Abweichungen vom rein statistischen Verfahren: Unterschied zwischen den Versionen

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Es ist erklärtes Ziel der Variantengrammatik des Standarddeutschen, ein
Es ist erklärtes Ziel der Variantengrammatik des Standarddeutschen, ein
Nachschlagewerk zu liefern, das auf korpuslinguistischer Methodik
Nachschlagewerk zu präsentieren, das auf korpuslinguistischer Methodik
beruht und streng empirisch fundiert ist. Um dem gerecht zu werden,
beruht und streng empirisch fundiert ist. Um dem gerecht zu werden, haben wir einen Arbeitsablauf zur Erstellung eines Artikels entworfen, in
wurde ein Arbeitsablauf zur Erstellung eines Artikels entworfen, in
dessen Zentrum ein statistisches Verfahren zur Ermittlung von
dessen Zentrum ein statistisches Verfahren zur Ermittlung von
Signifikanz beobachteter linguistischer Phänomenverteilungen steht
Signifikanz beobachteter linguistischer Phänomenverteilungen steht
(s. Arbeitsablauf).  
(s. [[Arbeitsablauf beim Verfassen von Artikeln]]).  


Der Chi-Quadrat-Test ist – wie auch andere Signifikanztests – ein
Der Chi-Quadrat-Test ist – wie auch andere Signifikanztests – ein
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Test dient also als Absicherung gegen Zufallsbefunde. Er liefert zu
Test dient also als Absicherung gegen Zufallsbefunde. Er liefert zu
dem Zweck eine Wahrscheinlichkeit für das zufällige Auftreten der
dem Zweck eine Wahrscheinlichkeit für das zufällige Auftreten der
beobachteten Häufigkeitsverteilung. Je geringer die Wahrscheinlichkeit
beobachteten Häufigkeitsverteilung. Je geringer die Wahrscheinlichkeit,
desto höher kann das Vertrauen sein, dass die Beobachtung nicht dem
desto plausibler ist die Annahme, dass die Beobachtung nicht dem
Zufall sondern anderen – im vorliegenden Fall variationsbedingten –
Zufall, sondern anderen – im vorliegenden Fall variationsbedingten –
Gründen geschuldet ist. Damit der Test verlässlich eine
Gründen geschuldet ist. Damit der Test verlässlich eine
Zufallswahrscheinlichkeit liefern kann, ist eine ausreichend große
Zufallswahrscheinlichkeit liefern kann, ist eine ausreichend große
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Mindestanforderung, dass sowohl die beobachteten als auch die
Mindestanforderung, dass sowohl die beobachteten als auch die
errechneten zu erwartenden Häufigkeiten alle mindestens eine Größe von
errechneten zu erwartenden Häufigkeiten alle mindestens eine Größe von
5 haben. Eine etwas aufgeweichtere Anforderung verlangt, dass 80% der
5 haben. Eine etwas moderatere Anforderung verlangt, dass 80% der
Häufigkeiten den Wert von mindestens 5 aufweisen müssen. Hat eine der
Häufigkeiten den Wert von mindestens 5 aufweisen müssen. Hat eine der
beobachteten Häufigkeiten einen Wert von 0, ist der Test überhaupt
beobachteten Häufigkeiten einen Wert von 0, ist der Test überhaupt
nicht anwendbar.
nicht anwendbar.


Genau dieser Fall tritt aber mitunter auf bei einigen Zählungen, die auf
Genau dieser Fall tritt aber mitunter bei einigen Zählungen auf, die auf der Basis des Korpus ermittelt wurden. Verschärft wird
dem zu Grunde liegenden Korpus ermittelt wurden. Verschärft wird
diese Situation dadurch, dass die vorhandene Stichprobe für manche
dieser Trend dadurch, dass die vorhandene Stichprobe für manche
Areale wesentlich geringer ist als für andere (s. [[Datenerhebung#Areale Einordnung der untersuchten Zeitungen und Verteilung der Artikel|Korpusgrößen]]). Es
Areale wesentlich geringer ist als für andere (s. Korpusgrößen). Es
gibt Varianten, die derart eindeutig areal definiert sind, dass sie in
gibt Varianten, die derart eindeutig areal definiert sind, dass sie in
anderen Arealen überhaupt nicht vorkommen. Dabei handelt es sich zum
anderen Arealen überhaupt nicht vorkommen. Dabei handelt es sich zum
Teil um offensichtliche Varianten, die von lokalen Sprechern
Teil um solche, die von lokalen Sprechteilnehmenden
zweifelsfrei als solche identifiziert werden können.
zweifelsfrei als solche identifiziert werden können.


