Wortbildung

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Allgemeine Bemerkungen

Gegenstand der Wortbildung ist, wie aus vorhandenem Sprachmaterial neue Wörter gebildet werden und damit auch die Frage, wie der Wortschatz einer Sprache produktiv erweitert wird. Zur Bildung von Wörtern gibt es unterschiedliche Verfahren, zu den wichtigsten zählen im Deutschen die Komposition, die Derivation, die Konversion und die Kurzwortbildung. Unterschieden werden diese Verfahren in erster Linie nach der Art der zusammengefügten Bausteine – also danach, ob einfache Wörter (Lexeme) eingesetzt oder ob auch Wortbildungsaffixe verwendet werden.

So ist die Komposition dadurch gekennzeichnet, dass zwei selbstständig vorkommende Wörter (z. B. Haus, Tür) zu einem neuen Wort zusammengefügt werden (Haustür). Im Unterschied dazu dient bei der Derivation nur ein selbstständig vorkommendes Wort als Basis für die Wortbildung (z. B. schön), welche dann mit Wortbildungsaffixen (Präfixe, Suffixe, Zirkumfixe) erweitert werden kann. Suffixe werden nach der Basis angefügt (z. B. -heit in Schönheit), Präfixe vor der Basis (z. B. un- in unschön), Zirkumfixe vor und nach der Basis (z. B. Ge- -e in Gehüpfe).

Als Konversion wird schließlich das Überführen eines Wortes in eine andere Wortart bezeichnet, ohne dass eine Erweiterung durch Wortbildungsaffixe erfolgt. Dabei werden morphologische und syntaktische Konversion unterschieden. Bei der morphologischen Konversion besteht das Wortbildungsprodukt allein aus dem Wortstamm (z. B. der Lauf aus laufen). Da bei dieser Art der Konversion nur ein selbstständig vorkommendes Wort als Basis für die Wortbildung dient, wird dieses Verfahren bisweilen auch Nullderivation genannt und hier neben der oben beschriebenen expliziten Derivation durch Anfügen eines Affixes als ein weiterer Typ der Derivation betrachtet.

Die syntaktische Konversion ist dadurch gekennzeichnet, dass das abgeleitete Wort ein Flexionselement der Basis beibehält. Das ist z. B. dann der Fall, wenn das substantivierte Verb das Laufen gebildet wird, also die Infinitivendung des Verbs in der Substantivierung übernommen wird.

Die implizite Derivation ist ebenfalls ein Subtyp der Derivation und auf die Bildung von Verben aus Verben beschränkt. Als Basis dient ein Verb, das durch Veränderung des Vokals zu einem anderen Verb abgeleitet wird, wie das etwa bei sinkensenken oder fallenfällen der Fall ist. Mit der Konversion gemeinsam hat die implizite Derivation also, dass die Ableitung ohne das Hinzufügen von Wortbildungsaffixen erfolgt; im Unterschied zur Konversion findet allerdings keine Änderung der Wortart statt. Die Konversion unterscheidet sich von der impliziten Derivation also dadurch, dass ein Wortartenwechsel ohne Veränderung der Bedeutungskategorie stattfindet. Bei der impliziten Derivation wird dagegen ein neues Wort innerhalb derselben Wortartenkategorie gebildet, das gegenüber der Ausgangsbedeutung des Basislexems eine Veränderung aufweist.[1]

Damit lassen sich auch, je nach der Art der Veränderung der Ausgangseinheit im Wortbildungsprozess, modifizierende und transponierende Verfahren unterscheiden: Eine Modifikation liegt vor, wenn eine Veränderung der Wortbedeutung ohne Wortartenwechseln stattfindet. Dies ist z. B. bei der impliziten Derivation sinkensenken oder bei der expliziten Derivation fahrenverfahren (vgl. dazu unten Präfixverben) der Fall. Bei der Transposition wird dagegen ein Wort von einer Bezeichnungsklasse in eine andere überführt, wobei dieser Prozess mit einem Wortartenwechsel verbunden sein kann oder auch nicht. So findet z. B. bei der Konversion laufender Lauf eine Transposition mit Wortartenwechsel statt, bei der expliziten Derivation StadtStädter eine Transposition ohne Wortartenwechsel.[2]

Bei der Kurzwortbildung wird ein Wort zu einer Kurzform reduziert, wobei unterschiedliche Segmente gekürzt werden können (z. B. A(us)zubi(ldender) Azubi, L(ast)k(raft)w(agen)LKW).

