Gebrauch von Artikeln und Pronomen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
(Weitergeleitet von Artikelgebrauch)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Allgemeine Bemerkungen zu Artikeln und Pronomen

Artikel und Pronomen sind nach den Merkmalen Genus, Numerus und Kasus gekennzeichnet, z. B. Der Mops / Dieser Mops / Jeder Mops / Dieser / Er kläfft. Wer kläfft? (Mask. Sg. Nom.), und haben in erster Linie eine grammatische Funktion.[1] Am Beispiel der im Deutschen am häufigsten verwendeten Wortart, der Artikel, sollen zunächst die Funktionen und der Gebrauch dieser Wortart näher erläutert werden; dann folgen Erläuterungen zu den Pronomen, wobei hier eine Unterteilung in 'Artikelpronomen' und 'Stellvertreterpronomen' vorgenommen wird.

Artikel

Artikel sind durch folgende syntaktische Merkmale gekennzeichnet:[2]

  • Sie kommen nur in Substantivphrasen (bzw. Nominalphrasen) vor, also in Wortverbindungen, deren Kern jeweils ein Substantiv ist.
  • Ihre Stellung ist festgelegt, d. h. sie gehen entweder dem Substantiv voran (wie im Deutschen, z. B. der Mann) oder sie folgen ihm (so in den skandinavischen Sprachen, in denen der Artikel mit dem Substantivstamm verschmolzen ist, z. B. dän. mand-en 'der Mann'). Nur in Ausnahmefällen können Artikel in manchen Sprachen in beiden Positionen auftreten (z. B. im Schwedischen, wenn vor dem Substantiv auch ein Adjektiv steht, wie in det stora hus-et 'das große Haus').
  • Ihr Auftreten ist in bestimmten grammatischen Kontexten obligatorisch. So steht im Deutschen ein zählbares Substantiv im Singular i. d. R. mit einem Artikel (oder einem Possessivpronomen oder dem Zahlwort ein bzw. kein), vgl. Sie sah die Frau / (s)eine Frau, aber nicht *Sie sah Frau; Er nahm den / (s)einen Stift in die Hand, aber nicht *Er nahm Stift in Hand. (Der Stern * markiert, dass diese Form als grammatisch inakzeptabel gilt.) Ausnahmen davon sind in bestimmten präpositionalen Wendungen (z. B. Ein Leben ohne (einen) Mops ist denkbar)[3] oder in Phraseologismen (z. B. … wo sich Fuchs und Has’ gute Nacht sagen; Essen ist fertig!) möglich.

Artikel gibt es nicht in allen Sprachen der Welt.[4] So fehlen sie etwa in Sprachen wie Türkisch und Arabisch, die heute auch in den deutschsprachigen Ländern hohe Sprecherzahlen haben. Auch das Indogermanische hatte, soweit man heute weiß, keine Artikel.[5] Artikel sind im Laufe der Sprachgeschichte erst aus anderen Wortarten entstanden: Mit vielen anderen Sprachen hat das Deutsche gemein, dass die bestimmten Artikel (der, die, das) aus Demonstrativpronomen und die unbestimmten Artikel aus dem (Kardinal-)Zahladjektiv ein / eine... entstanden sind.[6] Bis heute sind im Deutschen – anders als etwa im Englischen – die morphologischen Formen des bestimmten Artikels nicht von denen des Demonstrativpronomens der / die / das (und auch nicht von denen des Relativpronomens der / die / das) zu unterscheiden; die Formen des unbestimmten Artikels und des Zahladjektivs ein- stimmen im Deutschen ebenfalls überein.[7]

Formen bestimmter und unbestimmter Artikel

Die Artikel im Deutschen sind deklinierbar (wie Substantive, Adjektive und Pronomen). Sie kongruieren mit dem Substantiv in einer Substantivgruppe bzw. Nominalphrase (wie Adjektive und Pronomen auch), d. h., die Genus-, Kasus- und Numerusformen des Artikels werden an das Substantiv angepasst, dem sie zugeordnet sind. Im Gegensatz zu Adjektiven, die ebenfalls mit dem Substantiv auftreten, sind Artikel nicht steigerbar (ebenso wenig wie Pronomen). Im Plural weisen die bestimmten Artikel nur eine Differenzierung nach Kasus, nicht nach Genus auf. Unbestimmte Artikel haben keine Pluralformen. Die Tabellen 1 und 2 zeigen die Formen der Artikel im Deutschen im Überblick:

Kasus Mask. Sg. Fem. Sg. Neutr. Sg. Mask./Fem./Neutr. Pl.
Nominativ der die das die
Akkusativ den die das die
Dativ dem der dem den
Genitiv des der des der

Tabelle 1: Formen des bestimmten Artikels im Deutschen

Kasus Mask. Sg. Fem. Sg. Neutr. Sg. Mask./Fem./Neutr. Pl.
Nominativ ein eine ein --
Akkusativ einen eine ein --
Dativ einem einer einem --
Genitiv eines einer einem --

Tabelle 2: Formen des unbestimmten Artikels im Deutschen

Funktionen und Gebrauch bestimmter und unbestimmter Artikel

Die Artikel zählen zu den am häufigsten verwendeten Wörtern im Deutschen.[8]

Die zentrale semantisch-syntaktische Funktion von bestimmten und unbestimmten Artikeln im Deutschen ist, Definitheit (Bestimmtheit) bzw. Indefinitheit (Unbestimmtheit) anzuzeigen. Das sei am Gebrauch des unbestimmten und bestimmten Artikels illustriert: Durch die Verwendung des Artikels ein / eine... (oder des Zahladjektivs ein / eine...) bleibt ein Vertreter einer Gattung unbestimmt (ein Hund, eine Blume, ein Dessert). Dagegen zeigt der bestimmte Artikel der/die/das (oder ein Demonstrativum wie der / die / das, dieser / diese / dieses) einen aufgrund situativer oder kontextueller Umstände bestimmten Vertreter einer Gattung an (der Hund hier (und nicht der andere), die Blume da (auf die gedeutet wird), das Dessert von gestern (von dem die Rede war) usw.).[9]

Der unbestimmte Artikel wird im Deutschen also verwendet, wenn bei zählbaren Substantiven im Singular (zunächst) kein bestimmter Vertreter einer Gattung gemeint ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn dieser in einem Gespräch, einem Bericht oder einer Erzählung erst eingeführt wird: Ich habe eine Amsel gesehen. Gestern verunfallte ein Autofahrer. Es war einmal ein armes Mädchen. Auch Personennamen können in diesem Sinne mit einem unbestimmten Artikel verbunden werden: Ein Herr Müller ist für dich am Apparat! Bei einem prädikativen Substantiv steht der unbestimmte Artikel dann, wenn mit ihm "die Zugehörigkeit zu einer sozial etablierten und anerkannten Gruppe (Nationalität, Herkunft, Beruf, Funktion, Weltanschauung, Religion, gesellschaftlicher Status usw.) angegeben wird" und das Substantiv ein Attribut enthält, "das kein integraler Bestandteil der entsprechenden Zugehörigkeitsbezeichnung ist"[10], vgl. Sie ist eine bekannte Wissenschafterin vs. Sie ist österreichische Staatsangehörige.

Der Gebrauch des bestimmten Artikels im Deutschen ist – wie oben erwähnt – an bestimmte situative oder kontextuelle Umstände geknüpft; solche Gebrauchsbedingungen gelten zum großen Teil auch für die Verwendung von bestimmten Artikeln in anderen Sprachen.[11] Die wichtigsten dieser Bedingungen im freien Gebrauch des bestimmten Artikels sind:[12]

  • Vorerwähnung (mit Rückverweisung im Text / Gespräch): Gestern verunfallte ein Autofahrer auf der Brennerautobahn. Der 57-Jährige war stark alkoholisiert. (Der Referent des Ausdrucks Der 57-Jährige ist derselbe, der zuvor mit ein Autofahrer eingeführt wurde.)
  • Vorinformation: Was hat der Alkoholtest ergeben? (Man weiß, was ein Alkoholtest in diesem Zusammenhang bedeutet.)
  • Kennzeichnung durch Attribuierung: Ich kenne den Mann, der verunfallt ist, gut. (Es ist ein bestimmter Mann gemeint, nämlich der, der verunfallt ist.)
  • Sachliche Einmaligkeit: Die Sonne ging gerade auf, als der Unfall passierte. (Man geht davon aus, dass es nur eine Sonne gibt.)
  • Generalisierungen: Der Fahrer hatte tags vorher dem Alkohol gehörig zugesprochen. (Man weiß, dass mit dem Alkohol alkoholische Getränke gemeint sind, die eine bestimmte Wirkung verursachen.)