Andererseits gibt es natürlich auch Fälle, bei denen der Test rechnerisch
Andererseits gibt es natürlich auch Fälle, bei denen der Test rechnerisch
anwendbar ist, die oben beschriebenen Mindestanforderungen aber nicht
anwendbar ist, die oben beschriebenen Mindestanforderungen aber nicht
erfüllt sind. In beiden Fällen obliegt es letztlich der Expertise der
erfüllt sind. In beiden Fällen obliegt es letztlich der Expertise der Forschenden, zu entscheiden, ob ein Eintrag gerechtfertigt ist oder
Verfasserinnen, zu entscheiden, ob ein Eintrag gerechtfertigt ist oder
nicht. So ist in der strukturellen Anlage des Projektes
nicht. Es ist schon in der strukturellen Anlage des Projektes
mitgedacht, dass die methodische Ausrichtung der Variantengrammatik in
mitgedacht, dass die methodische Ausrichtung der Variantengrammatik in
solchen Fällen nicht komplett zu Gunsten einer linguistischen
solchen Fällen nicht komplett zu Gunsten einer linguistischen
Einzelsprecherintuition aufgegeben werden muss. In zweierlei Hinsicht
Einzelsprecherintuition aufgegeben werden muss. In zweierlei Hinsicht
wurde dem Rechnung getragen: Einerseits dadurch, dass es sich um ein
wurde dem Rechnung getragen: einerseits dadurch, dass es sich um ein
trinationales Projekt handelt, dessen Gruppen Mitglieder aus
trinationales Projekt handelt, dessen Mitglieder aus
unterschiedlichen Arealen vereinen. Andererseits dadurch, dass die
unterschiedlichen Arealen stammen. Andererseits dadurch, dass jede Person einen linguistischen Phänomenbereich in voller Breite
Verfasserinnen linguistische Phänomenbereiche in voller Breite
abdeckt, so dass sie in der Lage ist, die Zahlen, die Korpusabfragen
abdecken, so dass sie in der Lage sind, die Zahlen, die Korpusabfrage
und die statistischen Auswertungen jeweils mit Blick auf das Gesamtbild der
und die statistische Auswertung vor einem Gesamtbild der
gefundenen Ergebnisse auszuwerten und zu interpretieren. In Grenz- und
gefundenen Ergebnisse auszuwerten und zu interpretieren. In Grenz- und
Zweifelsfällen konnten so ad hoc Expertengremien gebildet werden, die im
Zweifelsfällen konnten so Expertengremien gebildet werden, die im
Konsens darüber entschieden haben, ob ein Befund als Variante zu
Konsens darüber entschieden haben, ob ein Befund als Variante zu
behandeln ist oder nicht. Flankierend wurdem in dieser Situation
behandeln ist oder nicht. Flankierend wurden in dieser Situation,
soweit sinnvoll weitere statistische Tests (t-Test,
soweit sinnvoll, weitere statistische Tests (t-Test,
Fischer-Exakt-Test) durchgeführt. Solche Entscheidungen sind aber
Fischer-Exakt-Test) durchgeführt. Solche Entscheidungen stellen aber Ausnahmefälle dar, in den allermeisten Fällen konnte das testbasierte Verfahren ohne Abweichungen angewendet werden.
immer Ausnahmefälle, während in der absolut überwiegenden Anzahl von
beschriebenen Varianten das testbasierte Verfahren zur Anwendung kam.


Es bleibt dennoch zu betonen, dass es ein Desiderat für die
Allerdings wäre es wünschenswert, wenn man auch in solchen Fällen ein dezidiert empirisches Programm verfolgen könnte. Dies stellt in der Korpuslinguistik noch ein Desiderat dar. So müssten Werkzeuge entwickelt werden, die ein sehr viel interaktiveres
Korpuslinguistik darstellt, eine flexiblere Infrastruktur an die Hand
Operieren mit den Daten erlauben, es also beispielsweise ermöglichen, variabel und live
zu bekommen, die es auch in solchen Fällen erlauben würde, ein
Korpora zu definieren, oder einen stichprobengerechten
dezidiert empirisches Programm zu verfolgen. Insbesondere wäre es
Signifikanztest auszuwählen. Ohne die dafür notwendige technische Unterstützung
wichtig, Werkzeuge zu entwickeln, die ein sehr viel interaktiveres
stößt man hier aber sehr schnell an zeit- und ressourcenbedingte Grenzen.
Operieren mit den Daten erlauben, um beispielsweise variabel und live
Korpora definieren zu können oder einen stichprobengerechten
Signifikanztest auszuwählen. Ohne die nötige technische Unterstützung
stößt man hier sehr schnell an zeit- und resourcenbedingte Grenzen.