Nach dieser knappen Charakterisierung von Komposition, Derivation und Kurzwortbildung sollen diese drei Grundtypen der Wortbildung nun je für sich betrachtet werden.

Komposition

Die Komposition, auch Zusammensetzung genannt, ist neben der Derivation das zweite grundlegende Verfahren zur Bildung komplexer Wörter. Bei der Komposition werden Wörter (z. B. Ton, gelb) oder Konfixe (z. B. Schwieger-, philo-, biblio-, -thek) zu einem komplexen Wort zusammengefügt. Am häufigsten kommen Komposita aus zwei Einheiten vor (z. B. gelb, TonGelbton), es können aber auch mehr als zwei Einheiten zusammengesetzt werden (z. B. Stroh, Hut, HerstellerStrohhuthersteller).

Aber auch im Fall solcher komplexer Zusammensetzungen, bei denen es scheint, dass sie aus mehr als zwei Einheiten zusammengesetzt werden, liegt zunächst eine zweigliedrige Struktur vor (Strohhut + Hersteller).[3]

Charakteristisch für das Kompositionsverfahren ist, dass sich die Bedeutung in vielen Fällen nicht zwangsläufig aus der Bedeutung der zusammengesetzten Einheiten ergibt, sondern dass Komposita zur Lexikalisierung tendieren. Die Bedeutungsbeziehung zwischen den Bestandteilen ist dabei an der Oberfläche nicht formal gekennzeichnet, sondern konventionell geregelt[4] – so handelt es sich etwa bei Hausmann um einen 'Mann, der den Haushalt führt', Hausboot bezeichnet ein 'Boot, das als Wohnung dient', und Hausbau den 'Bau eines Hauses'.

Prinzipiell können nach dem Verhältnis der beiden Kompositionsglieder zueinander zwei Typen von Komposita unterschieden werden, nämlich Determinativkomposita und Kopulativkomposita.

  • Bei Determinativkomposita wie etwa Gelbton oder Hutschachtel legt die zweite Einheit die Grundbedeutung fest und wird deshalb auch Grundwort genannt. Die erste Einheit bestimmt die Bedeutung des Grundwortes näher und wird deshalb Bestimmungswort genannt. Dieser Bildungstyp kommt am häufigsten vor, er ist besonders für die Zusammensetzung von Substantiven relevant.
  • Bei Kopulativkomposita wie etwa schwarz-weiß oder zartbitter ergibt sich die Bedeutung dagegen gleichberechtigt aus den zwei oder mehr zusammengesetzten Einheiten. Diese Bildungsart ist besonders für die Zusammensetzung von Adjektiven und Adverbien relevant.

Bei Komposita (und einigen Derivationen) kann zwischen den zusammengesetzten Einheiten ein 'Fugenelement' (kurz: 'Fuge' ) auftreten. Dies ist etwa bei Arbeitszimmer (analysiert als Arbeit-s-zimmer) der Fall, wo eine sogenannte s-Fuge steht. Als Fugenelemente können allgemein all jene Elemente verstanden werden, die zur Nominativ Singular-Form eines Nomens oder zu einem Verbstamm dazu treten.[5] So kommt etwa in Frau-en-schuh eine ,en-Fuge vor, in Rat-e-spiel eine e-Fuge, in neu-er-dings eine er-Fuge und in Stefan-i-tag eine i-Fuge.

Im Folgenden sollen einige Besonderheiten des Kompositionsverfahrens bei den Wortarten Substantiv, Adjektiv, Adverb und Verb angeführt werden.

Substantivkomposition

Die Komposition tritt, wie erwähnt, besonders bei der Bildung von Substantiven auf und ist hier nur wenigen Beschränkungen unterworfen.[6] Die zusammengesetzten Einheiten können einfache Wörter sein (Tor + MannTormann), selten Konfixe (wie Stief- oder Schwieger-) oder Wörter, die ihrerseits bereits komplexe Wortbildungsprodukte sind (Rollrasen + HerstellerRollrasenhersteller). Charakteristisch für Substantivkomposita ist also auch, dass die Zahl der zusammengesetzten Einheiten praktisch beliebig erweiterbar ist und somit umfangreiche Bildungen möglich sind.

