Verbzweitstellung nach weil, obwohl, während, wobei

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Allgemeines zum Variantenphänomen

Die unterordnenden Konjunktionen weil, obwohl und während sowie das Pronominaladverb wobei leiten Nebensätze mit Verbendstellung ein, d. h. in diesen Sätzen steht das finite Verb an letzter Stelle: Zwei Mitglieder haben sich für diesmal abgemeldet, weil sie krank sind. (Weser-Kurier). Doch kann nach diesen Konjunktionen unter bestimmten Bedingungen auch die Verbzweitstellung auftreten, allerdings nur dann, wenn diese Nebensätze dem Hauptsatz, auf den sie sich inhaltlich beziehen, nachfolgen.

weil

In der Fachliteratur wird die Verbzweitstellung in Sätzen mit weil als umgangssprachlich oder der gesprochenen Sprache zugehörig klassifiziert.[1] Teilweise wird auch angenommen, es sei ein Merkmal süddeutscher Dialekte.[2]

Die Verbzweitstellung ist gemäß der Variantengrammatik besonders in A und – seltener – in D-südost sowie D-mittelwest durchaus anzutreffen. Doch findet sich diese Konstruktion fast ausschließlich in direkten oder indirekten Zitaten sowie in verschrifteten Interviews, in Äußerungen also, die ursprünglich dem Mündlichen entstammen.

Beispielbelege

  • Bei der Tiefgarage unter dem Residenzplatz habe es doch auch geklappt, sagte er, weil das müsse jetzt schon auch einmal gesagt werden. (Nürnberger Nachrichten).
  • Natürlich geht es nicht darum, den Schmerz aufzugeben, weil Schmerz ist auch eine Form des Kontaktes zum Verstorbenen. (Der Standard).
  • Das ist interessant, aber auch stressig, weil es dauert doch ein halbes Jahr, sechs Monate ohne Pause. (Tiroler Tageszeitung).

obwohl

Eine Verbzweitstellung nach der Konjunktion obwohl tritt unter bestimmten Bedingungen im gesamten deutschsprachigen Raum auf, vor allem in A (in A-west jedoch seltener), in CH, BELG, D-mitte und D-nordost. Dies gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass obwohl durch ein Komma, einen Gedankenstrich oder Punkt vom folgenden Satzteil getrennt ist. Dadurch ändert sich freilich auch die Bedeutung, sodass beide Verbstellungen nicht beliebig austauschbar sind: Obwohl als nebensatzeinleitende, konzessive Konjunktion schränkt die Aussage des übergeordneten Satzes ein, und zwar so, dass erst dadurch die beabsichtigte Gesamtaussage vollständig wird: Der Aufwand ist enorm, obwohl das Fest nur zwei Tage dauert. (Aargauer Zeitung). Im Gegensatz dazu nimmt obwohl mit Verbzweitstellung die soeben getätigte, an sich bereits vollständige Aussage (meist mit Schlusspunkt) ganz oder zum Teil wieder zurück. Im Verbzweitsatz wird diese Aussage dann entsprechend korrigiert bzw. ihre Rücknahme begründet: Währenddessen nahm die dreijährige Lara hoch zu Ross Platz. Obwohl, so hoch war es dann doch nicht. (Weser-Kurier).

Beispielbelege

  • Der Nachtisch ist dem Studenten hörbar gelungen. Obwohl, gelungen ist das falsche Wort. (Thüringer Allgemeine).
  • Für die Tanzwütigen war es Motivation genug, die Festschmaus-Hüftpolster wieder loswerden zu können. Obwohl – selbst bei dieser Party mitten im Weihnachtstrubel drehten sich nicht nur die Tanzpaare, sondern auch ein Dönerspieß. (Märkische Online Zeitung).
  • Das spare ich mir für das neue Programm auf. Obwohl. Man weiß es nicht. Ich probiere viel spontan aus. (Rheinische Post).

