Gebrauch von Adverbien, Konjunktionen, Partikeln und Präpositionen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Adverbien, Konjunktionen, Partikeln und Präpositionen als unflektierbare Wortarten

Adverbien, Konjunktionen, Partikeln und Präpositionen gehören zu den unflektierbaren Wortarten, d. h. sie sind in ihrer Form unveränderlich. In morphologischer Hinsicht unterscheiden sie sich damit von den flektierenden Wortarten, also Substantiven, Verben, Adjektiven sowie Artikelwörtern und Pronomen.

Die unflektierbaren Wortarten lassen sich nach syntaktischen Kriterien weiter unterteilen in solche, die den Wert eines Satzglieds annehmen können (Adverbien), und solche, die nicht satzgliedwertig sein können (Konjunktionen, Partikeln, Präpositionen). Adverbien sind – wie Substantive, Verben, Adjektive – überwiegend Inhaltswörter und somit eine 'offene' Wortartenklasse, d. h. dass sich ihr Bestand jederzeit ändern kann. Konjunktionen, Partikeln und Präpositionen sind – wie Artikel und Pronomen – Funktionswörter und werden wie diese als 'geschlossene' Wortartenklassen charakterisiert, da ihr Bestand relativ fest ist und sich nur über einen langen Zeitraum ändert. Diese Gruppe kann wiederum differenziert werden nach Wortarten, die syntaktische Fügteile sein können (Konjunktionen und Präpositionen), und solchen, bei denen das nicht der Fall ist (Partikeln). Erstere lassen sich schließlich noch in kasusfordernde (Präpositionen) und nicht kasusfordernde (Konjunktionen) einteilen.

Adverbien

Allgemeines zu Adverbien

Adverbien sind nicht-flektierende Wörter, die Satzgliedstatus erlangen können, d. h. sie können in einem Aussagesatz allein vor dem finiten Verb stehen, wie in Gestern gab es Zwetschgenkuchen. Adverbien können nicht – wie Adjektive – nach Genus, Numerus und Kasus dekliniert werden, einige wenige sind allerdings steigerbar (z. B. oft – öfter – am öftesten (sehr selten gebraucht), auch teilweise mit Suppletivformen: gern – lieber – am liebsten).

Adverbien lassen sich (a) nach ihrer Bildungsweise, (b) nach semantischen Kriterien und (c) nach funktionalen Kriterien unterteilen.

(a) Nach ihrer Bildungsweise sind zu unterscheiden

  • einfache Adverbien, die gegenwartssprachlich nicht weiter unterteilbar sind, z. B. dann, dort, gestern, hier, immer, morgen, oben, so, unten, wann, wo;
  • komplexe Adverbien, die auch gegenwartssprachlich noch als Wortbildungsprodukte erkennbar sind, z. B. außerdem, damit, danach, darum, darunter, deswegen, einigermaßen, merkwürdigerweise, sonntags, trotzdem, übermorgen, vermutlich, womit, worin, weswegen.

(b) In semantischer Hinsicht sind u. a. zu unterscheiden[1]

  • Lokaladverbien, z. B. darunter, dort, hier, oben, unten, wo, worin;
  • Temporaladverbien, z. B. danach, dann, gestern, heute, immer, morgen, sonntags, übermorgen, wann;
  • Modaladverbien, z. B. damit, einigermaßen, so, womit;
  • Kausaladverbien (im weiteren Sinne), z. B. also, darum, deswegen, weswegen.

