Wort- und Satzgliedstellung

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Allgemeine Bemerkungen zur Unterscheidung von Wort- und Satzgliedstellung

Der Bereich der Wort- und Satzgliedstellung umfasst zwei Themenfelder. Zum einen geht es dabei um die Anordnung einzelner Wörter bzw. Wortgruppen (= Phrasen) im Satz, zum anderen um die Abfolge der Satzglieder. Dass es sich dabei um verschiedene Themen handelt, zeigt das folgende Beispiel: Der Satz Luisa liest ein sehr interessantes Buch besteht aus sechs Wörtern, die in einer bestimmten Reihenfolge stehen. Diese Reihenfolge ist nicht beliebig, wie man an den Stellungsvarianten *Luisa liest ein interessantes sehr Buch oder *Luisa liest ein Buch sehr interessantes sieht, die zu nicht korrekten Resultaten führen und in der Fachliteratur daher für gewöhnlich mit einem Asterisk (*) stehen. Im ersten Fall wurde das Adjektiv interessantes vor die Gradpartikel sehr gestellt, im zweiten Fall folgt die Wortgruppe sehr interessantes dem Substantiv Buch. Es gibt im Deutschen also Einschränkungen, welche die Anordnung einzelner Wörter, aber auch ganzer Wortgruppen betreffen. Um die Satzgliedstellung geht es dabei aber nicht, sehr und interessant sind zwar als Attribut in ein Satzglied eingebettet (in das Objekt des Satzes), sie stellen selbst aber kein Satzglied dar.[1] Wenn man von den Satzgliedern im Deutschen spricht, meint man die folgenden syntaktischen Einheiten: Subjekt, Objekt, Adverbial, Prädikat. Diese können weitere Untergruppen bilden (z. B. Dativobjekt, Akkusativobjekt, Genitivobjekt, Präpositionalobjekt; Temporaladverbial, Lokaladverbial, Kausaladverbial), und sie können durch Substantivgruppen oder durch Gliedsätze (z. B. Subjektsatz, Objektsatz, Adverbialsatz) repräsentiert werden. So ist es möglich, anstelle einer Substantivgruppe im Akkusativ einen Objektsatz zu verwenden (vgl. Sie sagt die WahrheitSie sagt, was sie denkt). Das Prädikat kann aus einem bzw. mehreren Verben (Er muss schlafen) bestehen oder aus einer Kombination von einem Verb und einem Prädikativ (vgl. Sie wird Lehrerin; Er ist nett).

Wie lässt sich nun herausfinden, ob eine Wortgruppe (oder ein einzelnes Wort) als Satzglied klassifiziert werden kann oder nicht? Eine Faustregel dazu lautet: Wörter, die in einem Aussagesatz sowohl vor als auch hinter dem finiten Verb platziert werden können, stellen gesamthaft ein (und nur ein) Satzglied dar (vgl. Ich habe dann den Ärger. Den Ärger habe ich dann. Dann habe ich den Ärger). Wichtig ist zu betonen, dass es hier nur um das finite Verb geht, also um das Verb, das die Person-, Numerus- und Tempusmerkmale trägt. Denn es kann durchaus sein, dass in einem Satz mehrere Verben auftreten (vgl. Luisa möchte ein sehr interessantes Buch lesen); relevant für diese Regel ist aber nur das finite Verb.

In diesem konstruierten Beispielsatz steht das Wort Luisa vor dem finiten Verb; es fungiert als das Subjekt, das in diesem Fall nur aus diesem einen Wort besteht. Möglich ist auch, die Wortgruppe ein interessantes Buch an dieser Stelle zu platzieren (vgl. Ein interessantes Buch möchte Luisa lesen), dabei handelt es sich ebenfalls um ein Satzglied, um das Akkusativobjekt. Was dagegen die beiden Wörter sehr interessantes betrifft, können diese nicht als syntaktische Einheit vor das Verb gestellt werden (vgl. *Sehr interessantes möchte Luisa ein Buch lesen). Die beiden Wörter bilden also kein Satzglied. Allerdings gibt es hier Grenzfälle. Solche treten beispielsweise dann auf, wenn das Attribut mit einer Präposition angeschlossen ist. So stellt in dem Satz Ich liebe die Gedichte von Goethe die Präpositionalgruppe von Goethe das Attribut dar. Unter bestimmten Bedingungen (z.B. zur Kontrastbetonung) lässt sich dieses Attribut aber vor das finite Verb stellen (Vgl. Von Goethe liebe ich die Gedichte, nicht aber die Dramen). Doch muss man sich dazu einen bestimmten Kontext vorstellen; ansonsten ist die Äusserung nicht akzeptabel. Das ist bei der Variante, bei der sich das Subjektpronomen ich vor dem finiten Verb befindet, nicht nötig. Nicht von ungefähr gilt die Abfolge Subjekt → Prädikat → Objekt als die typische Satzgliedstellung im deutschen Aussagesatz.