Als Erstglieder von Substantivkomposita kommen im Prinzip Wörter jeder Wortart in Frage. Am häufigsten sind Komposita mit substantivischen, adjektivischen und verbalen Bestimmungswörtern, d. h. Komposita folgenden Typs:

  • Substantiv-Substantiv-Komposita (auch: NN-Komposita) aus zwei Substantiven: Tor + MannTormann;
  • Verb-Substantiv-Komposita (auch: VN-Komposita) mit verbalem Erstglied: schreib(en) + MaschineSchreibmaschine;
  • Adjektiv-Substantiv-Komposita (auch: AdjN-Komposita) mit adjektivischem Erstglied: hoch + HausHochhaus.

Daneben können auch Adverbien (Alleinerzieher), Partikeln (Nicht-Teilnahme), Präpositionen (Zwischenrufer) oder Pronomen (Wir-Gefühl) als Erstglieder vorkommen.

Siehe auch:

Adjektivkomposition

Anders als bei Substantivkomposita ist bei Adjektivkomposita die Erweiterung der Anzahl der zusammengesetzten Elemente nur beschränkt möglich; mehrheitlich bestehen Adjektivkomposita aus nur zwei Einheiten. Die erste Einheit kann ein Adjektiv, ein Substantiv oder ein Verb sein, d. h. es kommen Adjektivkomposita folgenden Typs vor:

  • Substantiv-Adjektiv-Komposita wie etwa schokoladenbraun oder punktgenau;
  • Verb-Adjektiv-Komposita wie fahrtüchtig oder triefnass;
  • Adjektiv-Adjektiv-Komposita wie hellgelb oder bittersüß.

Siehe auch:

Adverbkomposition

Adverbien bilden eine sehr heterogene Wortart, weshalb sich auch für die Bildung von Adverbien unterschiedliche Klassifizierungsmöglichkeiten ergeben.[7] Als Adverbkomposita werden etwa Zusammensetzungen der Richtungsadverbien hin oder her mit anderen Adverbien (z. B. hierhin, überallher) klassifiziert. Daneben sind auch Zusammensetzungen mit Präpositionen als Erstglied (z. B. umher, ohnehin) und / oder Zweitglied (hierauf, daneben, fortan) (vgl. Präpositionaladverb) möglich.

Auch die Zusammensetzung von zwei Präpositionen (z. B. durchaus, nebenan) kann prinzipiell als Adverbkomposition angesehen werden. Schließlich sind auch Komposita mit substantivischem Erstglied (z. B. flussabwärts) oder adjektivischem Erstglied (z. B. frischheraus) möglich.

Siehe auch:

Verbkomposition

Für die Bildung von Verben spielt hauptsächlich die Derivation eine Rolle, die Komposition kommt kaum vor.[8] So existieren nur wenige eindeutige Beispiele für Verbkomposita wie etwa schlafwandeln, sprechdenken oder frohlocken.

Derivation

Die Derivation, auch Ableitung genannt, ist neben der Komposition das zweite grundlegende Verfahren zur Bildung neuer Wörter. Bei der Derivation werden Wörter wie gut, wiss(en) oder Konfixe wie polit-, therm-, -log oder -thek zu anderen Wörtern abgeleitet (vgl. SportSportler, wiss(en) Wissenschaft, polit-Politik, therm-thermisch). Die abgeleitete Einheit kann einfach oder aber ihrerseits bereits das Produkt einer Ableitung sein (vgl. wiss(en) WissenschaftWissenschaft(l)er).

Nach dem Verfahren der Derivation kann unterschieden werden

  • die explizite Derivation durch das Anfügen eines Wortbildungsaffixes, also eines Suffixes hinter die Basis (z. B. -heit in Menschheit), eines Präfixes vor die Basis (z. B. er- in erblühen) oder eines Zirkumfixes vor und hinter die Basis (z. B. Ge- -e in Gehüpfe);
  • die implizite Derivation eines Wortes zu einem anderen Wort derselben Wortart durch Vokalwechsel (z. B. sitzensetzen);
  • die Konversion eines Wortes in eine andere Wortart, ohne dass eine Erweiterung durch Wortbildungsaffixe erfolgt (z. B. rufen Ruf und Rufen).

Da diese Bildungstypen bei Substantiven, Adjektiven, Verben und Adverbien unterschiedlich häufig auftreten, werden nun die einzelnen Wortarten gesondert beschrieben.