(c) Nach funktionalen Kriterien lassen sich Adverbien in autonome Adverbien und Pro-Adverbien unterteilen. Autonome Adverbien sind ohne Bezug auf den Raum, den Zeitpunkt und den Kontext einer Äußerung verstehbar (z. B. immer, sonntags), Pro-Adverbien enthalten dagegen immer ein auf den Kontext verweisendes Element. Pro-Adverbien können unterteilt werden in

  • Adverbien, die auf die Sprechsituation bzw. den Kontext verweisen ('phorisch-deiktische Adverbien'), wie z. B. also, dort, so sowie die Pronominaladverbien (gelegentlich auch: Präpositionaladverbien), die stets aus einem verweisenden Element (da-, wo-, hier-) und einer Präposition (mit, unter etc.) bestehen, z. B. damit, womit, hiermit, oder darunter, worunter, hierunter. (Nach da- und wo- wird heute nur bei vokalisch anlautenden Präpositionen ein -r- eingeschoben);
  • interrogativ-relative Adverbien, die als Interrogativ- oder Relativwörter verwendet werden, wie z. B. wann, wo, womit, worin, weswegen;
  • Konjunktionaladverbien, d. h. Adverbien, die – wie Konjunktionen – Hauptsätze miteinander verbinden, wie z. B. außerdem, dennoch, deswegen, trotzdem.

Eine eigene Gruppe bilden Kommentaradverbien, die auf eine Haltung des Sprechers oder Schreibers zu einer im Satz geäußerten Aussage verweisen, z. B. merkwürdigerweise, vermutlich. (Allerdings zählen manche Grammatiken diese aus semantischen und syntaktischen Gründen nicht zu den Adverbien.[2])

(Areale) Variation im Gebrauch von Adverbien im Deutschen

Wie in der gesprochenen Alltagssprache, so besteht im Bereich der Adverbien insbesondere bei Pronominaladverbien eine Neigung zur Variation. Neben den 'einfachen' Pronominaladverbien treten im Sprachgebrauch – mit unterschiedlichen arealen Präferenzen – verschiedene gespaltene Formen auf, z. B. Da habe ich nichts von / Da habe ich nichts davon / Da davon habe ich nichts.[3]

Eine weitere Variation im Gebrauch der Adverbien zeigt sich im Bereich der Wortbildung. Diese Art der – auch arealen – Variation wird in den entsprechenden Artikeln zu Wortbildungsphänomenen behandelt, vgl. z. B. Adverbien mit -s / ohne Suffix (durchweg / durchwegs, öfter / öfters), Adverbien mit / ohne -hin als Zweitglied (darauf / daraufhin, worauf / woraufhin), Adverbien mit / ohne her- als Erstglied (herinnen), Adverbien mit hie- / hier- als Erstglied (hiebei / hierbei) und Adverbien mit Präfix zu- aus Superlativformen von Lokaladjektiven (zuoberst).

Konjunktionen

Allgemeines zu Konjunktionen

Konjunktionen sind nicht-flektierbare Wörter, die keine Satzglieder, aber Fügteile sind und keinen Kasus fordern. Sie können aus einem Wort bestehen (z. B. und, dass), aber auch mehrteilig sein (z. B. das heißt, je …desto, sowohl …als auch, weder …noch, wenn auch).

Konjunktionen lassen sich (a) nach der Art der Fügungsmöglichkeit und (b) nach ihrer grammatischen Bedeutung unterteilen.

(a) Was die Art der Fügungsmöglichkeit betrifft, werden nebenordnende und unterordnende Konjunktionen unterschieden:

  • nebenordnende Konjunktionen ('koordinierende Konjunktionen' oder 'Konjunktionen im engeren Sinne') wie und oder aber fügen gleichrangige Satz(glied)teile oder (Haupt- bzw. Neben-)Sätze zusammen;
  • unterordnende Konjunktionen ('subordinierende Konjunktionen' oder kurz 'Subjunktionen') wie dass, weil oder nachdem dienen als Fügteile zwischen Haupt- und Nebensätzen.

(In neueren grammatischen Darstellungen werden beide Gruppen als 'Junktionen' zusammengefasst; der Terminus 'Konjunktion' bleibt dann den koordinierenden Konjunktionen vorbehalten.[4] Da die Bezeichnung 'Konjunktion' geläufiger ist, behalten wir diesen Terminus hier als Oberbegriff bei.)

