Trennung von Substantiv und Mengenausdruck

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Im Deutschen steht das finite Verb eines Hauptsatzes an zweiter Satzgliedstelle (vgl. Satzgliedstellung). Den Bereich direkt davor bezeichnet man als Vorfeld, den Bereich unmittelbar danach als Mittelfeld. Das Vorfeld muss mit genau einem Satzglied belegt sein, im Mittelfeld hingegen ist die Zahl der Satzglieder theoretisch beliebig.

Setzt sich das Satzglied im Vorfeld aus einem Substantiv und einem Mengenausdruck zusammen, so kann der Mengenausdruck vom Substantiv getrennt und in das Mittelfeld verschoben werden: Viel Geld ist nicht mehr da. Geld ist nicht mehr viel da. Zu den verschiebbaren Mengenausdrücken gehören beispielsweise ein-, kein-, einig-, etlich-, manch-, mehrere, wenig, ... Kilo, ... Liter, ... Paar, ... Stück, jede Menge sowie Zahladjektive, Demonstrativ- und Possessivpronomen (bspw. Bücher lese ich nur meine/diese).

Sofern die Substantive im Plural stehen oder sich im Singular auf unzählbare Elemente beziehen (z. B. Wasser, Mehl, Geld; Hoffnung, Liebe, Glaube), gilt eine solche Aufspaltung als standardsprachlich akzeptiert.[1] Handelt es sich jedoch um zählbare Elemente im Singular, so findet sich in der Fachliteratur die Aussage, die Getrenntstellung des Mengenausdrucks gehöre dem regionalen Sprachgebrauch oder der gesprochenen Umgangssprache an.[2]

Gemäß Variantengrammatik kommt in diesen Fällen tatsächlich nur die Trennung des Ausdrucks kein- im Gebrauchsstandard vor, andere Aufspaltungen sind nicht belegt. Die Distanzstellung von kein- tritt fast ausschließlich in A sowie weitaus seltener in D-süd, D-mittelost und CH auf. Sie ist jedoch insgesamt nicht sehr häufig anzutreffen.

Beispielbelege

  • Obduktionsergebnis lag am Freitag noch keines vor, der Fall liege inzwischen bei der Staatsanwaltschaft. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten).
  • Beschluss hätte ohnehin keiner gefasst werden können, weil das Thema nicht explizit auf der Tagesordnung stand. (Augsburger Allgemeine).
  • Gegenkandidaten hatte es keinen gegeben. (Wiener Zeitung).

Karte und Frequenztabelle


Arealkürzel

A: Österreich

  • A-west: Westösterreich

Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)

  • A-mitte: Mittelösterreich

Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Bezirk Zell am See/"Pinzgau")

  • A-südost: Südostösterreich

Kärnten, Steiermark

  • A-ost: Ostösterreich

Wien, Niederösterreich, Burgenland

BELG: Belgien
CH: Schweiz
D: Deutschland

  • D-südwest: Südwestdeutschland

Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg

  • D-mittelwest: Mittelwestdeutschland

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen

  • D-nordwest: Nordwestdeutschland

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen

  • D-nordost: Nordostdeutschland

Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

  • D-mittelost: Mittelostdeutschland

Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)

  • D-südost: Südostdeutschland

Bayern

LIE: Liechtenstein
LUX: Luxemburg
STIR: Südtirol

Spezielle Markierungen und Abkürzungen
  • schraffierte Sektoren in den Karten: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • u.S. in den Frequenztabellen: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • * im Fliesstext: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • k.B.: keine Belege
  • Einzelvarianten unter 5 Belegen in einem Areal werden bei den Arealangaben oben nicht aufgeführt

Nähere Angaben zu den festgelegten Schwellenwerten finden sich hier.

Korpus und Quellen

Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus 68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum: 2000-2013). Für weitere Informationen zum Korpus, zum statistischen Vorgehen sowie zu den analysierten Zeitungen siehe hier.

Rundungsdifferenzen
Es können Rundungsdifferenzen auftreten, in solchen Fällen ergibt die Summe der Prozentzahlen in einer Tabelle nicht genau 100%.
Relative Auftretenshäufigkeit von Trennung von Substantiv und kein- innerhalb der einzelnen Areale im Verhältnis zum Gesamtvorkommen in allen Arealen (in %)
Areal Trennung von Substantiv und kein-
LIE 0% (k.B.)
STIR 5% (u.S.)
BELG 0% (k.B.)
LUX 0% (k.B.)
A-ost 30%
A-west 15%
A-mitte 18%
CH 4%
A-südost 21%
D-nordwest 0% (k.B.)
D-südwest 1%
D-mittelwest 0% (u.S.)
D-mittelost 2%
D-nordost 0% (k.B.)
D-südost 3%




Abbildung und Tabelle 1: Relative Auftretenshäufigkeit von Trennung von Substantiv und kein- innerhalb der einzelnen Areale im Verhältnis zum Gesamtvorkommen in allen Arealen (in %)

Einzelnachweise

  1. Zifonun, Gisela et al. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, S. 1615 und 2068.
  2. Eroms, Hans-Werner (2000): Syntax der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, S. 365.
    Zifonun, Gisela et al. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, S. 1619.

Siehe auch