Wörter (bzw. Wortgruppen) und Satzglieder sind somit nicht dasselbe, Wort- und Satzgliedstellung meint folglich auch nicht dasselbe. Wer von einem Satzglied spricht, bezieht sich auf die syntaktische Funktion, die Wörter bzw. Wortgruppen im Satz einnehmen können (z. B. das Subjekt oder Objekt eines Satzes zu sein). Stellt man den Wortbegriff ins Zentrum, spielt die Frage nach der Funktion keine Rolle. Dann ist relevant, welcher Wortart die jeweilige Wortgruppe bzw. der Kern dieser Wortgruppe angehört (z. B. Adjektiv, Substantiv, Konjunktion). Die Wortartzugehörigkeit lässt sich auch angeben, wenn das Wort oder die Wortgruppe gar nicht in einem Satz vorkommt. So wissen wir, dass die drei Wörter die kleine Katze eine Substantivgruppe darstellen, da der Kern dieser Wortgruppe ein Substantiv ist. Welche syntaktische Funktion diese Substantivgruppe einnimmt, können wir aber nur angeben, wenn sie in einem Satz eingebettet ist (vgl. Die Katze (= Subjekt) miaut vs. Ich sehe die Katze (= Objekt)).

Zu den Regularitäten der Satzgliedstellung

Wie sind die Satzglieder und ihre jeweiligen Untergruppen im prototypischen Fall angeordnet? Dazu muss man zwischen den verschiedenen Satztypen unterscheiden, die im Deutschen möglich sind.[2] Denn es ist ein Unterschied, ob es um die Abfolge der Satzglieder im Nebensatz oder im Hauptsatz geht. Das zeigt das Beispiel Ich weiss heute schon, dass ich morgen diese Bücher lesen werde, das aus einem Haupt- und einem Nebensatz besteht. Der Nebensatz wird durch die unterordnende Konjunktion dass eingeleitet, das finite Verb werde, das zusammen mit dem Infinitiv lesen das Prädikat bildet, steht am Ende; der Nebensatz stellt also einen Verbendsatz dar. Alle weiteren in diesem Nebensatz vorkommenden Satzglieder, d. h. das Subjekt ich, das Adverbial morgen und das Objekt diese Bücher, gruppieren sich zwischen der Konjunktion und dem finiten Verb. Die beiden Elemente bilden eine sog. Klammer, der Abschnitt, der dazwischen liegt, ist das Mittelfeld (s. Satz c. in Tab. 1).

Vorfeld linke Satzklammer Mittelfeld rechte Satzklammer
a. Hat Veronika den Wagen gewaschen.
b. Ich weiss es heute schon.
c. …, dass ich morgen diese Bücher lesen werde.

Tabelle 1: Struktur von Verberst-, Verbzweit- und Verbendsätzen mit Vorfeld und Mittelfeld

Was nun den Hauptsatz betrifft, so steht das Prädikat (repräsentiert durch das finite Verb weiss) nicht am Ende, sondern an der zweiten Position (vgl. Ich weiss heute schon, ... .). In diesem Fall spricht man von einem Verbzweitsatz. Dabei geht es nicht darum, ob tatsächlich nur ein Wort vor dem finiten Verb steht. Relevant ist vielmehr, ob die Elemente vor dem finiten Verb eine (und nur eine) syntaktische Einheit bilden, ob sie also zusammen ein (und nur ein) Satzglied darstellen. Dieses Satzglied kann aus einem Wort bestehen oder sich aus einer ganzen Reihe von Wörtern zusammensetzen. Das illustrieren die zwei Sätze Er kommt heute später und Mein bester Freund, den ich schon sehr lange kenne, kommt heute später. Im ersten Satz steht das Subjektpronomen er vor dem finiten Verb, im zweiten Satz eine komplexe Substantivgruppe, in die ein Relativsatz als Attribut eingebettet ist. Von solchen Verbzweitsätzen sind Verberstsätze zu unterscheiden, die dadurch gekennzeichnet sind, dass das finite Verb zu Beginn des Satzes steht. Zu den Sätzen mit Verberststellung zählen Fragesätze, sofern es sich um Entscheidungsfragen handelt (vgl. Kommst du heute auch zur Feier?), aber auch Aufforderungssätze (vgl. Hören Sie mir bitte zu!). Fragesätze, die als Ergänzungsfragen klassifiziert werden, fallen nicht in diese Kategorie; es sind Verbzweitsätze (vgl. Wann kommst du? Wer ist dein Freund?).

