Flexion

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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Allgemeine Bemerkungen zur Flexion

Unter Flexion, auch Beugung oder Abwandlung genannt, versteht man die Änderung der Gestalt eines Wortes, um grammatische Information auszudrücken. Dies geschieht durch das Anfügen bestimmter Suffixe (so genannte Flexionssuffixe) an das Wort oder durch Veränderungen im Wortinneren (durch Umlaut oder Ablaut). Mittels Flexion können unterschiedliche Informationen ausgedrückt werden, zum Beispiel Person (1. / 2. / 3. Person), Numerus (Singular / Plural), Tempus (Präsens / Präteritum / Perfekt / Plusquamperfekt / Futur I / Futur II), Modus (Indikativ / Konjunktiv / Imperativ), Genus Verbi (Aktiv / Passiv), Kasus (Nominativ / Genitiv / Dativ / Akkusativ) oder Genus (maskulin / feminin / neutrum). Oft reicht eine Veränderung des betreffenden Wortes allein allerdings nicht aus, um die grammatische Funktion eindeutig zu markieren. In den meisten Fällen ist das flektierte Wort mehrdeutig, seine grammatische Funktion kann erst in Kombination mit anderen Wörtern oder durch den Kontext eindeutig interpretiert werden. Dies sehen wir an den folgenden Beispielen:

spielenspielte: Die Flexionsmarkierung -te drückt aus, dass das Geschehen bereits vergangen ist (Tempus Präteritum) oder dass es im Bereich des Irrealen oder Möglichen liegt (Modus Konjunktiv Präteritum oder Konjunktiv II). Welche dieser beiden Informationen gemeint ist, erschließt sich aber erst durch den Kontext. Zudem wird durch die Endung ausgedrückt, dass es sich um die erste oder dritte Person Singular (Einzahl) handelt. Erst das Personalpronomen (ich bzw. er / sie / es spielte) macht die Markierung der Person eindeutig.

Ein weiteres Beispiel ist HundHunde: Das Flexionssuffix -e zeigt an, dass es sich um mehrere Hunde handelt (Numerus). Doch in welchem Kasus steht das Wort Hunde? Das ist aufgrund des Flexionsmerkmals nicht eindeutig zu bestimmen: So kann es sich um einen Nominativ handeln (Wer läuft auf der Straße? Die Hunde), einen Genitiv (Wessen Halsbänder sind das? Die Halsbänder der Hunde) oder einen Akkusativ (Wen sehe ich auf der Straße? Die Hunde). In solchen Fällen dienen Artikelwörter, die Position des Wortes im Satz oder der Kontext dazu, den Kasus eindeutig zu machen.

Flektierende Wortklassen

Die oben geschilderte Art der Veränderung eines Wortes zugunsten des Ausdrucks grammatischer Information erlauben nicht alle Wortarten, lediglich die so genannten flektierenden. Im Deutschen sind dies Verb, Substantiv, Adjektiv, Artikel und Pronomen. Bei der Flexion des Substantivs, des Adjektivs, des Artikels und des Pronomens spricht man von Deklination; die Flexion des Verbs wird Konjugation genannt.

Verbalflexion

Die Verbalflexion, auch Konjugation genannt, ist die Veränderung der Grundform (Infinitiv oder Nennform) des Verbs. Sie dient dazu, grammatische Informationen wie Person (1. / 2. / 3. Person), Numerus (Singular / Plural), Tempus (Präsens / Präteritum / Perfekt / Plusquamperfekt / Futur I / Futur II), Modus (Indikativ / Konjunktiv / Imperativ) und Genus Verbi (Aktiv / Passiv) auszudrücken. Wie die einzelnen Formen gebildet werden, ist grammatischen Regeln unterworfen. Prinzipiell können Verben – je nach ihrer Formenbildung – in starke und schwache Verben eingeteilt werden. Starke und schwache Verben unterscheiden sich etwa bei der Bildung des Präteritums und des Partizip Perfekts (Partizip II) (vgl. die Abschnitte Präteritum und Partizip Perfekt (Partizip II)). Meist ist erst in Kombination mit einem Personalpronomen eindeutig, welche Information in Bezug auf Person und Numerus anhand der flektierten Wortform (siehe Fettdruck in der Tabelle) angezeigt wird. Mehrdeutig bleibt bei den schwachen Verben allerdings die Tempus- bzw. Modusmarkierung, da die Formen des Konjunktivs und die des Indikativs hier identisch sind.[1]