Zum gebundenen Gebrauch des Artikels gehören die Verwendung des bestimmten Artikels bei Länder- und Landschaftsnamen sowie die Festlegung auf einen – bestimmten oder unbestimmten – Artikel in Phraseologismen. In beiden Fällen kann der Gebrauch nicht immer durch grammatische Regularitäten des Deutschen erklärt werden. So ist beispielsweise der bestimmte Artikel in die Tschechische Republik durch die Attribuierung von Republik erklärbar; es zeigt sich außerdem die Regularität, Länder- und Gebietsnamen, die auf -ei enden, mit dem Artikel die zu verwenden (z. B. die Türkei, die Slowakei, die Walachei). Bei die USA und die Niederlande ist die Verwendung des Pluralartikels die durch den Plural motiviert, der den beiden Ländernamen inhärent ist und auch das kongruierende Verb in den Plural setzt (Die USA haben ...). Hingegen gibt es bei Namen wie der Irak, der Iran, der / das Kosovo oder der / die Peloponnes keine grammatische Regel des Deutschen, die den Artikelgebrauch steuert. Bei Phraseologismen zeigt sich der gebundene Gebrauch zum einen dadurch, dass in manchen phraseologischen Wendungen ein Artikel obligatorisch zu setzen ist (z. T. ist er mit einer Präposition verschmolzen), während er in anderen obligatorisch fehlt, z. B. (jemanden) auf die Palme bringen vs. auf __ gut Glück; oder zum / zu einem guten Abschluss bringen vs. etwas in __ Ordnung bringen. Zum anderen kommt die Gebundenheit dadurch zum Ausdruck, dass entweder der bestimmte oder der unbestimmte Artikel steht und diese nicht austauschbar sind, z. B. Er bringt mich noch auf die Palme, nicht: *Er bringt mich noch auf eine Palme; Er könnte niemandem ein Härchen krümmen, nicht: *Er könnte niemandem das Härchen krümmen.

Neben den semantisch-syntaktischen Funktionen übernimmt der bestimmte Artikel im Deutschen auch eine formale Funktion: Bei der grammatischen Beschreibung des Substantivs werden die Artikel der, die und das verwendet, um das grammatische Geschlecht eines Substantivs in seiner Grundform anzuzeigen: der Mann (Maskulinum), die Frau (Femininum) und das Kind (Neutrum; vgl. Genus).

(Areale) Variation im Gebrauch von Artikeln

Die Variation der Artikelverwendung im Deutschen bezieht sich (a) auf die An- oder Abwesenheit von Artikeln bei Substantiven im Singular, (b) auf die An- oder Abwesenheit von Artikeln bei Substantiven im Plural, selten auch (c) auf die Variation zwischen unbestimmtem und bestimmtem Artikel. Alle drei Arten der Variation treten zum großen Teil in Abhängigkeit von regionalen Gebrauchspräferenzen auf.

zu (a): Variation in Form einer An- oder Abwesenheit der Artikelsetzung bei Substantiven im Singular fällt im Deutschen besonders bei der Verwendung von Eigennamen auf. Da Eigennamen aus sich heraus definit sind – sie dienen dazu, Einzelnes unverwechselbar zu benennen –, stehen sie i. d. R. ohne Artikel. Bekannte Ausnahmen davon gibt es in zwei Fällen:

Im gesprochenen Deutsch schwankt der Gebrauch des Artikels sowohl bei Familien- als auch bei Vornamen: Müller / Der Müller hat gesagt, ...; Weiß jemand wo Anna / die Anna ist? Die Formen mit Artikel sind – in formellen wie in informellen Kontexten – weit verbreitet, allenfalls im Norden Deutschlands (noch) nicht üblich.[13] Im Süden des deutschsprachigen Gebiets finden sie jedoch auch in standardsprachlichen Texten vermehrt Verwendung.

