Stellung von Adverbien

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Allgemeines zum Variantenphänomen

Adverbien können mit anderen sprachlichen Elementen zu mehrteiligen Ausdrücken verknüpft werden. In einigen dieser Verknüpfungen kann ihre Stellung variieren.

Verbindungen von zwei Adverbien

Werden die beiden Adverbien immer und noch miteinander verbunden, entstehen so die beiden Varianten immer noch und noch immer. Fast im gesamten Sprachraum ist immer noch häufiger, aber auch noch immer kommt überall vor. Bei der Verbindung von immer mit dem Adverb schon wird im Gegensatz dazu die Nachstellung von immer bevorzugt (also schon immer), in mehreren Arealen sogar deutlich. Lediglich in LIE, A-west und STIR überwiegt immer schon geringfügig. Die beiden Adverbien erst und gerade schließlich treten so gut wie überall fast ausnahmslos in der Variante gerade erst auf. In BELG und CH ist allerdings auch die umgekehrte Stellung erst gerade gebräuchlich.

Verbindungen von genug und einem Adjektiv

Das Adverb genug bildet zusammen mit einem Adjektiv zwei Stellungsvarianten, z. B. mit dem Adjektiv alt: alt genug und genug alt. Dabei kommt die Variante mit nachgestelltem Adjektiv (also nach dem Muster genug alt) nur in CH selten vor, ansonsten wird überall fast ausschließlich die Voranstellung des Adjektivs (alt genug) verwendet.

Verbindungen von nicht, so und einem Adjektiv

Vor ein Adjektiv wie z. B. alt kann das Adverb so treten: so alt. Soll dieser Ausdruck verneint werden, kann das Adverb (auch: die Negationspartikel) nicht davor oder danach stehen: nicht so alt bzw. so alt nicht. Die Variante mit vorangestelltem nicht wird im gesamten deutschsprachigen Raum mehrheitlich oder fast ausnahmslos verwendet. Die Nachstellung kommt aber ebenfalls in fast allen Arealen vor.

Weiterführende Literatur

  • Altmann, Hans / Hofmann, Ute (2008): Topologie fürs Examen. Verbstellung, Klammerstruktur, Stellungsfelder, Satzglied- und Wortstellung. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (= Linguistik fürs Examen 4).
  • Haftka, Brigitta (1999): Deutsche Wortstellung. Mit besonderer Berücksichtigung generativer Ansätze. Heidelberg: Groos (= Studienbibliographien Sprachwissenschaft 31).
  • Niehaus, Konstantin (2016): Wortstellungsvarianten im Schriftdeutschen. Über Kontinuitäten und Diskontinuitäten in neuhochdeutscher Syntax. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.
  • Wöllstein, Angelika (2014): Topologisches Satzmodell. 2., aktualisierte Auflage. Heidelberg: Universitätsverlag Winter (= Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik 8).

Siehe auch

Verfasst von Werner Fuchs-Richter