Infinitiv Wortform mit Pronomen Person Numerus Tempus Modus Genus Verbi
(1) spielen ich spielte 1. Person Singular Präteritum Indikativ / Konjunktiv Aktiv
(2) spielen er spielte 3. Person Singular Präteritum Indikativ / Konjunktiv Aktiv
(3) geben ich gäbe 1. Person Singular Präteritum Konjunktiv Aktiv
(4) geben er gäbe 3. Person Singular Präteritum Konjunktiv Aktiv

Tabelle 1: Mehrdeutige Formen in Bezug auf Tempus / Modus bei schwachen Verben (hier: spielen), eindeutige Formen bei starken Verben (hier: geben)

Allerdings gibt es eine Reihe von Verben, die sich zwar eindeutig dem starken oder schwachen Konjugationsmuster zuordnen lassen, aber andere Auffälligkeiten in der Formenbildung aufweisen. Dazu zählen die Klasse der unregelmäßigen schwachen Verben (z. B. wenden oder senden), die Gruppe der Modalverben, wissen und (nicht) brauchen sowie die Hilfsverben haben, sein und werden.

Siehe auch:

Präteritum

Das Präteritum, auch Mitvergangenheit genannt, wird in der Klasse der schwachen Verben durch das Suffix -t- ausgedrückt.[2] An die Präteritumsendung wird gegebenenfalls noch ein Suffix zur Markierung der Person und des Numerus angefügt (in der folgenden Tabelle unterstrichen):

Präteritum Person Singular Plural
spielt- 1. Person ich spielte wir spielten
spielt- 2. Person du spieltest ihr spieltet
spielt- 3. Person er / sie / es spielte sie spielten

Tabelle 2: Präteritumsformen des schwachen Verbs spielen

Im Gegensatz dazu wird die Präteritumsform bei starken Verben durch einen Ablaut (Vokalwechsel im Verbstamm) markiert, nicht durch das Anfügen eines tempusanzeigenden Suffixes: gebengab, tuntat.[3] Bei den Formen der 2. Person Singular wird das Suffix -st zur Markierung von Person und Numerus verwendet, bei den Pluralformen das Suffix -t. Die Formen der 1. und 3. Person Singular sind dagegen endungslos:

Präteritum Person Singular Plural
gab- 1. Person ich gab wir gaben
gab- 2. Person du gabst ihr gabt
gab- 3. Person er / sie / es gab sie gaben

Tabelle 3: Präteritumsformen des starken Verbs geben

Unregelmäßige schwache Verben wie senden oder wenden können zusätzlich zu den schwachen Endungen einen Vokalwechsel aufweisen (z. B. sendensendete / sandte).

Siehe auch:

Partizip Perfekt (Partizip II)

Das Partizip Perfekt, auch Partizip II genannt, dient gemeinsam mit den Hilfsverben werden, haben oder sein der Bildung der zusammengesetzten Tempusformen (analytische Tempusformen) Perfekt, Plusquamperfekt und Futur sowie der Bildung des Passivs (zu mehrteiligen Verbformen siehe den Punkt Zusammengesetzte Verbformen). Bei Verben, deren Formen dem schwachen Bildungsmuster folgen, wird das Präfix ge- vor den Verbstamm gestellt sowie das Suffix -(e)t angefügt: spielen → gespielt, arbeiten → gearbeitet. Bei Verben, die auf -ieren enden, sowie bei Verben, die bereits ein Präfix aufweisen (so genannte Präfixverben), entfällt das ge-: studierenstudiert, übersetzenübersetzt.