Im Standard besteht Variation bei einigen Länder- und Landschaftsnamen, die mit oder ohne bestimmten Artikel verwendet werden (und z. T. auch im Genus schwanken können). Bei den Ländernamen sind es häufig jüngere Namen, die im Artikelgebrauch variieren: (der) Iran, Irak, Jemen, Kongo, Libanon, Niger, Oman, Senegal, Sudan, Tschad; (der / das) Kosovo. Zu den Landschaftsnamen mit areal schwankendem Artikelgebrauch gehören z. B. (das) Vorarlberg und (das) Tirol.

Abgesehen von diesen beiden Fällen ist der Artikelgebrauch bei Namen obligatorisch (und damit nicht variabel), wenn die Namen attribuiert sind (der alte Müller; die kleine Anna; ein Hans, wie wir ihn kennen; der frühere Iran; das schöne Vorarlberg) – es sei denn, sie stehen mit unflektiertem Adjektiv (In ganz Österreich und halb Deutschland ist das so).[14]

zu (b): Bei einigen Phraseologismen variiert die Verwendung des Artikels bei einem Substantiv im Plural, z. B. jemandem wird es (grün und) blau vor den / vor __ Augen; etwas ist mit den / mit __ Händen zu greifen.

zu (c): Eine Variation zwischen unbestimmtem und bestimmtem Artikel tritt ebenfalls bei einigen Phraseologismen auf, z. B.: jemand stellt jemandem ein / (selten:) das Bein; an (jemandem / etwas) einen / (selten:) den Narren gefressen haben. Auch hier deuten sich regionale Präferenzen für die eine oder andere Variante an.

Pronomen

In neueren grammatischen Darstellungen werden zwei Typen von Pronomen unterschieden:[15] Einige Pronomen werden morphologisch und syntaktisch eher wie Artikel verwendet (wie z. B. Dieser in Dieser Fuchs wurde gejagt); sie werden entsprechend als 'Artikelpronomen' (oder 'Begleiterpronomen') bezeichnet. Andere werden syntaktisch wie ein Substantiv oder eine Substantivgruppe (bzw. Nominalphrase) gebraucht (z. B. Dieser und Er in Dieser / Er wurde gejagt); sie werden als 'reine' Pronomen oder 'Stellvertreterpronomen' geführt. Wir übernehmen hier die Termini 'Artikelpronomen' und 'Stellvertreterpronomen' bzw. die terminologische Unterscheidung der beiden Pronomentypen.

Artikelpronomen

Artikelpronomen verfügen über dieselben syntaktischen Merkmale wie Artikel, d. h.:

  • Sie kommen nur in Substantivphrasen (bzw. Nominalphrasen) vor, also in Wortverbindungen, deren Kern jeweils ein Substantiv ist.
  • Ihre Stellung ist festgelegt. Im Deutschen gehen sie dem Substantiv voran (z. B. dieser Mann, ihr Mann).
  • Ihr Auftreten ist in bestimmten grammatischen Kontexten obligatorisch; sie können zwar durch Artikel oder durch Formen von ein / kein ersetzt, aber nicht weggelassen werden, z. B. Ich nehme diesen / meinen (den / einen) Stift in die Hand, aber nicht *Ich nehme Stift in Hand.

Die Artikelpronomen im Deutschen sind fast alle deklinierbar (wie Artikel, Substantive und Adjektive), d. h., die Genus-, Kasus- und Numerusformen des Artikels werden an das Substantiv angepasst, dem sie zugeordnet sind. Im Plural weist ein Artikelpronomen (wie der bestimmte Artikel) nur eine Differenzierung nach Kasus, nicht nach Genus auf. Unbestimmte Artikel haben keine Pluralformen. Im Gegensatz zu Adjektiven, die ebenfalls mit dem Substantiv auftreten, sind Artikelpronomen nicht steigerbar.