(b) Nach der grammatischen Bedeutung lassen sich folgende Gruppen unterteilen (die Beispiele beziehen sich, wenn nicht anders ausgewiesen, auf satzverknüpfende Konjunktionen):

  • bei den koordinierenden Konjunktionen:
    • additive Konjunktionen: sowie, sowohl …als auch, und;
    • eine Alternative aufzeigende Konjunktionen: (entweder …) oder, beziehungsweise;
    • adversative Konjunktionen: aber, (je-)doch, nicht nur ….sondern vielmehr (zwischen zwei Satzteilen);
    • konzessive Konjunktion: wenn auch (zwischen zwei Satzteilen);
    • kausale Konjunktionen: denn, weil (zwischen zwei Satzteilen);
    • spezifizierende Konjunktionen: das heißt, beziehungsweise (zwischen zwei Satzteilen).
  • bei den subordinierenden Konjunktionen:
    • adversative Konjunktionen, z. B. wohingegen, während;
    • finale Konjunktionen, z. B. damit, um (zu);
    • instrumentale Konjunktionen, z. B. indem, ohne (zu);
    • kausale Konjunktionen, z. B. da, weil, zumal;
    • komparierende Konjunktion, z. B. als;
    • konsekutive Konjunktionen, z. B. dass, sodass;
    • konditionale Konjunktionen, z. B. falls, wenn;
    • konzessive Konjunktionen, z. B. obwohl, obgleich, auch wenn;
    • neutrale Konjunktionen, z. B. dass, ob;
    • restriktive Konjunktionen, z. B. außer dass, insofern (als);
    • temporale Konjunktionen, z. B. als, bis, nachdem, seit, während.

(Areale) Variation im Gebrauch von Konjunktionen im Deutschen

Für die Möglichkeiten der Variation im Gebrauch von Konjunktionen im Deutschen sollen beispielhaft die drei folgenden Fälle stehen:

  • Einige früher nur als subordinierend beschriebene Konjunktionen treten – vor allem in der gesprochenen Sprache, aber inzwischen auch in Texten des geschriebenen Standarddeutschen – als Konjunktionen mit Verbzweitstellung auf, so v. a. weil und obwohl, z. B. […] weil das müsse jetzt schon auch einmal gesagt werden. (Nürnberger Nachrichten).
  • Das früher nur als temporale Konjunktion klassifizierte Wort nachdem wird immer häufiger auch kausal verwendet, d. h. es entwickelt derzeit eine neue Funktionsvariante. Bsp.: […] das sei trotzdem ein notwendiger Schritt gewesen, nachdem die letzte Anpassung aus dem Jahr 1999 stamme. (Schwarzwälder Bote).
  • Das früher nur als Konjunktionaladverb klassifizierte Wort gleichwohl wird inzwischen auch als subordinierende Konjunktion verwendet, z. B. […] gleichwohl die Wolken immer mal bedrohlich über dem Klosterhof standen, hielt das Wetter. (Thüringer Allgemeine).

Alle drei Fälle von Variation durch Funktionserweiterungen lassen sich als typische Phänomene in längerfristigen Entwicklungsprozessen erklären, in denen sich allmählich grammatische Funktionen von Inhaltswörtern bzw. andere Verwendungsweisen von bestehenden Funktionswörtern herausbilden (Grammatikalisierung). Bei den ersten beiden Beispielen (weil, nachdem) sind diese Prozesse areal unterschiedlich vorangeschritten.