Verben, die nach dem starken Muster konjugieren, bilden die Form des Partizip Perfekts ebenfalls durch das Präfix ge-, haben allerdings das Suffix -(e)n: gebengegeben, tungetan. Zusätzlich wird das Partizip Perfekt der starken Verben oft durch einen Vokalwechsel im Verbstamm, den Ablaut, gekennzeichnet: tungetan, findengefunden, biegengebogen.[4]

Unregelmäßige schwache Verben wie senden oder wenden können zusätzlich zu den schwachen Endungen einen Vokalwechsel aufweisen (z. B. sendengesendet / gesandt).

Bei den so genannten Partikelverben wird in einem Aussagesatz der erste Verbbestandteil / die Verbpartikel abgetrennt. Dieser / Diese und der Verbstamm bilden zusammen eine sog. Klammer: anreisenEr reist am Montag an. Zur Bildung des Partizip Perfekts wird hier -ge- zwischen diesem abtrennbaren Verbteil und dem Verbstamm eingefügt: anreisenangereist, teilnehmenteilgenommen.

Siehe auch:

Zusammengesetzte Verbformen

Die Beispiele in der folgenden Tabelle zeigen, dass zum Ausdruck bestimmter grammatischer Informationen mindestens ein weiteres Verb benötigt wird, ein Hilfsverb (Auxiliarverb). In diesen Fällen schließen sich mehrere Verben zu komplexen Verbformen zusammen.[5]

Infinitiv zusammengesetzte Verbform mit Pronomen Person Numerus Tempus Modus Genus Verbi
(1) trinken wir haben getrunken 1. Person Plural Perfekt Indikativ Aktiv
(2) klettern wir sind geklettert 1. Person Plural Perfekt Indikativ Aktiv
(3) essen wir hatten gegessen 1. Person Plural Plusquamperfekt Indikativ Aktiv
(4) fliegen er war geflogen 3. Person Singular Plusquamperfekt Indikativ Aktiv
(5) abfahren ihr werdet abfahren 2. Person Plural Futur Indikativ Aktiv
(6) fahren ich würde fahren 1. Person Singular Präteritum Konjunktiv Aktiv
(7) abholen du wirst abgeholt 2. Person Singular Präsens Indikativ Passiv
(8) kommen müssen er muss kommen 3. Person Singular Präsens Indikativ Aktiv

Tabelle 4: Zusammengesetzte Verbformen

Im Deutschen können beispielsweise die Zeitformen des Perfekts (Vergangenheit oder Präsensperfekt) sowie des Plusquamperfekts (Vorvergangenheit oder Präteritumperfekt) nur über zusammengesetzte Verbformen ausgedrückt werden. Das Perfekt (Beispiele (1)-(2)) wird gebildet, indem ein nach Person und Numerus spezifiziertes Hilfsverb (haben oder sein) mit einem Partizip Perfekt (im Beispiel getrunken bzw. geklettert) kombiniert wird. Ähnlich erfolgt die Bildung des Plusquamperfekts (Beispiele (3)-(4)), allerdings wird hier die Präteritumsform (Form der Mitvergangenheit) des Hilfsverbs (haben oder sein) verwendet.

Siehe auch:

Zum Ausdruck von Wünschen oder Möglichkeiten gibt es im Deutschen zwar eigene Flexionsformen (z. B. Konjunktivformen wie ich gäbe, er käme)[6], doch gibt es auch die Möglichkeit, mehrteilige Verbformen, so genannte Periphrasen, zu verwenden. So können anstatt der Formen des Konjunktivs würde+Infinitiv-Formen eingesetzt werden. In diesem Fall wird der Konjunktiv Präteritum des Verbs werden mit einem einfachen Infinitiv kombiniert (wie in Beispiel (5)).