Im Deutschen unterscheidet man hinsichtlich der Stellung des finiten Verbs also drei Satztypen: Verberstsätze, Verbzweitsätze und Verbendsätze. Das Vorkommen infiniter Verben ist bei dieser Klassifikation nicht von Belang. Das heisst konkret: Wenn man beispielsweise den Satz Hat Veronika den Wagen gewaschen? als Verberstsatz charakterisiert, bezieht man sich auf die Stellung des Verbs hat, nicht auf das Partizip gewaschen. Dass das Partizip in diesem Beispiel am Ende des Satzes steht, ist allerdings ein Umstand, der besondere Erwähnung verdient. Denn obwohl die beiden Verben hat und gewaschen eine syntaktische Einheit sind (sie repräsentieren zusammen das Prädikat), stehen sie nicht zusammen, sondern bilden eine Klammer (analog zu Konjunktion und finitem Verb im Nebensatz, vgl. das Beispiel oben). Der erste Teil dieser Klammer wird als die linke, der zweite als die rechte Satzklammer bezeichnet. Eine solche Satzklammer tritt auch in Verbzweitsätzen auf. Das zeigt das Beispiel Veronika hat den Wagen gewaschen, in dem, anders als beispielsweise im Englischen oder Französischen, das Objekt zwischen die verbalen Elemente tritt. In Verbendsätzen dagegen stehen die verbalen Elemente in direkter Nachbarschaft (vgl. dass Veronika den Wagen gewaschen hat).

Charakteristisch für Verberst- und Verbzweitsätze im Deutschen ist also, dass die verbalen Elemente in einer Klammerstruktur stehen, die andere Elemente einschliesst – sofern im Satz noch weitere Satzglieder auftreten (vgl. aber Ich habe geschlafen). Allerdings kann es auch sein, dass die rechte Satzklammer leer bleibt. So steht in dem Satz Veronika wäscht den Wagen das finite Verb wäscht in der linken Satzklammer, die rechte Satzklammer bleibt unbesetzt. Sie könnte aber besetzt werden – und zwar dann, wenn der Satz so umgeformt wird, dass ein zweites Verb auftritt (vgl. Veronika hat den Wagen gewaschen oder Veronika wird den Wagen waschen). Auch kann in der rechten Satzklammer ein Verbzusatz positioniert werden (vgl. Veronika wäscht das Geschirr ab). In Verberst- und in Verbzweitsätzen bilden solche Verben, die mit Verbzusatz auftreten (vgl. auch vorlesen, anerkennen), eine Klammer; der Verbzusatz verlässt dann gewissermassen seinen angestammten Platz und tritt in die rechte Satzklammer (vgl. Sie erkennt unseren Erfolg nicht an). In Verbendsätzen dagegen bleibt die verbale Einheit immer erhalten (vgl. Ich freue mich, dass er das Geschirr abwäscht). Auch sei angemerkt, dass die Getrenntstellung von Verbzusatz und Verb arealer Variation unterliegen kann. Was beispielsweise das Verb anerkennen betrifft (aber auch widerspiegeln oder übersiedeln), gibt es Areale im deutschsprachigen Raum, in denen eine solche Getrenntstellung in Verberst- und Verbzweitsätzen nicht üblich ist. Das zeigt das Satzpaar Er erkennt das Problem nicht an vs. Er anerkennt das Problem nicht (vgl. anerkennen). Im einen Fall tritt der Verbzusatz in die rechte Satzklammer, im anderen Fall nicht. Die syntaktischen Bedingungen sind hier dieselben (Verbzweitsätze), die Unterschiede resultieren aus dem Umstand, dass es unterschiedliche areale Präferenzen gibt.