Partikeln

Allgemeines zu Partikeln

Partikeln sind nicht-flektierbare Wörter, die keine Satzglieder und keine Fügteile sein können und die keinen Kasus fordern. Die Partikeln können nach verschiedenen semantischen und pragmatischen Funktionen unterteilt werden. Diese Verwendungsweisen zeigen sich insbesondere in der gesprochenen Sprache bzw. in Texten, die Mündlichkeitsmerkmale enthalten (z. B. Interviews):[5]

  • Abtönungspartikeln (auch: 'Modalpartikeln') drücken die Einstellung des Sprechers zum Gesagten aus, z. B. Das ist ja fúrchtbar. Wie konnte dás denn passieren? Er ist halt / eben ein Trínker. In der gesprochenen Sprache sind Abtönungspartikeln meist unbetont. (In den Beispielen ist die vorangehende oder nachfolgende Betonung jeweils durch das Akzentzeichen ′ markiert.)
  • Fokuspartikeln (auch: 'Gradpartikeln'[6]) lenken die Aufmerksamkeit auf ein der Partikel in der Regel unmittelbar folgendes Element im Satz: So was kann nur íhm passieren! Auch dú, Brutus? Selbst ích könnte das besser! In der gesprochenen Sprache sind Fokuspartikeln unbetont.
  • Gradpartikeln (auch: 'Steigerungspartikeln'[7], 'Intensivpartikeln'[8]) dienen zur Skalierung. Sie beziehen sich v. a. auf Adjektive und Adverbien: Sie hat sehr gefroren. Er war ziemlich betrunken. Ich habe das äußerst gern gemacht. Gradpartikeln können in der gesprochenen Sprache betont wie auch unbetont verwendet werden.
  • Gesprächspartikeln kommen vor allem in dialogischen Sequenzen vor. Dazu gehören vor allem Responsivpartikeln (z. B. Ja?, Hm?, Wie?), Gliederungspartikeln (z. B. Also, reden wir mal Klartext …, Nun, man kann das auch anders sehen …) und Rückversicherungspartikeln (z. B. Das ist doch so, oder / gel / woll / ne / wa …?).

Was die Zuordnung der folgenden Wörter zu den verschiedenen Partikelklassen betrifft, so ist diese in den Grammatiken umstritten[9]:

  • Ausdruckspartikeln (auch: Interjektionen): Aua!, Ach!, Ätsch!, Heisa!, Öha!;
  • Negationspartikeln: Das ist nicht / net schwer zu verstehen;
  • Vergleichspartikeln: so groß wie mein Bruder, größer als mein Bruder, mehr denn je;
  • Antwortpartikeln: Ja!, Eben!;
  • Infinitivpartikeln: Das ist nicht schwer zu verstehen.

Der Ausdruck 'Partikel' wird in der Grammatik auch im Zusammenhang mit der Ableitung von Verben verwendet. In diesem Fall versteht man darunter die abtrennbaren und betonbaren Teile von Partikelverben, z. B. ausbreiten (gegenüber verbreiten).

(Areale) Variation im Gebrauch von Partikeln im Deutschen

Die Variation zeigt sich vor allem im Nebeneinander des Gebrauchs funktionsgleicher Partikeln. In der gesprochenen Alltagssprache betrifft dies vorwiegend Abtönungspartikeln (vgl. das ist halt / eben so) bzw. die Art ihrer Abfolge (vgl. das ist halt eben / eben halt so), aber auch Gradpartikeln (vgl. die sind furchtbar / brutal / irrsinnig nett), Rückversicherungspartikeln (vgl. Das ist doch so, oder / gel / woll / ne / wa …?) und Vergleichspartikeln nach Adjektiven im Komparativ (vgl. größer als / wie / als wie mein Bruder). Insbesondere was die Abtönungspartikeln halt / eben[10] und die Rückversicherungspartikeln oder / gel / woll / ne / wa[11] betrifft, gibt es auch Unterschiede im arealen Gebrauch. In der geschriebenen Standardsprache ist diese Variation weniger ausgeprägt bzw. auf wenige Spezialfälle beschränkt (z. B. so schnell wie möglich / so schnell als möglich, siehe unter so + als / wie möglich). Areale Variation im Standard gibt es daneben aber auch in Bezug auf die Verwendung der Infinitivpartikel zu (z. B. Er braucht das nicht (zu) wissen. Sie hat noch viel Geld auf der Bank (zu) liegen) und den Gebrauch von Konstruktionen mit gehen + zu-Infinitiv (z. B. Das Schloss geht schwer zu öffnen).