Siehe auch:

Will man im Deutschen ausdrücken, dass jemand oder etwas von einem Geschehen betroffen ist, bedient man sich ebenfalls einer analytischen (zusammengesetzten) Verbform, wie sie in Beispiel (6) realisiert wird. Es handelt sich dabei um eine Markierung der Kategorie Genus Verbi, um ein Passiv, genauer um ein Vorgangs-Passiv.[7]

Siehe auch:

Beispiel (7) zeigt, dass auch für die Bildung von Sätzen mit Modalverb mehrere Verben verwendet werden. Zum Ausdruck einer Möglichkeit, Notwendigkeit, Erlaubnis oder Willensbekundung wird im Deutschen ein flektiertes Modalverb (können, dürfen, mögen, müssen, sollen, wollen) mit einem einfachen Infinitiv (im Beispielsatz kommen) kombiniert.

Siehe auch:

Tritt das Verb sein in Verbindung mit am, beim oder im und einem Infinitiv auf, kann damit eine so genannte Verlaufsform ausgedrückt werden: Sie drücken einen Vorgang oder einen Zustand im zeitlichen Verlauf aus, also als zeitlich andauernd oder nicht-punktuell: Er ist am / beim / im Arbeiten.[8] Der Infinitiv ist ein Tätigkeitsverb (arbeiten, tanzen) oder ein Vorgangsverb (wachsen, schlafen) und wird in solchen Konstruktionen substantiviert, also normgemäß groß geschrieben.

Siehe auch:

Substantivflexion

Die Substantivflexion betrifft die grammatischen Kategorien Numerus (Singular / Plural) und Kasus (Nominativ / Genitiv / Dativ / Akkusativ).

Zur Kennzeichnung des Plurals eines Substantivs stehen im Deutschen fünf Suffixe zur Verfügung: -e, -n, -en, -er und -s. Welches Suffix verwendet wird, hängt mit dem Genus (Maskulinum / Femininum / Neutrum) der Substantive zusammen und kann prinzipiell – in der Darstellung der Duden-Grammatik – durch einige grundlegende Regeln beschrieben werden.[9] Die Grundregeln lauten wie folgt:

  • Maskulina und Neutra haben im Plural ein -e: der Kontrastdie Kontraste, das Zieldie Ziele;
  • Feminina enden auf -en: die Fraudie Frauen;
  • Enden Maskulina oder Neutra auf -el, -en oder -er, so ist der Plural endungslos: der Balkendie Balken. Bei Feminina, bei denen die unflektierte Form auf -el oder -er endet, wird die Pluralmarkierung auf -n verkürzt: die Regeldie Regeln.

Wenn Substantive allerdings eine der folgenden vier Eigenschaften aufweisen, folgt die Pluralbildung anderen Regeln:

  • Wenn ein Substantiv auf ein unbetontes -e endet, wird das Pluralsuffix -en verwendet: der Rabedie Raben, die Flaschedie Flaschen;
  • Endet die Substantivform auf einen anderen unbetonten Vokal oder auf einen betonten Vokal, wird zur Bildung des Plurals ein -s angehängt: das Autodie Autos, das Komiteedie Komitees.

Bei diesen Regeln handelt es sich jedoch nur um allgemeine Tendenzen, es lassen sich zahlreiche Ausnahmen finden. Beispielsweise bildet eine kleine Gruppe von starken Maskulina und Neutra, die aber häufig vorkommen, den Plural mit -er: das Kinddie Kinder.

Zusätzlich zur Verwendung von unterschiedlichen Suffixen kann beim Substantiv der Umlaut eingesetzt werden, um eine Pluralform anzuzeigen. Auch hier lassen sich nur Tendenzen angeben:

  • Ein Umlaut wird bei Feminina mit der Pluralendung -e gesetzt oder dann, wenn die Pluralform endungslos ist: die Gansdie Gänse, die Tochterdie Töchter;
  • Bei Pluralformen mit dem Suffix -er findet sich ebenfalls oft ein Umlaut: das Fassdie Fässer;
  • Maskulina mit einem -e als Pluralsuffix oder mit einem endungslosen Plural weisen oft einen Umlaut auf: der Hofdie Höfe, der Gartendie Gärten.

Besonders variantenreich ist die Bildung der Pluralformen bei Fremdwörtern, die entweder der Herkunftssprache folgt (der Stimulusdie Stimuli, das Tempusdie Tempora) oder dem deutschen System (der Zirkusdie Zirkusse, der Computerdie Computer).

