Adjektive und ihre Ergänzungen

Aus Variantengrammatik des Standarddeutschen
Wechseln zu:Navigation, Suche

Allgemeines zum Variantenphänomen und zur arealen Variation

Adjektive können eine unterschiedliche Zahl an Ergänzungen (auch als Mitspieler bezeichnet) im Satz aufweisen.[1]

Variation bei Präpositionen

Manche Adjektive haben neben dem Subjekt einen weiteren Mitspieler, der durch eine besondere Präposition mit dem Adjektiv verbunden ist.[2] Beispielsweise kann das Adjektiv stolz mit der Präposition auf kombiniert werden: Sie ist stolz auf die ehrenamtliche Arbeit aller Mitglieder. (Neue Osnabrücker Zeitung). Die Präposition auf und die von ihr abhängige Substantivgruppe (= die ehrenamtliche Arbeit aller Mitglieder) bilden eine sog. Präpositionalphrase. Hierbei hat die Präposition (im Beispiel auf) keine 'wörtliche' Bedeutung, sondern verbindet das Adjektiv mit seinem Mitspieler (= seiner Ergänzung, im Beispiel Arbeit).

Die Adjektive anfällig, besorgt und froh können mit jeweils unterschiedlichen Präpositionen verwendet werden. Die jeweiligen Präpositionen werden bei diesen drei Adjektiven gleichbedeutend nebeneinander, aber areal unterschiedlich gebraucht.

Variation im reflexiven / nicht reflexiven Gebrauch prädikativer Adjektive

Die Adjektive gewohnt bzw. gewöhnt können zusammen mit dem Kopulaverb sein areal unterschiedlich mit und ohne sich (d. h. reflexiv oder nicht reflexiv) verwendet werden.

Variation bei Konjunktionen in Vergleichskonstruktionen nach Adjektiven

Mithilfe eines Adjektivs kann in zwei Weisen ein Vergleich ausgedrückt werden: Entweder wird das Adverb so vor das Adjektiv gesetzt (z. B. so schnell) oder das Adjektiv wird im Komparativ verwendet (z. B. schneller). Im Falle eines Komparativs wird fast ausschließlich die Vergleichspartikel als gebraucht: Gemäss Studie ist sogar Winterthur attraktiver als Basel. (Basellandschaftliche Zeitung). Wird der Vergleich mit so angestellt, folgt auf das Adjektiv fast ausschließlich die Vergleichspartikel wie: Damit sind Lebensmittel so teuer wie nie. (Thüringer Allgemeine). Eine Ausnahme von dieser grundsätzlichen Aufgabenteilung von als und wie zeigt sich in der Kombination so X als / wie möglich, wo als und wie gleichbedeutend, aber areal unterschiedlich gebraucht werden: Weitere Ergebnisse sollen so rasch wie möglich vorliegen. (Kronen Zeitung, Steiermark und Kärnten). So rasch als möglich sollen […] Testfahrten durchgeführt werden. (1815 – Das Oberwalliser Nachrichtenportal).

Weitere Varianten bei der Syntax von Adjektiven

Areale Unterschiede bestehen auch in der Verwendungsweise (= in der syntaktischen Funktion) bestimmter Adjektive. So kommt die prädikative Verwendung des Adjektivs x-jährig mit einem Kopulaverb fast ausschließlich in CH vor. Auch die attributive Verwendbarkeit des Adjektivs initiativ unterscheidet sich areal. Einige Adjektive können attributiv verwendet und dabei dem Substantiv, auf das sie sich beziehen, endungslos nachgestellt werden, z. B. Zu sehen gibt es für alle das Gleiche: niederrheinische Natur pur. (Rheinische Post).

Die relative Abfolge von Adjektiven und bestimmten Adverbien kann areal unterschiedlich sein: Dies gilt für die Position des Adverbs genug (vor oder nach dem Adjektiv, auf das es sich bezieht) sowie für die Reihenfolge der Adverbien nicht und so und eines Adjektivs.

In CH kann von einem wertenden Adjektiv ein Satz abhängig sein, in dem auffälligerweise das Verb an der ersten Stelle steht.

Einzelnachweise

  1. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 366.
  2. Duden (2016): Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin: Dudenverlag (= Band 4), S. 779 und 929.

Weiterführende Literatur

  • Schmale, Günter (2011): Das Adjektiv im heutigen Deutsch. Syntax, Semantik, Pragmatik. Tübingen: Stauffenburg (= Eurogermanistik 29).
  • Trost, Igor (2006): Das deutsche Adjektiv. Untersuchungen zur Semantik, Komparation, Wortbildung und Syntax. Hamburg: Buske (= Beiträge zur germanistischen Sprachwissenschaft 19).
  • https://grammis.ids-mannheim.de/systematische-grammatik/276#

Siehe auch

Verfasst von Martin Businger