Präpositionen

Allgemeines zu Präpositionen

Präpositionen sind nicht-flektierbare Wörter, die Fügteile (aber nicht Satzglieder) sein können und die einen Kasus fordern. Präpositionen können (a) nach ihrer Stellung, (b) nach dem Kasus der zugehörigen Substantivgruppe und (c) nach ihrer Bedeutung bzw. Funktion unterschieden werden.

(a) nach der Stellung

  • Präpositionen, die in der Position vor dem substantivischen Kern der Wortgruppe stehen (also die eigentlichen 'Prä-Positionen'), z. B. an diesem Tag, für Elise, von einer Reise;
  • Präpositionen, die in der Position nach dem substantivischen Kern stehen (also eigentlich als 'Postpositionen' bezeichnet werden müssten), z. B. den Weg entlang, den Berg hinauf;
  • zweiteilige Präpositionen, die den substantivischen Kern einrahmen ('Zirkumpositionen'), z. B. um des Friedens willen, von Anfang an u. a.

(Wegen der Vagheit des Terminus 'Präposition' ist als Oberbegriff für diese drei Formen 'Adposition' vorgeschlagen worden. Aufgrund der größeren Bekanntheit der Bezeichnung 'Präposition' behalten wir diesen Terminus hier jedoch bei.)

(b) nach dem Kasus der zugehörigen Substantivgruppe

  • Präpositionen mit Akkusativ, z. B. für den Frieden, gegen den Strom, den Weg entlang u. a.;
  • Präpositionen mit Dativ, z. B. vor dem Gesetz, aus der Kirche;
  • Präpositionen mit Genitiv, z. B. um des lieben Friedens willen, vorbehaltlich einer Überprüfung;
  • Präpositionen, die je nach Kontextbedeutung einmal den Akkusativ, einmal den Dativ verlangen können (sog. 'Wechselpräpositionen'), z. B. Ich laufe auf den Sportplatz vs. Ich laufe auf dem Sportplatz;
  • Präpositionen, die in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Stellung einen anderen Kasus regieren, z. B. den Weg entlang, aber entlang des Wegs / dem Weg.

(c) nach ihrer Bedeutung bzw. Funktion

  • lokale Präpositionen, z. B. auf der Straße, aus dem Haus, den Weg entlang, diesseits des Flusses, hinter dem Haus, nördlich des Flusses, von hier bis zum Haus, unweit der Straße;
  • temporale Präpositionen, z. B. aus dieser Zeit, binnen sechs Stunden, für eine Woche, innert sechs Stunden, von morgens bis abends, während zwei Stunden;
  • modale Präpositionen, z. B. aus Baumwolle, anstelle / an Stelle (von) einer Entschuldigung, ohne seinen Anwalt;
  • kausale Präpositionen (im weiteren Sinne), z. B. aus Langeweile, um des lieben Friedens willen, wegen Urlaub;
  • Präpositionen, deren Vorkommen in der Valenz des Verbs, Substantivs oder Adjektivs angelegt ist ('neutrale' Präpositionen). In diesem Fall wird der Kasus der Substantivgruppe, die mit dem Verb, dem Substantiv oder dem Adjektiv auftritt, von der einleitenden Präposition bestimmt, z. B. hoffen auf gutes Wetter (Akk.), sich interessieren für Musik (Akk.), reich an Rohstoffen (Dat.), Interesse an Musik (Dat.), Hoffnung auf gutes Wetter (Akk.).

