Distanzstellung von Satzelementen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Allgemeines zum Variantenphänomen

Zur Erreichung bestimmter kommunikativer Ziele (meist zur besonderen Hervorhebung) ist es möglich, zusammengehörige sprachliche Elemente auf voneinander getrennte Positionen im Satz zu verteilen (sog. Distanzstellung). In der gesprochenen Sprache werden solche Spaltungen regelmäßig vorgenommen, aber gemäß Variantengrammatik finden sich einige davon auch im geschriebenen Gebrauchsstandard, teilweise mit areal unterschiedlicher Verteilung.

Spaltung von Pronominaladverbien

Pronominaladverbien setzen sich aus einem der drei Adverbien da-, wo- oder hier- und einer Präposition zusammen, also z. B.: dafür, wogegen, hiermit. In D-mittelwest, D-nord und bedeutend seltener auch in D-südwest können die beiden Elemente auf getrennte Positionen im Satz verteilt werden. Allerdings geschieht dies häufig in ursprünglich mündlichen Kontexten (Zitaten, verschrifteten Interviews etc.): Da muss es doch ein Programm für geben! (Neue Osnabrücker Zeitung). Häufiger, und im gesamten deutschsprachigen Raum anzutreffen, ist diese Spaltung bei gleichzeitiger Verdoppelung des ersten Bestandteils: Man weiß ja nicht, welche Leute da wieder dabei sind. (Kurier, Oberösterreich). Im südlichen deutschsprachigen Raum wird diese Verdoppelung vereinzelt auch vorgenommen, ohne dass das Pronominaladverb gespalten würde: Wenn man da davor steht, wird einem schon wieder warm. (Mittelbayerische Zeitung).

Für Details siehe den Artikel Spaltung von Pronominaladverbien.

Was für

Mithilfe des Ausdrucks was für können Eigenschaften erfragt, Verwunderung oder Begeisterung ausgedrückt und Nebensätze eingeleitet werden: Was für Urlaube machen Sie denn gern? (Nürnberger Nachrichten). Was für ein Fest ist diese Produktion geworden! (Niederösterreichische Nachrichten). Sie wollten hören und sehen, was für musikalische Talente sich dort im Lauf der Zeit entwickelt haben. (Neue Osnabrücker Zeitung). Zwischen was und für können andere sprachliche Elemente treten, durch die die beiden Bestandteile voneinander getrennt werden: Was soll das für eine Himmelserscheinung sein? (Neue Westfälische).

Diese Distanzstellung tritt im geschriebenen Gebrauchsstandard des gesamten deutschsprachigen Raums auf. In Abhängigkeit von den erwähnten Funktionen (Frage, Ausruf, Nebensatzeinleitung) und dem Areal kommt sie teilweise sogar häufiger vor als die ungespaltene Variante.

Für Details siehe den Artikel Was für.

Trennung von Substantiv und Mengenausdruck

Durch die Verbindung eines Mengenausdrucks mit einem Substantiv wird eine zählbare oder nicht zählbare Menge ausgedrückt, also z. B.: zwei Liter Milch, zehntausend Besucher. Im Aussagesatz können das Substantiv und die Mengenangabe getrennt voneinander auftreten. Dann steht das Substantiv im Vorfeld, die Mengenangabe besetzt das Mittelfeld: Milch haben wir nur noch zwei Liter. Besucher waren dieses Mal zehntausend gekommen.

Während diese Distanzstellung in der gesprochenen Sprache häufig vorkommt, findet sie sich im geschriebenen Gebrauchsstandard nur selten. Sie kommt nur in A und deutlich seltener in D-süd, D-mittelost sowie in CH vor. Außerdem ist sie auf die Mengenangabe kein- beschränkt: Gegenkandidaten hatte es keinen gegeben. (Wiener Zeitung).

Für Details siehe den Artikel Trennung von Substantiv und Mengenausdruck.

Vorvorfeldbesetzung

Zur besonderen Hervorhebung eines Satzglieds kann dieses im Vorvorfeld des Satzes positioniert werden, muss dann aber durch ein Pronomen oder Adverb im Vor- oder Mittelfeld des Satzes wiederaufgenommen werden: Einen flotten Spruch, den haben sie immer auf Lager. (Nordkurier). Diesem Kerl, ich werde dem nie mehr etwas ausleihen![1]

In der gesprochenen Sprache werden solche Herausstellungen regelmäßig vorgenommen. Auch im geschriebenen Gebrauchsstandard kommt die Vorvorfeldbesetzung im gesamten deutschsprachigen Raum vor, allerdings hängt ihre Verwendung hier davon ab, welche Form das betreffende Satzglied aufweist, welcher Art das wiederaufnehmende Element ist und wo dieses Element im Satz steht (Vor- oder Mittelfeld).

Für Details siehe den Artikel Vorvorfeldbesetzung.

Einzelnachweise

  1. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 895.

Weiterführende Literatur

  • Altmann, Hans / Hofmann, Ute (2008): Topologie fürs Examen. Verbstellung, Klammerstruktur, Stellungsfelder, Satzglied- und Wortstellung. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (= Linguistik fürs Examen 4).
  • Haftka, Brigitta (1999): Deutsche Wortstellung. Mit besonderer Berücksichtigung generativer Ansätze. Heidelberg: Groos (= Studienbibliographien Sprachwissenschaft 31).
  • Niehaus, Konstantin (2016): Wortstellungsvarianten im Schriftdeutschen. Über Kontinuitäten und Diskontinuitäten in neuhochdeutscher Syntax. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.
  • Wöllstein, Angelika (2014): Topologisches Satzmodell. 2., aktualisierte Auflage. Heidelberg: Universitätsverlag Winter (= Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik 8).

Siehe auch


Verfasst von Werner Fuchs-Richter