Substantivderivation

Für die explizite Derivation von Substantiven steht eine große Anzahl an Suffixen zur Verfügung. Durch diese werden Substantive etwa von Verben (z. B. wissen Wissenschaft), Adjektiven (z. B. reichReichtum) oder Substantiven (z. B. Licht → Lichtung) abgeleitet. Auch Konfixe (z. B. Chron- Chronist) können die Grundlage für Ableitungen bilden.

Die Suffixableitung kann in manchen Fällen auch mit der Umlautung des umlautfähigen Vokals im Wortstamm einhergehen. Häufig ist dies etwa bei Ableitungen von Adjektiven (z. B. jungJüngling) oder Substantiven (z. B. BachBächlein, v. a. auch bei Ableitungen mit dem Suffix -in, z. B. ArztÄrztin) der Fall. Ausgelöst wird der Umlaut dabei, wie die Beispiele zeigen, vor allem durch i-haltige Suffixe oder Diminutivsuffixe.

Im Unterschied zu den vielfachen Möglichkeiten der Substantivderivation mit Suffixen ist die Anzahl an Präfixen relativ gering.[9] Als Beispiele können etwa un-, miss- (z. B. Unheil, Missmanagement) genannt werden. Diese Präfixe werden aber nicht nur für die Bildung von Substantiven, sondern auch von Adjektiven und Verben (z. B. untätig, missverstehen) verwendet.

Die Konversion von Substantiven ist schließlich fast von Wörtern aller Wortarten möglich und wenigen Beschränkungen unterworfen. Insbesondere Konversionen von Präsensstämmen (z. B. schlaf(en) Schlaf), Adjektiven (z. B. ernstErnst) und Substantivierungen von Verbinfinitiven (z. B. laufendas Laufen) sind einfach zu handhaben.[10] Daneben kommen Ableitungen von Präteritumformen von Verben (z. B. trittTritt) oder von sprachhistorischen Verbformen (z. B. werfenWurf) vor.

Siehe auch:

Adjektivderivation

Für die explizite Derivation von Adjektiven steht eine Vielzahl an Suffixen zur Verfügung. Diese leiten Adjektive sowohl von Substantiven (Lustlustig), Verben (folg(en) folgsam) und Adverbien (heuteheutig) als auch von anderen Adjektiven (gelbgelblich) ab.

Präfixe zur Ableitung von Adjektiven aus Adjektiven sind beispielsweise un-, ur-, de- (ungenau, urgroß, deverbal). Diese Präfixe werden teilweise auch zur Bildung von Substantiven oder Verben (Unwille, dekantieren) verwendet.

Während die Ableitung von Adjektiven mit Suffixen also meist mit einem Wortartwechsel einhergeht (Transposition), führt die Ableitung mit Präfixen immer nur zu neuen Adjektiven mit anderer Bedeutung (Modifikation).

Siehe auch:

Verbderivation

Bei der expliziten Derivation von Verben ist insbesondere die Linkserweiterung durch das Anfügen eines Präfixes (erfahren) oder einer Verbpartikel (zuhören) ein sehr häufig genutztes Verfahren.[11] Für die Ableitung mit Präfixen kommen im Prinzip fast alle Wortarten in Frage. So können Verben von Substantiven (Notebenote(n)), Adjektiven (blinderblind(en)) oder unflektierbaren Wortarten (neinvernein(en)) abgeleitet werden. Aber auch die Ableitung ohne Wortartenwechsel d. h. von anderen Verben durch das Anfügen eines Präfixes (fahrenverfahren, arbeitenbearbeiten) ist möglich. Ebenfalls kein Wortartenwechseln findet bei der Partikelverbbildung statt. Hierbei wird dem Verb eine Partikel angefügt, die formgleich mit einer Präposition (aussehen), einem Adverb (zusammenlegen), einem Adjektiv (freihalten) oder einem Substantiv (standhalten) sein kann.

Sowohl bei der Bildung von Partikelverben als auch bei Präfixverben findet eine Modifikation, d. h. eine Veränderung der Bedeutung statt. Partikelverben unterscheiden sich syntaktisch von Präfixverben dadurch, dass sie trennbar sind, d. h. die Verbpartikel tritt im Aussagesatz in Distanzstellung zum Verb (z. B. zuhörenEr hört jemandem zu) (vgl. Satzgliedstellung). Zusätzlich kommt es bei der Partikelverbbildung in vielen Fällen auch zur Veränderung der syntaktischen Eigenschaften des Verbs (irgendwohin fahren vs. sich verfahren; an etwas arbeiten vs. etwas bearbeiten) (vgl. Valenz und Rektion). Ein weiterer Unterschied zwischen Partikelverben und Präfixverben ist, dass die Verbpartikel grundsätzlich betont wird, während Präfixe gemeinhin unbetont sind.