Einige Grammatiken unterteilen die Präpositionen weiter nach ihrem 'Komplexitätsgrad', und zwar in:

  • einfache Präpositionen, z. B. an, auf, in, mit u. a. Diese gelten als sprachgeschichtlich besonders alt, lassen sich etymologisch i. d. R. nicht mehr aus anderen Wortarten ableiten; sie werden deshalb auch als 'primäre' Präpositionen bezeichnet;
  • komplexe Präpositionen, z. B. anhand (von), anlässlich, anstelle (von), aufgrund (von), einschließlich, mithilfe, namens, seitens u. a. Diese sind sprachgeschichtlich jünger als einfache Präpositionen, was sich auch daran zeigt, dass sie noch als Zusammenrückungen (z. B. anhand, anstelle, mithilfe) oder Ableitungen aus anderen Wörtern (z. B. mit -lich: anlässlich, anstelle; mit -s: namens, seitens) erkennbar sind – daraus resultiert ihre Charakterisierung als 'komplex' bzw. die ebenfalls übliche Bezeichnung 'sekundäre Präpositionen';
  • präpositionsartige Wortverbindungen, z. B. an Stelle (von), in Bezug auf, mit Bezug auf. Diese Verbindungen werden auch als 'präpositionale Phraseologismen' bezeichnet.

Allerdings gibt es hier keine scharfen Grenzen. So werden trotz, während und wegen häufig zu den einfachen bzw. 'primären' Präpositionen gezählt,[12] obwohl ihre Ableitung aus anderen Wörtern (Trotz, währen, Weg(en)) noch deutlich erkennbar ist. Auch die Unterscheidung zwischen sekundären Präpositionen, die aus Zusammenrückungen resultieren, und präpositionsartigen Wortverbindungen ist nicht klar, zumal sie sich allein auf die geschriebene Sprache bezieht und auch da vom Stand bzw. von der Variantentoleranz der jeweils geltenden Rechtschreibregelung abhängt (vgl. anstelle (von) / an Stelle (von), aufgrund (von) / auf Grund (von)). Außerdem müssten dann auch in solchen Fällen, in denen Präpositionen mit oder ohne von auftreten, die Variante mit von (z. B. anstelle von vs. anstelle mit Genitiv) als präpositionale Wortverbindung klassifiziert werden.

(Areale) Variation im Gebrauch von Präpositionen im Deutschen

Variation im Gebrauch von Präpositionen im Deutschen besteht vor allem in drei Bereichen, in (a) der Wahl der 'neutralen' Präposition, (b) im Kasus, der von der Präposition regiert wird, und (c) in der syntaktischen Form (Zusammenschreibung vs. Getrenntschreibung, mit oder ohne von).

(a) Variation in der Wahl der 'neutralen' Präposition:

  • Bei Präpositionen, deren Vorkommen in der Valenz des Verbs, Substantivs oder Adjektivs angelegt ist, gibt es areale Präferenzen, z. B. etwas verkaufen um / für 50 Euro, einen Beitrag an / für / zu etwas leisten oder froh sein über / um etwas;
  • Bei Ortsangaben sowie bei einigen Phraseologismen variieren areal die Präpositionen an (bzw. die mit dem bestimmten Artikel verschmolzene Form am) und auf (dem), z. B. das Leben am / auf dem Land; jemanden am / auf dem Laufenden halten.

(b) Variation im Kasus, der von der Präposition regiert wird

  • Bei 'Wechselpräpositionen' variieren die beiden Kasus Akkusativ und Dativ in Abhängigkeit von der Kontextbedeutung, vgl. Ich laufe auf den Sportplatz vs. Ich laufe auf dem Sportplatz (auf die Frage "wohin?" → Akkusativ; auf die Frage "wo?" → Dativ). Auch in Abhängigkeit von der Stellung der Präposition (i. w. S.) variiert der Kasusgebrauch. So steht entlang mit Akkusativ, wenn dieses Wort als Postposition gebraucht wird, vgl. den Weg entlang. Geht entlang voran, dann regiert es den Genitiv bzw. Dativ, vgl. entlang des Weges bzw. entlang dem Weg;
  • Daneben zeigt sich bei einigen Präpositionen eine freie Variation in der Kasusrektion, die entweder mit stilistischen oder arealen Präferenzen zu tun hat. Eine solche Variation besteht z. B. bei dank, entlang und wegen, die bei Voranstellung den Dativ oder Genitiv regieren, sowie bei statt, trotz und während. Bei betreffend und plus[13] schwankt der Kasus sogar zwischen Akkusativ, Dativ und Genitiv, z. B. betreffend den Neubau, betreffend dem Abkommen, betreffend des Unfallhergangs.