Wie bereits erwähnt, wird der Bereich, der zwischen den Klammerelementen liegt, als Mittelfeld bezeichnet. Den Abschnitt vor der linken Satzklammer bezeichnet man als Vorfeld. Dieses wird in dem Satz Veronika hat den Wagen gewaschen durch das Subjekt besetzt. Folgen nach der rechten Satzklammer noch weitere Satzglieder, dann spricht man davon, dass diese im Nachfeld stehen. Satz b. in Tabelle 2 gibt die Struktur eines Verbzweitsatzes mit Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld wieder:

Vorfeld linke Satzklammer Mittelfeld rechte Satzklammer Nachfeld
a. Hat sie den Wagen gewaschen, bevor sie gegangen ist?
b. Veronika hat den Wagen gewaschen, weil er schmutzig war.
c. Ich weiss heute schon, dass ich morgen diese Bücher lesen werde.

Tabelle 2: Struktur eines Verbzweitsatzes mit Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld

Die Bezeichnungen Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld sind vor allem dann hilfreich, wenn man präzisieren möchte, von welchem Abschnitt des Satzes jeweils die Rede ist. Möchte man beispielsweise die Satzgliedstellung im Verbzweitsatz beschreiben, dann muss man unterscheiden zwischen dem Vorfeld (d. h. dem Abschnitt vor dem finiten Verb) und dem Mittelfeld (d. h. dem Abschnitt zwischen den beiden Klammerelementen); die Regularitäten, die die Stellung der Satzglieder in diesen beiden Feldern betreffen, sind nicht dieselben. Bei einem Verberstsatz ist eine solche Unterscheidung nicht zielführend; Verberstsätze haben per definitionem kein Vorfeld; alle Satzglieder stehen hier im Mittelfeld oder ggfs. im Nachfeld (siehe dazu auch die Sätze a. in den Tabellen 1 und 2).

Nun zu der Frage, wie die Satzglieder angeordnet werden können, sofern in einem Satz alle drei Felder besetzt sind: Im Vorfeld steht in der Regel genau ein Satzglied. Allerdings kann es durchaus sein, dass das Vorfeld leer bleibt (vgl. Bin gleich wieder da) oder vor das Vorfeld noch ein weiteres Element tritt, so dass es auf den ersten Blick den Anschein hat, das finite Verb besetze die dritte Position (vgl. Dieses Buch, das kenne ich nicht). Doch hier steht nur das Objektpronomen das im Vorfeld. Dieses Pronomen bezieht sich auf die Substantivgruppe dieses Buch, die dem Satz vorgelagert ist. Das Satzglied dieses Buch befindet sich also gewissermassen im Vor-Vorfeld[3], das Vorfeld selbst wird nur durch ein Satzglied repräsentiert. Auch die Stellungsregularitäten im Nachfeld sind weniger komplex, als es zunächst den Anschein haben mag. Wie wir in Tab. 2 sehen, stehen hier im Nachfeld Nebensätze. In Satz a. und b. haben die Nebensätze die syntaktische Funktion von Adverbialen; so steht im Nebensatz in b. eine Begründung für den im Hauptsatz genannten Sachverhalt. In Satz c. dagegen übernimmt der Nebensatz die syntaktische Funktion eines Akkusativobjekts. Dass dem Nebensatz hier tatsächlich Objektstatus zukommt, sieht man beispielsweise daran, dass er durch das Akkusativpronomen es ersetzt werden könnte. Dann müsste sich aber die Wortstellung ändern; das Wörtchen es stünde korrekterweise im Mittelfeld (vgl. Peter weiss es heute schon), nicht im Nachfeld (vgl. *Peter weiss heute schon es). Es gilt: Ins Nachfeld werden gerne solche Elemente gestellt, die recht umfangreich sind. Das ist bei Nebensätzen häufig der Fall, und das gilt auch für Relativsätze. Man vergleiche dazu die beiden Sätze Veronika hat den Wagen, der ihrer Freundin gehört, gewaschen und Veronika hat den Wagen gewaschen, der ihrer Freundin gehört. Der zweite Satz erscheint stilistisch besser als der erste, der Relativsatz wurde hier ins Nachfeld gestellt, tritt also getrennt von seinem Bezugswort auf. Im Unterschied zum Vorfeld können im Nachfeld auch mehrere Satzglieder vorkommen (so z. B. wenn ein Relativsatz und ein Adverbialsatz kombiniert werden); und auch ein präpositionales Attribut kann unter bestimmten Bedingungen im Nachfeld stehen (vgl. Ich habe ein Buch gelesen von Fontane). Doch ist dies eher die Ausnahme; präpositionale Attribute verbleiben in der Regel – anders als Relativsätze – im Mittelfeld; nominale Attribute können gar nicht ausgelagert werden. Das zeigt der folgende Satz: ?Ich habe ein Buch gelesen des grossen Dichters. Hier steht das Attribut des grossen Dichters im Nachfeld, es folgt also der rechten Satzklammer. Man spricht in der Fachliteratur von einer Ausklammerung. Häufig ist eine solche Ausklammerung stilistisch angeraten; in diesem Fall führt sie aber dazu, dass der Satz kaum mehr akzeptabel ist.