Während für die Verbbildung durch Linkserweiterung eine große Anzahl an Präfixen und Verbpartikeln zur Verfügung stehen, ist die Ableitung mit Suffixen (z. B. -ier- in hausieren) und Zirkumfixen (z. B. be- -ig- in begradigen, ver- -ig- in verköstigen) nicht so stark ausgebaut. Es verhält sich bei der verbalen Ableitung also umgekehrt zur nominalen Ableitung, wo deutlich mehr Suffixe als Präfixe für die Bildung von Substantiven vorhanden sind.[12] Als Suffixe für die Derivation von Verben werden hauptsächlich -(e)l(n), -(e)r(n), -ier(en) bzw. -isier(en) und -ifizier(en), -ig(en) und -enz(en) verwendet. Die Basis für die Ableitung sind sowohl Substantive (Spottspötteln, Sportsporteln) als auch Verben (lach(en)lächeln) oder Adjektive (reinreinigen, faulfaulenzen). Wie die Beispiele zeigen, kann die Ableitung mit -(e)l(n) mit der Umlautung des umlautfähigen Vokals im Wortstamm einhergehen.

Ebenso wie bei der Substantivderivation ist auch bei der Verbderivation die Konversion ein häufig genutztes Verfahren, das einfach handhabbar ist. Verben werden dabei hauptsächlich aus Substantiven (z. B. Ölölen, Farbefärben) und Adjektiven (z. B. trübtrüben, trockentrocknen) abgeleitet.[13]

Die implizite Derivation wie z. B. trinkentränken, sitzensetzen ist dagegen auf die Ableitung von Verben aus Verben beschränkt. Bei diesem Verfahren werden kausative Verben gebildet. Kausative Verben (auch: Bewirkungsverben) wie z. B. tränken 'trinken machen', fällen 'fallen machen' oder säugen 'saugen machen' sagen aus, dass jemand etwas tut, damit ein anderer in den Zustand des mit dem Ausgangsverb Bezeichneten gelangt.

Siehe auch:

Adverbderivation

Für die Derivation von Adverbien spielt besonders die explizite Derivation von Substantiven und Adjektiven eine Rolle. So leiten etwa die Suffixe -s, -halber, -lings und -wärts Substantive zu Adverbien ab (z. B. Nachmittagnachmittags, Ordnung + (s-Fuge) → ordnungshalber, Heimheimwärts), während mit -dings, -ens oder -weg Adjektive abgeleitet werden können (z. B. neu + (er-Fuge) → neuerdings, rundrundweg). Mit dem Suffix -weise können sowohl Substantive als auch Adjektive zu Adverbien abgeleitet werden (z. B. Schrittschrittweise, auffällig + (er-Fuge) → auffälligerweise).

Siehe auch:

Kurzwortbildung

Bei der Kurzwortbildung werden neue Wörter gebildet, indem bestehende Langformen von Wörtern reduziert werden, wie dies etwa bei den Substantiven WohngemeinschaftWG oder MikrofonMikro der Fall ist. Zu unterscheiden ist die Kurzwortbildung von der Abkürzung (z. B., Dr., usw.). Diese ist nicht Teil der Wortbildung, da hierbei nur auf der Schriftebene abgekürzt, aber kein neues Wort aus vorhandenem Sprachmaterial gebildet wird.

Bei der Kurzwortbildung können prinzipiell beliebige Bestandteile der Langform gekürzt werden – häufig sind etwa Kurzwörter, bei denen die Anfangsbuchstaben der Wortbestandteile verwendet werden (z. B. LastkraftwagenLKW) oder Kurzwörter, die aus dem Anfang eines Wortes bestehen (z. B. NavigationsgerätNavi). Daneben kommen Kurzwörter vor, bei denen unterschiedliche Segmente von Wörtern oder Phrasen abgekürzt werden (vgl. haltbare MilchH-Milch). Die Bedeutungen von Kurzwörtern unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von jenen der Langformen, allerdings können stilistische und funktionale Unterschiede bestehen, wie dies beispielsweise bei ProfessorProf oder SchiedsrichterSchiri der Fall ist. Kurzwörter verhalten sich teilweise auch syntaktisch anders als die Langformen, was etwa an Plural-Femininum-Umdeutungen oder einem Wegfall des Genitiv-s bei Maskulina zu sehen ist (z. B. die schweizerische / Schweizer SBB ist … vs. die Schweizerischen Bundesbahnen sind …, des LKW(s) vs. des Lastkraftwagens).

