dies + Konjunktion

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
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dies + Konjunktion CH, LIE, LUX, STIR

Adverbialsätze dienen dazu, eine Aussage in verschiedener Hinsicht zu präzisieren. Wie alle Nebensätze können sie dem übergeordneten Satz vorangehen, in ihn eingeschoben sein oder ihm folgen. Ist Letzteres der Fall, kann an die Stelle des direkten Anschlusses auch eine Konstruktion mit dem Demonstrativpronomen dies treten: Konkrete Abklärungen fehlen bisher. Dies, obwohl in Gossau seit längerem über einen Lärmschutzwall entlang der A1 diskutiert wird. (St. Galler Tagblatt). Mit direktem Anschluss würde der Satz folgendermaßen lauten: Konkrete Abklärungen fehlen bisher, obwohl in Gossau seit längerem über einen Lärmschutzwall entlang der A1 diskutiert wird.

Die Adverbialsatz-Konstruktion mit dies kommt besonders häufig in CH und in LIE vor, tritt aber auch in LUX sowie in STIR auf. In den übrigen Arealen findet sie sich deutlich seltener oder nur in Einzelfällen.

In einer so gebildeten Konstruktion hängt der Adverbialsatz nicht mehr vom eigentlich übergeordneten Satz ab, sondern von dies, das wiederum als Rest eines verkürzten Hauptsatzes angesehen werden kann. Dieser könnte vollständig etwa Dies ist so/geschieht lauten: Dies ist so, obwohl in Gossau seit längerem über einen Lärmschutzwall entlang der A1 diskutiert wird. Da das Komma zwischen dies und der Konjunktion jedoch gelegentlich nicht gesetzt wird, lassen sich die beiden Wörter auch als eine zusammenhängende Einheit betrachten, die als mehrteilige Konjunktion einen Satz mit Verbendstellung einleitet. In beiden Fällen soll dem Inhalt des Adverbialsatzes eine größere Selbstständigkeit verliehen werden, wodurch das gesamte Satzgefüge einerseits entlastet, der Adverbialsatz andererseits aber auch stärker betont wird.

Insgesamt zeigt sich hier eine gewisse Ähnlichkeit zu Konstruktionen, die aus einem Adverb und einer Konjunktion bestehen und die ebenfalls mit oder ohne Komma verwendet werden können[1]: Besonders, weil ein Radfahrer kaum einen Brummifahrer zu interessieren scheint. (Thüringer Allgemeine). Nur dass die Zuschauer eben ein Abo brauchen. (Hessische/Niedersächsische Allgemeine). Insbesondere wenn es um die Finanzen geht. (Freie Presse).

Beispielbelege

  • dies(,) da
    • Dies, da die Kinder besser gebildet werden und später weniger staatliche Unterstützung nötig hätten. (Berner Zeitung).
    • Dies, da die Straße zu schmal ist und verbreitert werden muss. (Schwarzwälder Bote).
    • Dies, da heuer wieder einmal genügend Schnee für ein Rennen auf den Hügeln liegt. (Neue Luzerner Zeitung).
  • dies(,) damit
    • Dies, damit das Studium sowohl in Österreich als auch in Italien anerkannt werde. (Südtirol Online).
    • Dies, damit sich im Plenum alle frei äussern könnten. (St. Galler Tagblatt).
    • Dies, damit möglichst bald klar sei, ob er freigesprochen werde, oder ob es zu einer Anklage komme. (Neue Luzerner Zeitung).
  • dies(,) nachdem
    • Mitte dieses Monats reichte Robert Goebbels beim Premierminister sein Demissionsschreiben ein, dies, nachdem die Konten abgeschlossen werden konnten. (Luxemburger Wort).
    • Dies nachdem die Firma polnische Arbeiter zu Dumpinglöhnen beschäftigt hatte. (Neue Luzerner Zeitung).
    • Dies, nachdem die VoG Keglerheim – laut Angaben von Sportschöffin Patricia Creutz (CSP) im Stadtrat – ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt und dabei ist, sich aufzulösen. (GrenzEcho).
  • dies(,) obschon
    • Dies, obschon die Vorzeichen im Duell mit dem Tabellenelften alles andere als gut waren. (Stuttgarter Zeitung).
    • Dies, obschon sich die Mär, dass das Baselbiet noch nie einen Regierungsrat abgewählt hat, hartnäckig hält. (Basellandschaftliche Zeitung).
    • Dies obschon bereits am 7. September 2011 eine entsprechende Ordnungsbusse von 3200 Franken erlassen worden sei, heisst es in einer Mitteilung des Bezirks Küsnacht vom Donnerstag. (Neue Luzerner Zeitung).
  • dies(,) obwohl
    • "Seit August haben wir jeden Monat durchschnittlich 330 Neuanmeldungen, dies, obwohl unser Personalbestand seit Januar 2011 von 41 auf 36,5 Stellen gesunken ist." (St. Galler Tagblatt).
    • Dies, obwohl der Betrieb im Januar wegen des zu warmen Wetters vorübergehend eingestellt werden musste. (Berner Zeitung).
    • Dies, obwohl die Sozialdemokraten gerne mit den Grünen zusammen das Land regierten, beteuerte sie. (Stuttgarter Zeitung).
  • dies(,) weil
    • Dies, weil ein Schöffe offensichtlich nicht rechtzeitig geladen wurde […]. (Rheinische Post).
    • Das zweite Halbfinale war wesentlich unspektakulärer, dies weil Daniela Hantuchova (WTA-38) überhaupt nicht mit der Spielweise ihrer Gegnerin zurechtkam. (Tageblatt Online).
    • Dies weil die Gebiete nicht Naturschutzgebiete von kantonaler Bedeutung sind. (Aargauer Zeitung).
  • dies mit anderen Konjunktionen
    • Und dies, bevor dieser voraussichtlich in der kommenden Herbstsession über das Geschäft debattiert. (Berner Zeitung).
    • Dies indem jeder seine Stärken, sein Können, sein Talent anderen zur Verfügung stellt und selber dafür Zeit als Bezahlung gutgeschrieben erhält. (Die Südostschweiz).
    • Dies, insofern ihr Markdorfer Lokalmatador Roland Wohlhüter sich als Conférencier zeigte, der mit Charme und mit Witz ebensogut umzugehen weiß, wie mit seinen Trompeten. (Südkurier).
    • Und dies, obgleich der Sozialausschuss bereits in der Nikolaus-Sitzung darauf verwiesen hatte, dass diese Position ausgefüllt sein muss, so CDU-Stadtrat Tim Kröhnert. (Thüringer Allgemeine).
    • Dies, sofern das Parlament Anfang 2013 dazu Ja sagt. (Neue Luzerner Zeitung).
    • Dies, zumal außer der Schlecker-Schließung noch weitere Geschäftsaufgaben im Ortskern hingenommen werden mussten. (Schwäbische Zeitung).