Aktuelle Version vom 12. Dezember 2019, 11:20 Uhr

Es ist erklärtes Ziel der Variantengrammatik des Standarddeutschen, ein Nachschlagewerk zu präsentieren, das auf korpuslinguistischer Methodik beruht und streng empirisch fundiert ist. Um dem gerecht zu werden, haben wir einen Arbeitsablauf zur Erstellung eines Artikels entworfen, in dessen Zentrum ein statistisches Verfahren zur Ermittlung von Signifikanz beobachteter linguistischer Phänomenverteilungen steht (s. Arbeitsablauf beim Verfassen von Artikeln).

Der Chi-Quadrat-Test ist – wie auch andere Signifikanztests – ein Verfahren, das verhindern soll, dass empirisch ermittelte Unterschiede der Auftretenshäufigkeiten eines Phänomens als relevant erachtet werden, obwohl es sich de facto um zufällige Differenzen handelt. Der Test dient also als Absicherung gegen Zufallsbefunde. Er liefert zu dem Zweck eine Wahrscheinlichkeit für das zufällige Auftreten der beobachteten Häufigkeitsverteilung. Je geringer die Wahrscheinlichkeit, desto plausibler ist die Annahme, dass die Beobachtung nicht dem Zufall, sondern anderen – im vorliegenden Fall variationsbedingten – Gründen geschuldet ist. Damit der Test verlässlich eine Zufallswahrscheinlichkeit liefern kann, ist eine ausreichend große Stichprobe nötig. Insbesondere für den Chi-Quadrat-Test gilt es als Mindestanforderung, dass sowohl die beobachteten als auch die errechneten zu erwartenden Häufigkeiten alle mindestens eine Größe von 5 haben. Eine etwas moderatere Anforderung verlangt, dass 80% der Häufigkeiten den Wert von mindestens 5 aufweisen müssen. Hat eine der beobachteten Häufigkeiten einen Wert von 0, ist der Test überhaupt nicht anwendbar.

Genau dieser Fall tritt aber mitunter bei einigen Zählungen auf, die auf der Basis des Korpus ermittelt wurden. Verschärft wird diese Situation dadurch, dass die vorhandene Stichprobe für manche Areale wesentlich geringer ist als für andere (s. Korpusgrößen). Es gibt Varianten, die derart eindeutig areal definiert sind, dass sie in anderen Arealen überhaupt nicht vorkommen. Dabei handelt es sich zum Teil um solche, die von lokalen Sprechteilnehmenden zweifelsfrei als solche identifiziert werden können.

Andererseits gibt es natürlich auch Fälle, bei denen der Test rechnerisch anwendbar ist, die oben beschriebenen Mindestanforderungen aber nicht erfüllt sind. In beiden Fällen obliegt es letztlich der Expertise der Forschenden, zu entscheiden, ob ein Eintrag gerechtfertigt ist oder nicht. So ist in der strukturellen Anlage des Projektes mitgedacht, dass die methodische Ausrichtung der Variantengrammatik in solchen Fällen nicht komplett zu Gunsten einer linguistischen Einzelsprecherintuition aufgegeben werden muss. In zweierlei Hinsicht wurde dem Rechnung getragen: einerseits dadurch, dass es sich um ein trinationales Projekt handelt, dessen Mitglieder aus unterschiedlichen Arealen stammen. Andererseits dadurch, dass jede Person einen linguistischen Phänomenbereich in voller Breite abdeckt, so dass sie in der Lage ist, die Zahlen, die Korpusabfragen und die statistischen Auswertungen jeweils mit Blick auf das Gesamtbild der gefundenen Ergebnisse auszuwerten und zu interpretieren. In Grenz- und Zweifelsfällen konnten so Expertengremien gebildet werden, die im Konsens darüber entschieden haben, ob ein Befund als Variante zu behandeln ist oder nicht. Flankierend wurden in dieser Situation, soweit sinnvoll, weitere statistische Tests (t-Test, Fischer-Exakt-Test) durchgeführt. Solche Entscheidungen stellen aber Ausnahmefälle dar, in den allermeisten Fällen konnte das testbasierte Verfahren ohne Abweichungen angewendet werden.

Allerdings wäre es wünschenswert, wenn man auch in solchen Fällen ein dezidiert empirisches Programm verfolgen könnte. Dies stellt in der Korpuslinguistik noch ein Desiderat dar. So müssten Werkzeuge entwickelt werden, die ein sehr viel interaktiveres Operieren mit den Daten erlauben, es also beispielsweise ermöglichen, variabel und live Korpora zu definieren, oder einen stichprobengerechten Signifikanztest auszuwählen. Ohne die dafür notwendige technische Unterstützung stößt man hier aber sehr schnell an zeit- und ressourcenbedingte Grenzen.