Bislang wurden nur Satzstrukturen betrachtet, in denen es ein Vorfeld gibt (= Verbzweitstrukturen). In Verberstsätzen ist kein solches Vorfeld vorhanden, auf das ein Satzglied 'ausweichen' könnte. Das gilt auch für Verbendsätze. So lässt sich der Verbendsatz dass ich morgen diese Bücher lesen werde nicht umformen zu *ich dass morgen lesen werde oder *diese Bücher dass ich morgen lesen werde. Es ist im Nebensatz also nicht möglich, ein Satzglied vor die einleitende Konjunktion zu stellen. Sowohl bei Verberst- als auch bei Verbendsätzen stehen alle Satzglieder im Mittelfeld oder ggfs. im Nachfeld.

Was die Reihenfolge der Satzglieder im Deutschen betrifft, zeigt sich eine relativ grosse Variation. Dies wird bereits deutlich, wenn wir an einem einfachen Aussagesatz wie Ich habe dem Schüler ein Buch geschenkt verschiedene mögliche Abfolgen durchspielen (z. B. Dem Schüler habe ich ein Buch geschenkt. Ein Buch habe ich dem Schüler geschenkt. Geschenkt habe ich dem Schüler ein Buch). In diesem Satz treten ein Akkusativobjekt, ein Dativobjekt, ein Subjekt und das Prädikat auf. Davon steht ein Satzglied im Vorfeld, alle anderen gruppieren sich im Mittelfeld. Das Deutsche scheint hier mehr Freiheiten zuzulassen als beispielsweise das Englische oder das Französische, wo es hinsichtlich der Objekte eine relativ feste Abfolge gibt. Die relativ freie Satzgliedstellung ist eine Herausforderung für jeden Deutschlerner. Wie können die Regeln hierfür formuliert werden? Betrachten wir dazu nur einen Fall, die Kombinationen von Subjekt, Akkusativ- und Dativobjekt. Eine Faustregel dazu lautet: Die Abfolge Subjekt vor Dativobjekt vor Akkusativobjekt ist die Grundreihenfolge, sofern es sich um nominale Satzglieder handelt (vgl. Der Mann hat dem Kind das Buch geschenkt). Sind die Satzglieder pronominal, dreht sich die Abfolge teilweise um, dann gilt im prototypischen Fall Subjekt vor Akkusativobjekt vor Dativobjekt (vgl. Er hat es ihm geschenkt). Wenn nur eines der Satzglieder pronominal realisiert wird, die anderen nominal (d.h. als Substantivgruppe), dann geht das pronominalisierte Satzglied den nicht-pronominalisierten Gliedern voraus (vgl. Ich habe ihm das Buch geschenkt).