Zu den Artikelpronomen im Deutschen zählen:

  • Demonstrativpronomen: dieser / derjenige / derselbe / jener Berg, diese / diejenige / dieselbe / jene Wiese, dieses / dasjenige / dasselbe / jenes Tal. Demonstrativpronomen werden wie der bestimmte Artikel dekliniert (vgl. Tab. 3). Bei der- / die- / dasjenige etc. und der- / die- / dasselbe wird nur der erste Bestandteil wie der bestimmte Artikel dekliniert, der zweite Bestandteil folgt der 'schwachen' Adjektivflexion, z. B.: diejenige / dieselbe Wiese vs. diejenigen / dieselben Wiesen). Auch die betonten Formen von der / die / das fungieren als Demonstrativpronomen, z. B. Ich meine nicht dén Berg, sondern den anderen da. Die Wörter solch- (nach unbestimmtem Artikel) und manch- werden wie Adjektive benutzt und nach dem Muster der 'gemischten' Adjektivflexion dekliniert: ein solcher Berg, eine solche Wiese, ein solches Tal; solche Berge / Wiesen / Täler; mancher Berg, manche Wiese, manches Tal, manche Berge / Wiesen / Täler. (Solch, manch und auch welch können zudem unflektiert verwendet werden, wenn sie – ähnlich wie so – vor einem unbestimmten Artikel und/oder einem attributiven Adjektiv stehen: so / solch ein Berg, manch eine Wiese, welch ein Tal; solch ein Berg, manch eine Wiese, welch ein Tal; ein solch schöner Berg, manch schöne Wiese, welch (ein) schönes Tal).
Kasus Mask. Sg. Fem. Sg. Neutr. Sg. Mask./Fem./Neutr. Pl.
Nominativ dieser diese dieses diese
Akkusativ diesen diese dieses diese
Dativ diesem dieser diesem diesen
Genitiv dieses dieser dieses dieser

Tabelle 3: Formen des Demonstrativpronomens dies- im Deutschen

  • Possessivpronomen: mein / dein / sein / ihr / unser / euer Bruder, meine / deine / seine / ihre / uns(e)re / eu(e)re Schwester, mein / dein / sein / ihr / unser / euer Kind. Diese Pronomen werden im Singular wie der unbestimmte Artikel dekliniert, im Plural wie der bestimmte Artikel (vgl. Tab. 4).
Kasus Mask. Sg. Fem. Sg. Neutr. Sg. Mask./Fem./Neutr. Pl.
Nominativ mein meine mein meine
Akkusativ meinen meine mein meine
Dativ meinem meiner meinem meinen
Genitiv meines meiner meines meiner

Tabelle 4: Formen des Possessivpronomens mein- im Deutschen

  • Interrogativpronomen: Wessen Stift ist das? Was für eine Farbe hat er? Welches Papier sollen wir nehmen? Das Pronomen wessen ist undeklinierbar. Bei was für ein- ist nur ein- veränderlich (nach dem Muster des unbestimmten Artikels). Welch- wird nach dem Muster der Demonstrativpronomen dekliniert (s. Tab. 3); hier schwankt die Form des Gen. Sg. Mask. u. Neutr. im Sprachgebrauch zwischen welches und welchen (Die Farbe welches / welchen Stifts meinst Du?).
  • Indefinitpronomen: z. B. jeder / mancher / irgendein Habicht, jede / manche / irgendeine Amsel, jedes / manches / irgendein Rotkehlchen. Diese Pronomen werden ebenfalls nach dem Muster der Demonstrativpronomen dekliniert (s. Tab. 3); einige Indefinitpronomen sind nur im Plural im Gebrauch, z. B. beide / einige / etliche / alle / sämtliche Enten.
  • Selten werden auch Relativpronomen als 'begleitende' Artikelpronomen verwendet, z. B. …, mit welcher Antwort ich nicht gerechnet hatte. …, dessen Antwort ich nicht abwarten wollte.

Stellvertreterpronomen

Stellvertreterpronomen werden syntaktisch wie eine Nominalphrase gebraucht (z. B. Dieser und Er in Dieser / Er wurde gejagt): Sie stehen 'für ein Nomen', d. h. an Stelle eines Nomens, und werden daher auch als 'reine' Pronomen bezeichnet. In morphologischer Hinsicht gibt es Stellvertreterpronomen, die dekliniert werden (z. B. welcher / welche / welches, niemand / -en / -em), und solche, die nicht dekliniert werden können (z. B. ich, sie, uns, sich).