Karte und Frequenztabelle


Arealkürzel

A: Österreich

  • A-west: Westösterreich

Vorarlberg (Vbg.), Tirol (inkl. Osttirol) (Tir.), Bezirk Zell am See/"Pinzgau" (Bundesland Salzburg)

  • A-mitte: Mittelösterreich

Oberösterreich, Bundesland Salzburg (ohne
Bezirk Zell am See/"Pinzgau")

  • A-südost: Südostösterreich

Kärnten, Steiermark

  • A-ost: Ostösterreich

Wien, Niederösterreich, Burgenland

BELG: Belgien
CH: Schweiz
D: Deutschland

  • D-südwest: Südwestdeutschland

Rheinpfalz (Rheinland-Pfalz), Saarland, Baden-Württemberg

  • D-mittelwest: Mittelwestdeutschland

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (ohne Region Rheinpfalz), Hessen

  • D-nordwest: Nordwestdeutschland

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen

  • D-nordost: Nordostdeutschland

Brandenburg (ohne Region Niederlausitz), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, alter Bezirk Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

  • D-mittelost: Mittelostdeutschland

Sachsen, Thüringen, Region Niederlausitz (Brandenburg), alter Bezirk Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt)

  • D-südost: Südostdeutschland

Bayern

LIE: Liechtenstein
LUX: Luxemburg
STIR: Südtirol

Spezielle Markierungen und Abkürzungen
  • schraffierte Sektoren in den Karten: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • u.S. in den Frequenztabellen: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • * im Fliesstext: unter Schwellenwert (absolute Belegzahl)
  • k.B.: keine Belege
  • Einzelvarianten unter 5 Belegen in einem Areal werden bei den Arealangaben oben nicht aufgeführt

Nähere Angaben zu den festgelegten Schwellenwerten finden sich hier.

Korpus und Quellen

Das untersuchte Korpus umfasst knapp 600 Mio. Wörter und enthält Texte aus 68 Zeitungen des zusammenhängenden deutschsprachigen Raums (Zeitraum: 2000-2013). Für weitere Informationen zum Korpus, zum statistischen Vorgehen sowie zu den analysierten Zeitungen siehe hier.

Rundungsdifferenzen
Es können Rundungsdifferenzen auftreten, in solchen Fällen ergibt die Summe der Prozentzahlen in einer Tabelle nicht genau 100%.
Relative Auftretenshäufigkeit von Satzeinleitung aus dies und Konjunktion innerhalb der einzelnen Areale im Verhältnis zum Gesamtvorkommen in allen Arealen (in %)
Relative Auftretenshäufigkeit von dies + Konjunktion innerhalb der einzelnen Areale
Areal dies + Konjunktion
A-ost 1% (u.S.)
BELG 2% (u.S.)
A-südost 1% (u.S.)
LIE 21%
STIR 6%
A-west 2%
A-mitte 2%
D-nordwest 0%
D-mittelwest 1%
LUX 12%
D-mittelost 1%
D-nordost 1%
D-südost 1%
D-südwest 3%
CH 46%
Abbildung und Tabelle 1: Relative Auftretenshäufigkeit von dies + Konjunktion innerhalb der einzelnen Areale im Verhältnis zum Gesamtvorkommen in allen Arealen (in %)

Einzelnachweise

  1. Vgl. auch Duden (2017): Die deutsche Rechtschreibung. 27., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 1), S. 88, D 127.

Weiterführende Literatur

  • Duden (2017): Die deutsche Rechtschreibung. 27., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 1).
  • Dürscheid, Christa / Hefti, Inga (2006): Syntaktische Merkmale des Schweizer Standarddeutsch. Theoretische und empirische Aspekte. In: Dürscheid, Christa / Businger, Martin (Hrsg.): Schweizer Standarddeutsch. Beiträge zur Varietätenlinguistik. Tübingen: Narr, S. 131–161.

Siehe auch