Diese Regeln sind sehr differenziert; zudem wird damit nur ein kleiner Teil aller Faktoren erfasst. So können in einem Satz auch Adverbiale auftreten; wo werden diese jeweils positioniert (z. B. Ich habe ihm das Buch zum Geburtstag geschenkt)? Und wo befindet sich das Subjekt, wenn der Satz kein Vorfeld aufweist? Auch hier gibt es eine Faustregel: Das Subjekt steht im Mittelfeld meist ganz links, das Adverbial ganz rechts (vgl. dass der Mann dem Kind das Buch zum Geburtstag geschenkt hat). Weiter spielen in die Satzgliedstellung auch pragmatische Faktoren hinein, d. h. Faktoren, welche die Kommunikationssituation betreffen. So hängt die Abfolge der Satzglieder auch davon ab, welche Äusserung dem Satz jeweils vorangeht. Auf die Frage Was hast du dem Kind geschenkt? ist beispielsweise eine Antwort wie Ein Buch habe ich dem Kind geschenkt oder Ich habe dem Kind ein Buch geschenkt (sofern man überhaupt in einem ganzen Satz antwortet) unauffällig, nicht aber die Antwort Ich habe ein Buch dem Kind geschenkt.

Die Satzgliedstellung im Deutschen ist also relativ frei, sie unterliegt aber doch bestimmten (syntaktischen und pragmatischen) Bedingungen, und es kann zudem auch in arealer Hinsicht Präferenzen geben. Das zeigt sich beispielsweise an dem Adverbial bereits, das in bestimmten Gebieten des deutschsprachigen Raums ohne Bezugswort ins Vorfeld treten kann (vgl. als konstruiertes Beispiel Bereits haben sich 50 Personen angemeldet), in anderen ist dies nicht möglich. Grundsätzlich gilt: Je mehr Satzglieder ein Satz im Deutschen aufweist, desto mehr Möglichkeiten gibt es, die Satzglieder in ihrer Abfolge zu variieren. Diese Variation betrifft in der Regel die Kombination von Subjekt, Objekt und Adverbial, das Prädikat ist nicht frei platzierbar. Was den finiten Teil des Prädikats betrifft, so gibt es nur drei mögliche Positionen: Verberst-, Verbzweit- und Verbendstellung; der infinite Teil (bzw. der Verbzusatz) steht je nach Verbstellungstyp in direkter Nachbarschaft zum Finitum (in Verbendsätzen) oder getrennt davon in der rechten Satzklammer (in Verberst- und Verbzweitsätzen).

Siehe auch:

Zu den Regularitäten der Wortstellung

In diesem Abschnitt geht es um die Stellung einzelner Wörter im Satz (z. B. Präpositionen, Adjektive, Negationspartikeln) bzw. in Wortgruppen. Die Regularitäten können hier nur angedeutet werden.[4] So sei nur kurz etwas zur Stellung der Negationspartikel nicht und zur Stellung von Präpositionen (z. B. vor, auf, entlang) gesagt. Was die Negationspartikel betrifft, sind verschiedene Positionen möglich, die u. a. davon abhängen, auf welchen Bereich sich die Negation bezieht. Als Faustregel lässt sich festhalten, dass die Negation jeweils am linken Rand ihres Geltungsbereiches steht. Das zeigen die beiden Sätze Ich habe den Kuchen nicht gegessen vs. Ich habe nicht den Kuchen gegessen, sondern das Eis, wo im ersten Fall das Prädikat negiert wird (nicht gegessen), im zweiten Fall ein Teil des Objekts (nicht den Kuchen). Die Präposition steht in der Regel zu Beginn einer Präpositionalgruppe, nur selten tritt sie auch in Poststellung (d. h. hinter dem Bezugssubstantiv) oder in beiden Stellungsvarianten auf (vgl. wegen des schlechten Wetters/des schlechten Wetters wegen). Zu wegen sei noch angemerkt, dass diese Präposition in Nachstellung ausschliesslich den Genitiv regiert, in Voranstellung kommen dagegen zwei Rektionsvarianten vor (Genitiv und Dativ).