Siehe auch:

Substantive sind im Deutschen neben dem Numerus auch nach dem Kasus bestimmt, sie stehen im Nominativ (Fragewort wer), im Genitiv (Fragewort wessen), im Dativ (Fragewort wem) oder im Akkusativ (Fragewort wen). Oft wird der Kasus jedoch nicht am Substantiv selbst angezeigt, sondern ist nur über den Artikel oder das mit einem Substantiv auftretende Adjektiv identifizierbar: Fraudie interessante Frau, der interessanten Frau. Allerdings können sich trotz Artikel und Adjektiv mehrdeutige Formen ergeben, deren grammatische Information durch den Kontext erschlossen werden muss: der interessanten FrauDas ist die Tasche der interessanten Frau (Genitiv). Ich schreibe der interessanten Frau (Dativ).

Im Deutschen gibt es drei Suffixe, die der Kasusmarkierung dienen: -(e)s zur Markierung des Genitivs, -(e) zur Dativmarkierung, -(e)n zur Markierung des Akkusativs, des Dativs oder des Genitivs. Der Nominativ wird nicht gekennzeichnet. Ob die Kasus durch ein Flexionssuffix kenntlich gemacht werden und welches verwendet wird, ist davon abhängig, welchem Kasusflexionstyp das Substantiv angehört. Man spricht von starker, schwacher und endungsloser Kasusflexion (siehe unten). Außerdem gibt es auch hier Mischformen und Sonderklassen.[10] Eine wichtige Rolle bei der Formenbildung spielt die Genitivform, weil sie eindeutig einem Flexionsmuster zuzuordnen ist. Von der Genitivform ausgehend können also anhand des Flexionsmusters alle anderen Formen rekonstruiert werden:

  • Ist die Genitivform endungslos, sind auch die Formen des Akkusativs sowie die des Dativs endungslos: die Frauder Frau;
  • Endet die Genitivform auf -es / -s, sind Akkusativ und Dativ ebenfalls endungslos[11]: des Mannesden Mann / dem Mann;
  • Werden die Genitivendungen -en / -n verwendet, enden auch die Formen des Akkusativs und Dativs auf -en / -n: des Zeugenden Zeugen / dem Zeugen.

Wie die Genitivform gebildet wird, hängt nun davon ab, welchem Flexionsschema ein Substantiv angehört. Sein Genus kann einen Hinweis darauf liefern:

  • starke Kasusflexion: Ihr gehören Maskulina und Neutra an. Im Genitiv haben diese Substantive die Suffixe -es oder -s: der Manndes Mann(e)s, das Kinddes Kind(e)s. Die lange Genitivkennzeichnung -es ist vor allem bei sehr häufigen Wörtern gebräuchlich, in anderen Beispielen kann sie unter bestimmten Bedingungen[12] auf -s gekürzt werden: das Giftdes Gift(e)s. Vor allem bei Fremdwörtern ist ausschließlich die gekürzte Form zu verwenden: der Zoodes Zoos;
  • schwache Kasusflexion: Dazu zählen belebte, maskuline Substantive, welche die Pluralformen mit dem Suffix -(e)n bilden. Ihre Genitivformen enden auf -en: der Prinz (Plural die Prinzen) → des Prinzen;
  • endungslose Kasusflexion: Nach diesem Muster deklinieren Feminina. Ihre Genitivformen (sowie auch die anderen Kasusformen) sind endungslos: die Frauder Frau.

Siehe auch:

Adjektivflexion und Flexion von Artikelwörtern

Adjektive dienen dazu, ein Substantiv näher zu charakterisieren. Tritt das Adjektiv vor das Substantiv, das es näher beschreibt, wird es in der Regel flektiert: schönder schöne Sonntag, spanischdie spanischen Häuser, schwierigdie schwierige Grammatik. Je nachdem, welche Numerus- (Singular / Plural), Kasus- (Nominativ / Genitiv / Dativ / Akkusativ) und Genuseigenschaften (maskulin / feminin / neutrum) das nachfolgende Substantiv hat, wird auch die Form des dazugehörigen Adjektivs nach diesen grammatischen Kategorien verändert. Wie die Veränderung im Einzelnen aussieht, richtet sich danach, ob das Adjektiv nach dem starken oder schwachen Flexionsmuster gebildet wird.[13] Dies wiederum hängt davon ab, ob dem Adjektiv ein Artikelwort vorangeht und welche Form dieses Artikelwort hat:

Das Adjektiv wird stark flektiert, wenn kein Artikelwort vorangeht (Beispiel 1a) oder dieses kein Flexionssuffix trägt (Beispiele 1b und 1c). Ist Letzteres der Fall, muss das Adjektiv die Flexionsinformation tragen. Trägt hingegen das Artikelwort, das dem Adjektiv vorangeht, eine Flexionsmarkierung (Beispiele 2a-c), wird das Adjektiv schwach flektiert:

(1)

a. roter Wein

b. dessen alter Großmutter [Dat.]

c. sein / kein / mein neues Haus

(2)

a. der rote Wein

b. jeder alten Großmutter

c. seiner / meiner neuen Häuser [Gen.]

Die starken Formen der Adjektive werden nach folgendem Muster gebildet:

Kasus Numerus
Singular Plural
mask. fem. neutr.
Nominativ -er -e -es -e
Akkusativ -en
Dativ -em -er -em -en
Genitiv -en -en -er

Tabelle 5: Flexionsendungen der starken Adjektive

Die schwachen Formen der Adjektive werden nach folgendem Muster gebildet:

Kasus Numerus
Singular Plural
mask. fem. neutr.
Nominativ -e -e -e -en
Akkusativ -en
Dativ -en -en
Genitiv

Tabelle 6: Flexionsendungen der schwachen Adjektive

Die starken Adjektivendungen entsprechen den Flexionsendungen des bestimmten Artikels – mit einer Ausnahme: Die starke Flexion des Artikels im Genitiv Singular der Maskulina und Neutra lautet auf -es, beim Adjektiv hingegen auf -en aus: des Wettersschönen Wetters.

Ein besonderer Fall der Adjektivflexion liegt vor, wenn vor dem Adjektiv und dem Substantiv Artikelwörter vom Typ ein, kein oder mein, dein, sein etc. stehen.[14] Diese Artikelwörter weisen im Nominativ Singular des Maskulinums und im Nominativ/Akkusativ Singular der Neutra keine Flexionssuffixe auf, daher wird das Adjektiv in diesen Formen stark dekliniert. In allen anderen Fällen weisen die Adjektive hingegen schwache Formen auf:

Kasus Numerus
Singular
mask. neutr.
Nominativ ein weißer Hund ein gutes Kind
Akkusativ einen weißen Hund ein gutes Kind
Dativ einem weißen Hund einem guten Kind
Genitiv eines weißen Hundes eines guten Kindes

Tabelle 7: Adjektivflexion bei Verwendung der Artikelwörter vom Typ ein, kein oder mein, dein, sein etc.

Auch im Plural werden die Adjektive in Kombination mit kein oder mein, dein, sein etc. schwach flektiert. Bei ein ergibt sich hingegen die Besonderheit, dass das Artikelwort im Plural wegfällt, was eine starke Adjektivflexion bedingt:

Kasus Numerus
Plural
mask. mask.
Nominativ weiße Hunde keine weißen Hunde
Akkusativ weiße Hunde keine weißen Hunde
Dativ weißen Hunden keinen weißen Hunden
Genitiv weißer Hunde keiner weißen Hunde

Tabelle 8: Adjektivflexion bei Verwendung der Artikelwörter vom Typ ein vs. kein im Plural (ersteres entfällt)

Siehe auch:

Pronominalflexion

Unter Pronomen, auch Fürwörter genannt, fasst man verschiedene Arten von Wörtern, die anstelle einer Nominalphrase stehen können: das kleine Kindes. Sie werden meist wie folgt klassifiziert:[15]

