Stellung von Attributen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Allgemeines zum Variantenphänomen

Attribute dienen dazu, ein Bezugswort (Nomen, Adjektive, Adverbien, Partizipien) näher zu bestimmen. Sie sind Bestandteile desselben Satzglieds wie das Bezugswort und können in verschiedenen Formen auftreten:

  • Adjektiv: ein großes Haus (Haus = Bezugswort)
  • Adverb: ziemlich fleißig (fleißig = Bezugswort)
  • Partizip I: sprießende Knospen (Knospen = Bezugswort)
  • Partizip II: das geklaute Fahrrad (Fahrrad = Bezugswort)
  • Nomen im Genitiv: Peters Leistungen (Leistungen = Bezugswort)
  • Nominalgruppe im Genitiv: die Leistungen des Schülers (Leistungen = Bezugswort)
  • Präpositionalgruppe: Kaffee aus Kolumbien (Kaffee = Bezugswort)


Eine besondere Art von Attribut stellen die Appositionen dar. Eine Apposition besteht selbst aus einem Nomen oder einer Nominalphrase und bezieht sich auf ein anderes Nomen, das meist im gleichen Kasus steht. Enge Appositionen treten ohne Komma zum Bezugswort hinzu (vgl. Frau Maier; eine Flasche Rotwein), weite Appositionen werden durch Komma abgetrennt (vgl. Elias, mein Neffe).

Wie die Beispiele zeigen, können Attribute je nach ihrer Form entweder vor oder nach ihrem Bezugswort stehen. In einigen Fällen sind sowohl Voranstellung als auch Nachstellung möglich. Hier liegt mitunter eine areale Variation vor.

Stellung attributiver Adjektive und Partizipien II

Die als Attribute gebrauchten Adjektive pur, light, satt, total und brutal können im gesamten deutschsprachigen Raum (insbesondere aber in D) dem Nomen, auf das sie sich beziehen, nachgestellt werden. Sie werden dann nicht flektiert: Denn auf Graefenthal lässt sich am Osterwochenende zum vierten Mal Lagerfeuer-Romantik pur sowie ein ökologisch einwandfreies Unterhaltungsprogramm erleben. (Rheinische Post). Auch das Partizip II kann (mitsamt seinen zugehörigen Elementen) unflektiert nachgestellt werden, muss dann allerdings in aller Regel von seinem vorausgehenden Bezugswort durch Komma abgetrennt werden: Der Gastgeber, schon abgestiegen, wollte dieses letzte Spiel auch nicht verlieren. (Mittelbayerische Zeitung). Diese Nachstellung kommt in allen Arealen vor, allerdings nur selten oder sporadisch.

x-jährig und initiativ

Ein Adjektiv, das aus einer Zahl und -jährig zusammengesetzt ist, kann als vorangestelltes Attribut verwendet werden: die 20-jährige Frau. Diese attributive Verwendung ist im gesamten deutschen Sprachraum üblich. Daneben kommt in CH davon abweichend die prädikative Verwendung von x-jährig vor, das Adjektiv kann hier auch mit den Kopulaverben sein und werden verbunden werden: Die Frau ist 20-jährig. Der umgekehrte Fall liegt bei dem Adjektiv initiativ vor, das fast nur in CH auch als Attribut auftreten kann: Es braucht einfach initiative Leute, die nach vorne blicken. (Aargauer Zeitung).

Weiterführende Literatur

  • Altmann, Hans / Hofmann, Ute (2008): Topologie fürs Examen. Verbstellung, Klammerstruktur, Stellungsfelder, Satzglied- und Wortstellung. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (= Linguistik fürs Examen 4).
  • Dürscheid, Christa (2002): Polemik satt und Wahlkampf pur. Das postnominale Adjektiv im Deutschen. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft 21.1, S. 57–81.
  • Haftka, Brigitta (1999): Deutsche Wortstellung. Mit besonderer Berücksichtigung generativer Ansätze. Heidelberg: Groos (= Studienbibliographien Sprachwissenschaft 31).
  • Niehaus, Konstantin (2016): Wortstellungsvarianten im Schriftdeutschen. Über Kontinuitäten und Diskontinuitäten in neuhochdeutscher Syntax. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.
  • Wöllstein, Angelika (2014): Topologisches Satzmodell. 2., aktualisierte Auflage. Heidelberg: Universitätsverlag Winter (= Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik 8).
  • Zifonun, Gisela u.a. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Band 1. Berlin: de Gruyter.

Siehe auch


Verfasst von Werner Fuchs-Richter