(c) Variation in der Darstellungsweise

  • Eine Reihe von Präpositionen tritt funktionsgleich entweder als Zusammenrückung oder als Wortverbindung auf, z. B. anstelle / an Stelle, aufgrund / auf Grund, mithilfe / mit Hilfe. Hier handelt es sich um eine im Rahmen der amtlichen Rechtschreibung zugelassene Variation.
  • Bei einigen Präpositionen variiert der Anschluss mit und ohne von (vgl. aufgrund von Personalmangel / aufgrund Personalmangels).

Einzelnachweise

  1. Eine ausführlichere Klassifikation nach semantischen Kriterien bietet Hoffmann, Ludger (2017): Adverb. In: Hoffmann, Ludger (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Berlin/New York: de Gruyter, S. 223–264, hier S. 224.
  2. So z. B. Helbig/Buscha, die sie als eigene Wortart "Modalwörter" klassifizieren. Vgl. Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2001): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Berlin u.a.: Langenscheidt, S. 430–439.
  3. Vgl. die Karten des Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA), http://www.atlas-alltagssprache.de/runde-1/f11-f12/, http://www.atlas-alltagssprache.de/runde-2/f21a-c/. Zur Variation bei diesen Konstruktionen insgesamt vgl. Negele, Michaela (2012): Varianten der Pronominaladverbien im Neuhochdeutschen. Grammatische und soziolinguistische Untersuchungen. Berlin/Boston: de Gruyter.
  4. Vgl. etwa Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 631–643.
  5. Die Bezeichnungen folgen, wenn nicht anders genannt, der Terminologie in Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 600–611.
  6. Vgl. Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2001): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Berlin u.a.: Langenscheidt. S. 422–423.
  7. Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2001): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Berlin u.a.: Langenscheidt, S. 423–424.
  8. Hentschel, Elke / Weydt, Harald (2013): Handbuch der deutschen Grammatik. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Berlin/Boston: de Gruyter, S. 291–293.
  9. Zum Beispiel in Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2001): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Berlin u.a.: Langenscheidt. S. 424.
  10. Vgl. die Karten des Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA), Runde 9: http://www.atlas-alltagssprache.de/halt-eben/.
  11. Vgl. die Karten des Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA), Runde 2: http://www.atlas-alltagssprache.de/runde-2/f19a-b/.
  12. Z. B. in Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2001): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Berlin u.a.: Langenscheidt, S. 353.
  13. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 625.

Weiterführende Literatur

  • Breindl, Eva / Volodina, Anna / Waßner, Ulrich Hermann (2014): Handbuch der deutschen Konnektoren 2. Semantik der deutschen Satzverknüpfer. Berlin/New York: de Gruyter (= Schriften des Instituts für Deutsche Sprache 13.1–13.2).
  • Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. S. 579–643, 331–339.
  • Hoffmann, Ludger (Hrsg.) (2007): Handbuch der deutschen Wortarten. Berlin/New York: de Gruyter.
  • Pasch, Renate / Brauße, Ursula / Breindl, Eva / Waßner, Ulrich Hermann (2003): Handbuch der deutschen Konnektoren 1. Linguistische Grundlagen der Beschreibung und syntaktische Merkmale der deutschen Satzverknüpfer (Konjunktionen, Satzadverbien und Partikeln). Berlin/New York: de Gruyter (= Schriften des Instituts für Deutsche Sprache 9).

Verfasst von Stephan Elspaß


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