Auch die Pronomen zählen zu den flektierenden Wortklassen. Ihre Wortformen können grundsätzlich die grammatischen Informationen Numerus (Singular / Plural), Kasus (Nominativ / Genitiv / Dativ / Akkusativ) und Genus (maskulin / feminin / neutrum) ausdrücken, wobei es je nach Untergruppe verschiedene Einschränkungen in der Formenbildung gibt.[16]

Siehe auch:

Einzelnachweise

  1. Zu mehrteiligen Verbformen siehe den Punkt Zusammengesetzte Verbformen.
  2. Für eine vollständige Beschreibung der Bildung der Präteritumsformen bei starken, schwachen Verben und bei Verben des Mischtyps vgl. Darski, Józef (1999): Bildung der Verbformen im Standarddeutschen. Tübingen: Stauffenburg, S. 52f.
  3. Für eine systematische Darstellung des Ablauts bei der Konjugation vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 460ff.
  4. Für eine systematische Darstellung des Ablauts bei der Konjugation vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 464ff.
  5. Vgl. Darski, Józef (1999): Bildung der Verbformen im Standarddeutschen. Tübingen: Stauffenburg, S. 178ff.
  6. Für eine ausführliche Besprechung der Bildung der Konjunktivformen vgl. Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2005): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. 5. Auflage. Berlin u.a.: Langenscheidt, S. 169ff.; Darski, Józef (1999): Bildung der Verbformen im Standarddeutschen. Tübingen: Stauffenburg, S. 53f.
  7. Dieses setzt sich aus einer flektierten Form des Verbs werden und einem Partizip Perfekt zusammen (z. B. gewaschen werden). Für eine ausführliche Beschreibung der Bildung der Passivformen und ihrer Funktion vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 478ff.
  8. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 435f.
  9. Zur ausführlichen Beschreibung dieser Regeln sowie deren Ausnahmen vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 181ff.
  10. Vgl. Eisenberg, Peter (2006): Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 3., durchgesehene Auflage. Stuttgart: Metzler, S. 158ff.; Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 214ff.
  11. Bisweilen stehen die Dativformen noch mit der Endung -e, diese Formen gelten allerdings als veraltet: des Mannesdem Manne.
  12. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 196f.
  13. Für eine ausführliche Darstellung der Bildung der Adjektivformen vgl. Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2005): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. 5. Auflage. Berlin u.a.: Langenscheidt, S. 273ff.
  14. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 369.
  15. Vgl. Taborek, Janusz (2002): Einige Probleme bei der Auffassung der Wortklasse Pronomen in den deutschen Grammatiken des letzten Jahrzehnts. In: Rapp, Reinhard (Hrsg.): Sprachwissenschaft auf dem Weg in das dritte Jahrtausend. Frankfurt a. M.: Lang.
  16. Für eine ausführliche Darstellung der Untergruppe der Pronomen sowie deren Formenbildung vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Duden 4), S. 247ff; Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2005): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. 5. Auflage. Berlin u.a.: Langenscheidt, S. 207ff. und S. 225ff.

Weiterführende Literatur

  • Booij, Geert (2000): Inflection and derivation. In: Booij, Geert (Hrsg.): Morphologie. Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung. Berlin u.a.: de Gruyter (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 17), S. 360–369.
  • Darski, Józef (1999): Bildung der Verbformen im Standarddeutschen. Tübingen: Stauffenburg.
  • Knobloch, Clemens / Schaeder, Burkhard (2009): Kriterien für die Definition von Wortarten. In: Booij, Geert (Hrsg.): Morphologie. Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung. Berlin/New York: de Gruyter (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 17), S. 674–692.
  • Eichinger, Ludwig M. / Plewnia, Albrecht (2006): Flexion in der Nominalphrase. In: Ágel, Vilmos u.a. (Hrsg.): Dependenz und Valenz. Ein internationales Handbuch der zeitgenössischen Forschung. 2. Halbband. Berlin/New York: de Gruyter (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 25), S. 1049–1065.
  • Thieroff, Rolf / Vogel, Petra M. (2009): Flexion. Heidelberg: Winter (= Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik 7).

Verfasst von Arne Ziegler / Elisabeth Scherr


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