während

Während fungiert sowohl als Präposition als auch als Konjunktion. Die Konjunktion während kann temporal (zwei Geschehen laufen gleichzeitig ab) oder adversativ (ein Sachverhalt steht im Gegensatz zum anderen) verwendet werden. In der Fachliteratur findet sich gelegentlich die Feststellung, dass der Konjunktion während in adversativer Bedeutung auch ein Verbzweitsatz folgen kann, allerdings nur in der gesprochenen Sprache: Das da ist ein afrikanischer Elefant, während das hier ist einer aus Asien.[3] Für den geschriebenen Gebrauchsstandard kann die Verwendung mit Verbzweitstellung durch die Variantengrammatik tatsächlich nicht bestätigt werden.

wobei

Das Präpositionaladverb wobei kann zur Einleitung von Sätzen mit Verbendstellung verwendet werden. Es dient in diesem Fall dazu, ein gleichzeitig ablaufendes Geschehen auszudrücken oder einen geschilderten Sachverhalt um zusätzliche, ggf. genauere Informationen zu ergänzen: Auch die Spielqualität war wie bereits erwähnt nicht unbedingt berauschend, wobei es kaum Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Mannschaften gab. (Thüringer Allgemeine). Tritt es in Verbzweitstellung auf, dann kann es – ähnlich wie obwohl – eine bereits getätigte Aussage einschränken oder zurücknehmen. Wie auch bei obwohl, so ist dies aber nur dann der Fall, wenn wobei durch Komma, Gedankenstrich oder Punkt vom nachfolgenden Satz abgetrennt steht. Auch diese Konstruktion gilt als gesprochensprachlich,[4] laut der Variantengrammatik wird sie jedoch nahezu im gesamten deutschsprachigen Raum auch in der Schriftsprache gebraucht, dies allerdings ohne areale Variation. Meist tritt sie allerdings tatsächlich in ursprünglich gesprochensprachlichen Kontexten auf, z. B. in verschriftlichten Interviews und Zitaten.

Beispielbelege

  • Aber der ist gerade snowboarden. Wobei, heute Abend wollte er wieder hier sein. (Stuttgarter Zeitung).
  • Angeschaut habe ich nur den ersten, den ich Mitte August bekommen habe. Wobei, das war ja eigentlich der zweite. (Aargauer Zeitung).
  • Beim Werberat gab es bis Mittwoch bereits elf Beschwerden gegen diese Werbung eines Mobilfunkbetreibers. Wobei – das Christkind darf sich in einem anderen Spot rächen. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten).

Einzelnachweise

  1. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 1222.
    Weinrich, Harald (2007): Textgrammatik der deutschen Sprache. Hildesheim: Georg Olms Verlag, S. 758.
    Zifonun, Gisela u.a. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, S. 2342.
  2. Zifonun, Gisela u.a. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, S. 465.
  3. Zifonun, Gisela u.a. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, S. 1224.
  4. Zifonun, Gisela u.a. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, S. 1224.

Weiterführende Literatur

  • Ágel, Vilmos (2016). "Obwohl (.) fährt der eigentlich auch am Sonntag?" Der Verbzweit-Mythos. In: Handwerker, Brigitte / Bäuerle, Rainer / Sieberg, Bernd (Hrsg.): Gesprochene Fremdsprache Deutsch. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren (= Perspektiven Deutsch als Fremdsprache 32), S. 75–100. https://www.researchgate.net/publication/321245697_Obwohl_fahrt_der_eigentlich_auch_am_Sonntag_Der_Verbzweit-Mythos
  • Freywald, Ulrike (2016): "V2-Nebensätze" – ein eigener Satztyp? In: Finkbeiner, Rita / Meibauer, Jörg (Hrsg.): Satztypen und Konstruktionen. Berlin/Boston: de Gruyter, S. 326–372.
  • Günthner, Susanne (1993): '. . . weil - man kann es ja wissenschaftlich untersuchen' – Diskurspragmatische Aspekte der Wortstellung in WEIL-Sätzen. In: Linguistische Berichte 143, S. 37–59.
  • Günthner, Susanne (2008): 'weil – es ist zu spät'. Geht die Nebensatzstellung im Deutschen verloren? In: Denkler, Markus u.a. (Hrsg.): Frischwärts und Unkaputtbar. Sprachverfall oder Sprachwandel im Deutschen?. Münster: Aschendorff, S. 103–128.

Siehe auch

Verfasst von Werner Fuchs-Richter