Siehe auch:

Einzelnachweise

  1. Vgl. Fleischer, Wolfgang / Barz, Irmhild (2012): Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin/Boston: de Gruyter, S. 96ff.
  2. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 686, 737f.
  3. Zur binären Struktur vgl. Ortner, Hanspeter / Ortner, Lorelies (1984): Zur Theorie und Praxis der Kompositaforschung. Mit einer ausführlichen Bibliographie. Tübingen: Narr (= Forschungsberichte des Instituts für Deutsche Sprache 55), S. 16.
  4. Vgl. Ortner, Hanspeter / Ortner, Lorelies (1984): Zur Theorie und Praxis der Kompositaforschung. Mit einer ausführlichen Bibliographie. Tübingen: Narr (= Forschungsberichte des Instituts für Deutsche Sprache 55), S. 23f.
  5. Vgl. Eisenberg, Peter (2006): Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 3., durchgesehene Auflage. Stuttgart: Metzler, S. 236; Donalies, Elke (2005): Die Wortbildung des Deutschen. Ein Überblick. 2., überarbeitete Auflage. Tübingen: Narr (Studien zur Deutschen Sprache 27), S. 45.
  6. Vgl. Klos, Verena (2011): Komposition und Kompositionalität. Möglichkeiten und Grenzen der semantischen Dekodierung von Substantivkomposita. Berlin/New York: de Gruyter (= RGL 292), S. 287f.
  7. Vgl. Heinle, Eva Maria (2004): Diachronische Wortbildung unter syntaktischem Aspekt. Das Adverb. Heidelberg: Winter, S. 48ff.; Altman, Hans / Kemmerling-Schöps, Silke (2005): Wortbildung fürs Examen. 2., überarbeitete Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (= Linguistik fürs Examen 2), S. 154.
  8. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 721; Fuhrhop, Nanna (2007): Verbale Komposition. Sind brustschwimmen und radfahren Komposita? In: Kauffer, Maurice / Métrich, Renè (Hrsg.): Verbale Wortbildung im Spannungsfeld zwischen Wortsemantik, Syntax und Rechtschreibung. Tubingen: Stauffenburg, S. 49–58.
  9. Vgl. Fleischer, Wolfgang / Barz, Irmhild (2012): Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin / Boston: de Gruyter, S. 376, 255ff.
  10. Vgl. Blume, Kerstin (2004): Nominalisierte Infinitive: eine empirisch basierte Studie zum Deutschen. Tübingen: Niemeyer, S. 1f.
  11. Vgl. Eichinger, Ludwig M. (2000): Deutsche Wortbildung. Eine Einführung. Tübingen: Narr, S. 102.
  12. Vgl. Fleischer, Wolfgang / Barz, Irmhild (2012): Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin/Boston: de Gruyter, S. 376.
  13. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 716.

Weiterführende Literatur

  • Altman, Hans / Kemmerling-Schöps, Silke (2005): Wortbildung fürs Examen. 2., überarbeitete Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (= Linguistik fürs Examen 2).
  • Donalies, Elke (2011): Basiswissen Deutsche Wortbildung. 2., überarbeitete Auflage. Basel/Tübingen: Francke (= UTB für Wissenschaft 2876).
  • Eichinger, Ludwig M. (2000): Deutsche Wortbildung. Eine Einführung. Tübingen: Narr.
  • Fleischer, Wolfgang / Barz, Irmhild (2012): Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin/Boston: de Gruyter.
  • Motsch, Wolfgang (2004): Deutsche Wortbildung in Grundzügen. 2., überarbeitete Auflage. Berlin/New York: de Gruyter.
  • Plath, Verena (2014): Deutsche Wortbildung. Tübingen: Groos (= Studienbibliographien Sprachwissenschaft 44).

Verfasst von Arne Ziegler / Anna Thurner


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