation zwischen starken und schwachen Formen (vgl. Verbalflexion) bei erschrecken nur bei der Bildung des Präteritums vor, nicht aber bei der Bildung des Partizips II. Ob die starke (erschrocken) bzw. die schwache Partizipform (erschreckt) verwendet wird, hängt hier nicht vom Areal, sondern von der Bedeutung des Verbs ab. Wenn erschrecken 'einen Schrecken bekommen' bedeutet, kommt überall nahezu immer die starke Flexion vor; in diesem Fall wird zur Bildung des Perfekts das Hilfsverb sein verwendet: Ein nicht angeschnallter Autofahrer ist beim Anblick eines Polizeiautos so erschrocken, dass er in einer Kurve in ein entgegenkommendes Fahrzeug fuhr. (Nürnberger Nachrichten). Wenn erschrecken die Bedeutung 'bewirken, dass jemand einen Schrecken bekommt; jemandem einen Schrecken einjagen' hat und dabei mit Objekt steht, kommt ausschließlich das schwach gebildete Partizip II vor; in diesem Fall wird zur Bildung immer das Hilfsverb haben verwendet: Die Velofahrer hätten Fussgänger erschreckt. (St. Galler Tagblatt).
Siehe auch
- Grundlagenartikel: Flexion (oder direkt Unterkapitel Verbalflexion)
- Überblicksartikel: Verbalflexion im Präteritum
- Einzelartikel: backen, bewegen, hauen, saugen, schwören, weben, wiegen
- Thematisch verwandte Artikel: bewegen, Flexion bei unregelmäßigen schwachen Verben, spalten, Verbalflexion bei der Partizipialbildung, winken