Exemplarisch sei nun an einer Substantivgruppe gezeigt, wie sich Wörter in einer Wortgruppe zu komplexen Einheiten kombinieren lassen. Betrachten wir dazu das Beispiel das Ergebnis einer Expedition norwegischer Wissenschaftler.[5] Der Kern dieser Wortgruppe, das Substantiv Ergebnis, wurde sowohl auf der linken als auch der rechten Seite erweitert. Auf der linken Seite steht der Artikel, auf der rechten Seite das Genitivattribut einer Expedition norwegischer Wissenschaftler, wobei ein Teil dieser Wortgruppe (norwegischer Wissenschaftler) seinerseits wieder ein Genitivattribut darstellt. Die Reihe liesse sich beliebig fortsetzen; so könnten wir das Attribut auf der rechten Seite um ein weiteres Attribut ergänzen (vgl. das Ergebnis einer Expedition norwegischer Wissenschaftler an den Nordpol). Und auch auf der linken Seite des Kerns sind Erweiterungen möglich; zwischen den Artikel und das Kernsubstantiv könnte beispielsweise ein Adjektiv treten (z. B. das interessante Ergebnis), das seinerseits erweitert wird (z. B. das sehr interessante Ergebnis). Immer aber steht der Artikel zu Beginn der Substantivgruppe und bildet zusammen mit dem Kern eine sog. Nominalklammer (analog zur Satzklammer, siehe oben). Weiter können auch Eigennamen (v. a. Personennamen oder Verwandtennamen, seltener auch Ortsnamen) vor das Kernsubstantiv treten (vgl. Peters Buch, Mutters Geburtstag, Wiens Bürgermeister); ebenso eigennamenähnliche Substantive bzw. Substantivgruppen (vgl. des Kaisers neue Kleider). Allerdings ist die Voranstellung einer solchen Substantivgruppe vor das Kernsubstantiv in der Gegenwartssprache untypisch, umgangssprachlich würde man eher die Variante dem Kaiser seine neuen Kleider erwarten, in der die Substantivgruppe im Dativ (dem Kaiser) steht und um ein Possessivpronomen (seine) ergänzt wird. Doch gilt auch diese Konstruktion als auffällig, die Stellung nach dem Kernsubstantiv dagegen wird als die neutrale angesehen, wenn es um den Ausdruck eines Besitzverhältnisses geht (vgl. die Spielsachen von dem Jungen oder die Spielsachen des Jungen).

Was die rechte Seite des Substantivs betrifft, so können hier ebenfalls mehrere Wortgruppen stehen. Diese beziehen sich entweder alle gleichermassen auf das Kernsubstantiv oder sind einander hierarchisch untergeordnet. Das zeigt der Satz ein Besuch der Museen in Paris, der schönen Stadt an der Seine. Die Wortgruppe in Paris bezieht sich hier auf Museen, der Relativsatz der schönen Stadt an der Seine auf Paris. Die Reihenfolge ergibt sich aus der logischen Relation der Wortgruppen zueinander, sie ist nicht frei wählbar. Das ist anders in der Substantivgruppe die Reise nach Paris an Weihnachten, in der die beiden Attribute nach Paris und an Weihnachten in einer nebengeordneten Relation stehen. Generell stellt sich die Frage, welche Einschränkungen es bei solchen Rechtserweiterungen gibt und wie eng sie beim Kern stehen müssen bzw. dürfen. Als Faustregel gilt, dass sprachliche Einheiten, die länger und komplexer sind, eher am rechten Rand stehen (vgl. der Ausflug am Sonntag, der uns allen so viel Spass gemacht hatte vs. – weniger üblich – der Ausflug, der uns allen so viel Spass gemacht hatte, am Sonntag). Hier zeigt sich ein Prinzip, auf das weiter oben bereits in Bezug auf das Nachfeld hingewiesen wurde: Je 'schwerer' (im Sinne von länger) ein Satzglied, desto eher rückt es an den rechten Rand.

Siehe auch:

Einzelnachweise

  1. Vgl. dazu ausführlich Imo, Wolfgang (2016): Grammatik. Eine Einführung. Stuttgart: Metzler, S. 192–197.
  2. Vgl. Dürscheid, Christa (2012): Syntax. Grundlagen und Theorien. Mit einem Beitrag von Martin Businger. 6., aktualisierte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 55–63.
  3. Vgl. Imo, Wolfgang (2016): Grammatik. Eine Einführung. Stuttgart: Metzler, S. 219–223.
  4. Vgl. dazu ausführlich Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 856–904.
  5. Vgl. Dürscheid, Christa (2012): Syntax. Grundlagen und Theorien. Mit einem Beitrag von Martin Businger. 6., aktualisierte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 68.

Weiterführende Literatur

  • Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4).
  • Dürscheid, Christa (2012): Syntax. Grundlagen und Theorien. Mit einem Beitrag von Martin Businger. 6., aktualisierte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Imo, Wolfgang (2016): Grammatik. Eine Einführung. Stuttgart: Metzler.

Verfasst von Christa Dürscheid