Zu den Artikelpronomen im Deutschen zählen:

  • Personalpronomen: Sie können die Stelle eines Satzglieds einnehmen und werden nicht dekliniert. Sie beziehen sich auf eine Person, eine Sache oder einen Sachverhalt, die bzw. der meist zuvor erwähnt wurde. Es hingegen kann auch als so genanntes 'formales es' verwendet werden. In diesem Fall liegt kein Verweis auf etwas Vorerwähntes vor; das es hat hier lediglich die Funktion, in bestimmten verbalen Ausdrücken eine rein formale Subjekt- oder Objektstelle auszufüllen (z. B. Es regnet. Sie wird es noch weit bringen.). Ein solches es kann auch die Rolle eines Platzhalters einnehmen, der bei einer Umstellung des Satzes weglassbar ist (z. B. Es stört mich, dass du nichts tust. – Dass du nichts tust, stört mich.).[16]
Kasus 1. Person Sg. / Pl. 2. Person Sg. / Pl. 3. Person Sg. / Pl.
Nominativ ich / wir du / ihr er, sie, es / sie
Akkusativ mich / uns dich / euch ihn, sie, es / sie
Dativ mir / uns dir / euch ihm, ihr, ihm / ihnen
Genitiv meiner / unser deiner / euer seiner, ihrer, seiner / ihrer

Tabelle 5: Formen des Personalpronomens im Deutschen

  • Reflexivpronomen: Als einzige genuine Form dieser Gruppe gilt sich, das Reflexivpronomen der 3. Person. Alle anderen Reflexivpronomen entsprechen den Akkusativ- bzw. Dativformen des Personalpronomens (s. Tab. 5) und werden folglich auch nicht dekliniert. Reflexivpronomen bilden bei 'echt reflexiven Verben' zusammen mit der Verbform eine Einheit und sind nicht austauschbar (z. B. Er irrt sich), während sie bei 'reflexiv gebrauchten Verben' die Rolle von Satzgliedern einnehmen (z. B. Er putzt sích die Zähne – und nicht seinem Kind).
  • Relativpronomen: Zu dieser Gruppe gehören der / die / das etc. und welcher / welche / welches etc. (auch d- und w-Relativpronomen genannt). Der im Sprachgebrauch häufiger verwendete Typ, der / die / das, ist in fast allen Formen mit dem bestimmten Artikel identisch; eigene Formen hat das d-Relativpronomen nur im Dativ Plural (denen) und im Genitiv: dessen (Sg. mask. / neutr.), deren / derer (Sg. fem. und Pl. mask. / fem. / neutr.). Das w-Relativpronomen, der weniger häufige Typ, wird wie das Interrogativpronomen welcher / welche / welches dekliniert. Relativpronomen leiten Relativsätze ein und übernehmen dort meist die Position eines Satzglieds, seltener auch die eines begleitenden Artikelpronomens (s. o.).
  • Auch Demonstrativ-, Interrogativ- und Indefinitpronomen können als Stellvertreterpronomen verwendet werden, z. B. Das / Dies kann ich Dir nicht sagen. Wer hat an der Uhr gedreht? Jeder wusste das. Alle schwiegen. Er hatte keine Stifte mehr und hat sich einfach welche genommen.

(Areale) Variation im Gebrauch von Pronomen

Eine so ausgeprägte Variation, wie es sie in den Dialekten des Deutschen im Bereich der Pronomen gibt,[17] findet sich in der Standardsprache nicht. Die standardsprachliche Variation im Gebrauch der Pronomen im Deutschen zeigt sich im Wesentlichen in der Präferenz für einen von zwei Pronomentypen mit gleicher Funktion. Dies hat häufig stilistische Gründe. Allerdings lassen sich auch Fälle mit klaren arealen Präferenzen feststellen; dies betrifft Fälle wie

  • den Gebrauch von Demonstrativpronomen des Typs diejenige / jene bei folgendem Relativsatz,
  • den Gebrauch der Demonstrativpronomen das / dies,
  • den Gebrauch der Relativpronomen des Typs der / die / das oder des Typs welcher / welche / welches,
  • den Gebrauch der Stellvertreterpronomen deren und derer (jeweils im Plural) mit einem Zahlwort (z. B. In den Heimspielen holten sie 16 Punkte, auswärts nur deren / derer 10.),
  • den Gebrauch von Personalpronomen oder Reflexivpronomen in Verbindung mit der Partikel selbst / selber (z. B. er selbst sein / sich selbst sein),
  • den Gebrauch von Verschmelzungsformen des Personalpronomens du mit einer vorangehenden Verbform (z. B. kannste).

Einzelnachweise

  1. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 247.
  2. Vgl. Himmelmann, Nikolaus P. (2001): Articles. In: Haspelmath, Martin / König, Ekkehard / Oesterreicher, Wulf / Raible, Wolfgang (Hrsg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien. Ein internationales Handbuch. Band 1. Berlin/New York: de Gruyter (= HSK 20.1), S. 831–842; hier S. 832–833.
  3. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 334.
  4. Vgl. Dryer, Matthew S. (2013): Definite Articles. In: Dryer, Matthew S. / Haspelmath, Martin (Hrsg.): The World Atlas of Language Structures Online. Leipzig: Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology. Online: http://wals.info/chapter/1
  5. Vgl. Dal, Ingerid (2014): Kurze deutsche Syntax auf historischer Grundlage. 4. Auflage, neu bearbeitet von Hans-Werner Eroms. Berlin/Boston: de Gruyter (= SKGGDB 7), S. 95.
  6. Vgl. Himmelmann, Nikolaus P. (2001): Articles. In: Haspelmath, Martin / König, Ekkehard / Oesterreicher, Wulf / Raible, Wolfgang (Hrsg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien. Ein internationales Handbuch. Band 1. Berlin/New York: de Gruyter (= HSK 20.1), S. 831–842; hier S. 834–838.
    Fürs Deutsche: Dal, Ingerid (2014): Kurze deutsche Syntax auf historischer Grundlage. 4. Auflage, neu bearbeitet von Hans-Werner Eroms. Berlin/Boston: de Gruyter (= SKGGDB 7), S. 95.
  7. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 260, 303, 335–336.
  8. Vgl. König, Werner / Elspaß, Stephan / Möller, Robert (2015): dtv-Atlas Deutsche Sprache. 18., durchgesehene und korrigierte Auflage. München: dtv, S. 114–115.
  9. Schwinn, Horst (2016): Definitheit. In: Glück, Helmut / Rödel, Michael (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Stuttgart: Metzler, S. 131.
  10. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 333.
  11. Vgl. Himmelmann, Nikolaus P. (2001): Articles. In: Haspelmath, Martin / König, Ekkehard / Oesterreicher, Wulf / Raible, Wolfgang (Hrsg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien. Ein internationales Handbuch. Band 1. Berlin/New York: de Gruyter (= HSK 20.1), S. 831–842; hier S. 833.
  12. Aufzählung nach Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 293–297.
  13. Vgl. Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA), Runde 9: http://www.atlas-alltagssprache.de/artikelnachname/, http://www.atlas-alltagssprache.de/artikelvorname/
  14. Vgl. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 301.
  15. Eisenberg, Peter (2013): Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Stuttgart: Metzler, S. 163.
    Imo, Wolfgang (2016): Grammatik. Eine Einführung. Stuttgart: Metzler, S. 82–83.
  16. Vgl. Pütz, Herbert (1986): Über die Syntax der Pronominalform "es" im modernen Deutsch. 2., durchgesehene Auflage. Tübingen: Narr.
  17. Vgl. König, Werner / Elspaß, Stephan / Möller, Robert (2015): dtv-Atlas Deutsche Sprache. 18., durchgesehene und korrigierte Auflage. München: dtv, S. 155–157.

Weiterführende Literatur

  • Bisle-Müller, Hansjörg (1991): Artikelwörter im Deutschen. Semantische und pragmatische Aspekte ihrer Verwendung. Tübingen: Niemeyer.
  • Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 291–302, 331–339.
  • Graefen, Gabriele (2007): Pronomen. In: Hoffmann, Ludger (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Berlin/New York: de Gruyter, S. 657–705.
  • Heinrichs, Heinrich Matthias (1954): Studien zum bestimmten Artikel in den germanischen Sprachen. Gießen: Schmitz.
  • Himmelmann, Nikolaus P. (2001): Articles. In: Haspelmath, Martin / König, Ekkehard / Oesterreicher, Wulf / Raible, Wolfgang (Hrsg.): Sprachtypologie und sprachliche Universalien. Ein internationales Handbuch. Band 1. Berlin/New York: de Gruyter (= HSK 20.1), S. 831–842.
  • Hoffmann, Ludger (2007): Determinativ. In: Hoffmann, Ludger (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Berlin/New York: de Gruyter, S. 293–356.

Verfasst von Stephan Elspaß